„Wir brauchen immer mehr solche Sachen, weil die Landwirtschaft immer monotoner wird und sich das in Zukunft auch nicht ändern wird“, sagt Alois Werne, der sich im Weiler Sonnenberg, direkt an der Landesstraße zwischen Dettighofen und Baltersweil, einen großen Naturgarten mit einheimischen Wildpflanzen und Blumen angelegt hat. Auf dem mehr als 3000 Quadratmeter großen Gelände, das früher Wiese und Rasenfläche war, gibt es fast 1000 Pflanzenarten, allein in den Steingärten sind es mehr als 150.

Alois Werne möchte mit seinem Naturgarten Menschen animieren, es ihm gleich zu tun und etwas zur Arterhaltung beizutragen.
Alois Werne möchte mit seinem Naturgarten Menschen animieren, es ihm gleich zu tun und etwas zur Arterhaltung beizutragen. | Bild: Thomas Güntert

Da der 42-jährige Junggeselle auch Lebensraum für möglichst viele Tierarten schaffen will, hat er auch Steingärten, Nisthilfen und einen Gartenteich mit Ufer-, Flach- und Tiefwasserbereich angelegt, wo sich zahlreiche Insekten, Vögel und Kleinsäugetiere aufhalten. Werne erklärt, dass die Insekten der Anfang der Lebensmittelkette sind und dass die Hummel beispielsweise das einzige Insekt ist, das Tomaten bestäuben kann. „Gäbe es die Insekten nicht mehr, würde bei uns ein Milliardenschaden entstehen“, sagt Werne.

Im Naturgarten Sonnenberg gibt es auch einen Gartenteich mit Ufer-, Flach-, und Tiefwasserbereich.
Im Naturgarten Sonnenberg gibt es auch einen Gartenteich mit Ufer-, Flach-, und Tiefwasserbereich. | Bild: Thomas Güntert

Im nächsten Jahr pachtet er eine eineinhalb Hektar große Wiese von seinem Bruder, der auf dem Areal eine Holzbaufirma betreibt und er wird sie einsäen und drei Reihen Wildhecken pflanzen. „Heute werden Wiesen totgemäht und wenn das Gras siliert wird, können sich die Pflanzen nicht einmal versämen“, merkt Werne an, der auf der Wiese auch 30 Hochstamm-Streuobstbäume pflanzen wird. Im Naturgarten stehen bereits 30 alte und zehn junge Streuobstbäume. Laut Werne leben bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten in und von der Streuobstwiese.

Für verschiedene Insektenarten hat Alois Werne unterschiedliche Nistkästen gebaut.
Für verschiedene Insektenarten hat Alois Werne unterschiedliche Nistkästen gebaut. | Bild: Thomas Güntert

Aus Zeitmangel kann der ausgebildete Schornsteinfegermeister, der in der Schweiz als Lüftungstechniker arbeitet, die Äpfel selbst nicht ernten. „Es ist schade, wenn die Äpfel verfaulen müssen“, findet Werne, der die ungespritzten Äpfel gerne kostenlos abgeben möchte, wenn sie jemand aufliest. Die Bäume hängen in diesem Jahr proppenvoll. Alois Werne sagt: „Ich will überzeugen und nicht missionieren.“ Er steckt seine ganze Freizeit in den Naturgarten, bei dem der Aufbau die meiste Arbeit macht. Die Pflege ist im Vergleich zum Ziergarten relativ gering und auch die Kosten sind überschaubar, da sich Wildpflanzen selbst versämen.

Obwohl sich auch in den Steinpyramiden Insekten aufhalten, dienen sie als einzige Objekte überwiegend der Dekoration.
Obwohl sich auch in den Steinpyramiden Insekten aufhalten, dienen sie als einzige Objekte überwiegend der Dekoration. | Bild: Thomas Güntert

Seit 2017 bietet Alois Werne öffentliche Führungen an und Gruppenführungen sind nach Absprache ebenfalls möglich. Das macht er alles kostenlos und aus voller Überzeugung. „Ich will andere Leute animieren, das Gleiche zu machen, wenn es auch nur auf einem Quadratmeter ist“, betont Alois Werne.

Informationen zum Naturgarten gibt es hier.