Mit 50 Anmeldungen in Präsenz und zehn weiteren online reichte die Dachsberghalle gut aus für die Bürgerversammlung zum Thema Mobilfunkausbau in der Gemeinde. Allerdings hatte sich vor der Halle noch ein Protestgrüppchen formiert, das mit Transparenten darauf hinwies, dass sich dessen Teilnehmer grundsätzlich gegen die Bereitstellung von 5G aussprechen.

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Im Vorfeld hatte sich diese Gruppe, zusammengesetzt aus besorgten Eltern des Waldorfkindergartens in Wolpadingen, der Waldorfschule in Urberg sowie einigen strahlensensiblen Menschen dahingehend geäußert, dass sie die Veranstaltung als einseitig die Interessen der Mobilfunkbetreiber in den Vordergrund rückend betrachten.

Die Redner

Als Redner eingeladen waren Hilmar Möhlmann (Betreiberfirma Telefonica), Bernd Schweizer (Leiter des Kreisbaumeisterdienstes beim Landratsamt), Walter Berner (Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg) sowie Stefan Tophofen und Gunde Ziegelberger (beide Bundesamt für Strahlenschutz).

Dachsbergs Bürgermeister Stephan Bücheler stellte nochmals kurz die Vorgeschichte dar vom ersten Informationsschreiben der Telefonica, das am 2. März bei der Verwaltung eingegangen war, über die am 12. April eingereichte Unterschriftenliste mit dem Antrag auf eine Versammlung bis zu dessen Annahme durch den Gemeinderat. Er fügte an, er halte den an die Informationen sich anschließenden Meinungsaustausch für den wichtigsten Punkt der Versammlung.

Netzbetreiber Telefonica

Möhlmann stellte den Kunden als Architekten des Netzes dar, mit dem Bedarf eines jährlich um 40 Prozent wachsenden Datenvolumens, dem man lediglich hinterherbaue. Daneben müssten die Versorgungsauflagen der Regierung erfüllt werden mit einem Netzausbau von 98 Prozent bis 2022 unter Schließung von bundesweit derzeit noch 500 weißen Flecken, um die Lebensverhältnisse im ländlichen Raum denen in den Städten anzugleichen. Zeitgemäß sei die Versorgung derzeit nur in Wittenschwand, von den Standortvorschlägen der Gemeinde nur einer von ausreichendem Nutzen, nämlich der in der Gemarkung Rütte auf Flurstück 419. Der Mast soll für die Nutzung von Mitbewerbern ausgelegt sein, im Bereich von 700 bis 900 Megahertz und sowohl für 2 und 4 als auch für 5G bereitstehen.

Landratsamt Waldshut

Bernd Schweizer machte in Bezug auf die baurechtlichen Grundlagen deutlich, dass der Sendemast im Außenbereich privilegiert und damit grundsätzlich zulässig sei. Sind die Voraussetzungen wie gesicherte Zufahrt und Anbindung an die Stromversorgung erfüllt, ist die Gemeinde zur Erteilung des Einvernehmens verpflichtet, so Schweizer. Grundsätzlich sei die Anrufung eines Petitionsausschusses des Landtags möglich, das Ergebnis für die Verwaltung aber nicht bindend.

Landesanstalt für Kommunikation

Die Ausführungen von Walter Berner, der wie Schweizer in der Halle präsent war, betrafen im wesentlichen die Stärke und die Frequenz der zu erwartenden Strahlung. Die Strahlung betrage bei 500 Metern Entfernung vom Sendemast 1,5 Milliwatt pro Quadratmeter, im Gegensatz dazu setze ein Nebenstehender mit seinem Handy seinen Nachbarn einer Strahlung von 35 Milliwatt aus, und auch ein WLAN erzeuge im Abstand von drei Metern 0,9 Milliwatt. Der Grenzwert liege bei 3900 Milliwatt. Als Frequenzen seien für den ländlichen Raum höchstens 3,6 Gigahertz im Gespräch, die wesentlich höherfrequenten Millimeterwellen indes für die großen zu überbrückenden Abstände hier ungeeignet. Schließlich gab Berner noch zu bedenken, die Minimierung der Strahlung liege bei jedem Einzelnen, das Nutzungsverhalten der Jugendlichen gehe indes immer mehr in Richtung Mobilität und weg vom Festnetz.

Bundesamt für Strahlenschutz

Stefan Tophofen erklärte, die einzig zu Veränderungen führende ionisierende Strahlung liege wesentlich höher als der Mobilfunkbereich und sei daher schon rein physikalisch auszuschließen. Da die Entfernung maßgeblich sei, sei das Handy als bedrohlicher einzustufen als ein Sendemast. Zudem bedeute schlechter Empfang höhere Strahlung direkt am Handy. Thermische Wirkung sei die einzig auf den Körper nachgewiesene, hingegen gebe es im Bereich von Flora und Fauna bislang nur Einzelstudien, die noch nicht reproduziert werden konnten, wie Gunde Ziegelberger ergänzte.

Online zugeschaltet waren Hilmar Möhlmann (links) sowie Gunde Ziegelberger und Stefan Tophofen. Die Versammlung leitete Bürgermeister Stephan Bücheler (unten rechts).
Online zugeschaltet waren Hilmar Möhlmann (links) sowie Gunde Ziegelberger und Stefan Tophofen. Die Versammlung leitete Bürgermeister Stephan Bücheler (unten rechts).