Einen Streifzug durch nahezu 40 Jahre Bandgeschichte hat die Triobesetzung des alemannischen Folk-Rock-Urgesteins Goschehobel in Urberg gemacht. Der Garten im „Alten Engel“ brodelte, kochte, schäumte gar über vor Stimmung. Oliver Fabro, Eberhard Jäckle und Urban Huber-Wölfle spielten auf, als gelte es das Leben und das zahlreiche Publikum dankte mit enthusiastischem Applaus und rhythmischem Klatschen. Auch der Backgroundchor aus dem Garten klappte vorzüglich, und einige Zuhörerinnen tanzten am Ende sogar mit.

Die Mischung aus Rock, Folk und Blues, die in die Goschehobel-Lieder Eingang gefunden hat und neben den alemannischen Texten diesen ganz eigenen Stil der Band ausmacht, riss das Publikum unweigerlich mit. Die Atmosphäre in dem überall mit kleinen Öllichtern und Kerzen malerisch ausstaffierten Garten sowie die fürsorglich bereitgehaltenen Sitzkissen und Decken taten das Übrige. Die noch recht kühle Abendluft verwandelte sich so gefühlt in eine laue Sommernacht.

Inhalte aus dem Leben

Die aus dem ganz normalen Leben gegriffenen Inhalte der Lieder berührten, belustigten und sorgten für viel Stimmung. Mit den „Luftwurzeln“, einem Lied über Freiheit und ein Aufruf, über die eigene Kirchturmspitze zu schauen, begann der Abend, gefolgt von „Vagabunde“, dem Titellied einer der älteren CDs. Aber auch das Repertoire ihrer brandneuen CD hatten die Drei mitgebracht, sodass das Publikum in Urberg an diesem Abend in den Genuss einiger Premieren kam. So etwa beim Titel „Zemme“, in dem das tolle Gefühl beschrieben wird, wieder auf der Bühne zu stehen, aber auch die Dankbarkeit für das gemeinsam Erlebte zum Ausdruck kommt, immer verbunden mit der im Grunde rhetorischen Frage im Hinterkopf, wie das Leben wohl ohne Freundschaft wäre.

Vele Programmpunkte dieses Abends kreisen um solche einfach und darum um so treffender formulierten Kernfragen menschlichen Seins. Sie richten ohne mahnenden Zeigefinger auskommende und dennoch vielleicht gerade darum wirksame Appelle an die Zuhörer. Die Musiker sprechen Erkenntnisse und Wahrheiten an, die, verpackt in den bodenständigen Dialekt und die spritzige Musik, Chancen haben, gehört zu werden und vielleicht auch nur unterbewusst Wirkung zu hinterlassen.

Da ist beispielsweise die lyrisch-sanfte Ballade „Hey Kind“, eine Aufforderung, sich auch als Erwachsener möglichst viel von der kindlichen Fantasiewelt zu bewahren, oder das Titellied der CD „Kunderbunt“, das bekräftigt, dass jeder singen und tanzen kann, nur die Freude daran zählt. Titel wie „Räge, Wind un Fiir“, „Trotzdem“ oder der Titel über das Gedankenkarussell im Kopf rufen dazu auf, an die eigene Kraft zu glauben und im Jetzt zu leben. Und dann gibt es da natürlich noch solche Reißer, die mit Witz und ironischer Selbstanklage punkten, wie der ebenfalls neue Titel, der vor Augen führt, wie progressiv, alternativ und umweltbewusst wir sind, solange entsprechende Pläne „Nit vor minere Dür – not in my Backyard“ landen.

Kulthits

Zum Programmende hin und bei den vehement geforderten Zugaben wurde die Stimmung immer hitziger, der Goschehobeleinsatz von Urban Huber-Wölfle und die schnellen Gitarrensoli Oliver Fabros immer markanter. Da kamen auch Kulthits wie das Lied vom Baggersee („Nack, nack, nackig – am Baggersee“) alias „Knocking On Heavens Door“ oder der Titel „Für immer jung“ („Forever Young“) zum Einsatz, bevor sich das Trio ganz leise a cappella und nochmals mit Unterstützung des Publikums mit dem alten Volkslied „Züseli büseli rä-dä-dä“ endgültig verabschiedete.