Auf dem Dachsberg soll ein weiterer Funkmast aufgestellt werden. Hintergrund ist die Vereinbarung zwischen der Bundesregierung und Mobilfunkbetreibern, 97 Prozent der Haushalte mit einem ausreichenden Mobilfunknetz auszustatten. Dieses Ziel sollte eigentlich bereits 2020 erfüllt sein. Dachsberg aber hat bislang noch etliche weiße Flecken in der Mobilfunkabdeckung aufzuweisen. Der geplante Funkmast zwischen Ennersbach und Finsterlingen soll hier eine deutliche Verbesserung bringen, so die Planung des Netzbetreibers. Nicht alle Einwohner sind indes davon angetan.

Mehr Nachteile als Vorteile

In Dachsberg und in Ibach haben sich Gruppen gebildet, die den geplanten Mobilfunkausbau ablehnen oder darin zumindest mehr Nachteile als Vorteile sehen. Die Mitglieder dieser Gruppen vertreten auch mehrheitlich die Meinung, dass der weitere Ausbau des Mobilfunks angesichts des im Gang befindlichen Glasfaserausbaus ohnehin unnötig sei. Die Befürworter betonen die Bedeutung des Ausbaus – auch für die Sicherheit.

Das sagen die Befürworter

Die Befürworter des Mobilfunkausbaus haben klare Fakten auf ihrer Seite. Die deutlichste Tatsache lasse sich ganz einfach auf dem Handy ablesen: „Kein Netz“. Das werde sich, zumindest im Wald, auf freiem Feld oder überhaupt im Außenbereich durch den Breitbandausbau allein auch nicht ändern, sagen sie. Das Argument, in einem Notfall ohne Netz keine Möglichkeit zu haben, einen Hilferuf auszusenden oder von Helfern schnell und effektiv gefunden zu werden, wiegt daher beträchtlich. „Ich habe da durchaus schon so manche brenzlige Situation erlebt“, weiß etwa Arzthelferin Claudia Albiez zu berichten.

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Wer kein Netz hat, scheint quasi aus der Zeit gefallen zu sein. Das merkt ganz deutlich etwa derjenige, dem schon einmal, beispielsweise im Zusammenhang mit einem Gewitter, der Router ausgefallen ist oder bei dem eine Störung im Festnetz auftrat. Der Versuch, mit der Telekom-Hotline zu kommunizieren, wenn man erst ein paar Kilometer weit fahren muss, um die Störung zu melden, „ist Stress pur, ganz zu schweigen von dem Erklärungsbedarf, warum man in so einem Fall nicht gleichzeitig telefonieren und eine Funktionsabfrage am PC starten kann“, sagt eine Dachsbergerin.

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Und dann ist da noch die simple Tatsache, dass ein Festnetzanschluss in der heutigen Zeit bei der Jugend, aber zunehmend auch ganz allgemein, nicht mehr obligatorisch zu sein scheint. Viele Menschen geben inzwischen auch nur noch ihre Handynummer an, manch einer besitzt gar keinen Festnetzanschluss mehr. Begünstigt wurde das auch durch die Vertragsumstellungsversuche der Telekom beispielsweise auf dem Dachsberg.

Das sagen die Gegner

Da sind zum Einen Naturschützer wie beispielsweise die ökologische Landwirtin Dorothee Manthei oder der Biologe Heinz-Michael Peter, die die Gefahr der Beeinträchtigung von Pflanzen, Tier und Mensch durch eine gesteigerte Strahlenbelastung gleichermaßen anmahnen. Sie führen Untersuchungen etwa der Wirkung elektromagnetischer Felder auf Insekten an, die unter anderem Beeinträchtigungen des Orientierungssinns und der Reproduktionsfähigkeit belegten, sodass die Populationen deutlichem Schwund ausgesetzt seien, auch in Gebieten wie etwa dem Dachsberg, wo Pestizide quasi keine Rolle spielen, sagen sie.

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Zum Anderen gibt es etliche strahlensensible Menschen wie Monika Hartnagel, die sich eigens aufgrund der niedrigen Strahlenbelastung dort angesiedelt haben und nun um ihr Zuhause bangen. Funkgeschädigte Elektrohypersensible aus ganz Deutschland hätten sich teils in den Wald in Autos und Wohnwagen zurückgezogen. „Wir wollen einfach in Ruhe leben. Wir sind auf funkarme Gegenden angewiesen“, sagt Monika Hartnagel.

Die Zwischentöne

Die Spanne zwischen absoluten Befürwortern und strengen Gegnern ist groß, aber es gibt auch viele Zwischentöne. Da sind beispielsweise die Pragmatiker, die keine weitere Verspargelung der Landschaft , wie sie es nennen, wollen und sich dafür aussprechen, bestehende Anlagen weitreichender zu nutzen. Und es gibt auch Dachsberger und Ibacher, die zwar grundsätzlich mit dem Mobilfunkausbau einverstanden sind, aber mit der Vorgehensweise, die der Verwaltung bei der Standortwahl kaum Spielraum lässt, ihre Probleme haben. Oder sie halten den nicht genehmigungspflichtigen Ausbau von 4G auf 5G für unangemessen oder unnötig.