Dachsberg – Der „Kleine Prinz“ als Ein-Mann-Stück? Vorausgesetzt es wird von einem so beweglichen, so flexibel von Charakter zu Charakter springenden, dabei jeder Person Leben einhauchenden und darüber hinaus jede Möglichkeit zur Improvisation nutzenden Künstler wie David Leubner gespielt. So geschehen an mehreren Orten auf dem Hotzenwald und am Montagabend im Garten des „Alten Engel“ in Urberg.

Der 31-jährige Leipziger Schauspieler machte nach Schulabschluss und einem Jahr in Neuseeland eine dreimonatige Deutschlandtournee mit dem Theatertotal Bochum, kam danach zur Theaterfabrik Leipzig. Er absolvierte sein Schauspielstudium an der Sächsischen Theaterakademie und arbeitet zeitweise bei den Landesbühnen Sachsen. Daneben hat er mit Regisseur Bernd Guhr mehrere Ein-Mann-Stücke auf die Bühne gebracht.

Die Geschichte

Ein Pilot, mit Motorschaden strandet in der Wüste, hat knapp acht Tage Zeit, seine Maschine wieder in Gang zu bringen. Da taucht ein Kind auf und verlangt von ihm, ein Schaf gezeichnet zu bekommen. Der Pilot versucht den Jungen abzuwimmeln, der aber ist hartnäckig, und so erfährt der Pilot nach und nach die Geschichte dieses merkwürdigen Jungen, der sich als Prinz von einem fernen Planeten entpuppt.

In seiner etwa 75-minütigen Vorstellung verkörpert Leubner alle 14 Figuren. Kindlich naiv und rührend wissbegierig der kleine Prinz, der sofort zu erkennen ist, auch ohne das genial einfache Hilfsmittel des immer gleich um den Hals geschwungenen gelben Schals. Der gelbe Schal wird im Laufe der Handlung zusammengerollt zum Trinkgefäß und am Ende gar zum Leichentuch, das der Pilot über den Körper des kleinen Prinzen breitet. Sehr glaubhaft gestaltet Leubner auch seinen dreibeinigen Klapphocker zu einem festsitzenden Bolzen an seiner Maschine um, nachdem er geradezu akrobatisch seinen Flugzeugabsturz nachgestellt hat.

Leubner erschafft berührende Momente, etwa bei der Enttäuschung des kleinen Prinzen angesichts eines ganzen Gartens voller Rosen, oder bei der Zähmung des Fuchses, vor allem aber am Ende. Er bringt die Zuschauer aber auch immer wieder zum Schmunzeln oder gar zum Lachen, etwa wenn die eitle Rose des kleinen Prinzen deutlich sächselt, oder spontan, als ihm das Glockenläuten der benachbarten Kirche gerade dann in die Rede fällt, als er erzählt, „die Blume wurde nicht fertig damit, aus der Knospe eine Blüte zu bilden“ – ein herrlich passender Moment zum Innehalten.

Sehr anrührend ist am Ende des grandios gespielten Stückes das tonlos wiederholte „ich schwieg“ des Piloten angesichts der Erklärungsversuche des kleinen Prinzen, warum er sich von der Schlange beißen lassen wird, um nach Hause zurückzukehren.