Während Frankreich allgemein als Weinanbauland gilt, würde man den Schwarzwald wohl eher als Bierbrauerregion bezeichnen. Umso erstaunlicher, dass ausgerechnet ein Franzose sich anschickt, einen Bierclub zu gründen. Der aus Nantes stammende Franck Metivier hat genau das vor. Im vergangenen Monat ist er aus der Bretagne ins Albtal gezogen, in die Pension „zur Alten Gerbe“, die seinen Schwiegereltern gehört. Und dort, in der Gerberstube, will er ab September in geselliger Runde künftig Bierverkostungen anbieten.

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„Ich will keinen Verein gründen und auch keine Wissenschaft betreiben, sondern einfach Spaß haben mit Gleichgesinnten“, meint Metivier überzeugt, obwohl schon nach wenigen Sätzen im Gespräch mit ihm ganz deutlich wird: Dieser Mann hat nicht nur ein riesiges Wissen über Theorie und Praxis des Bierbrauens, er ist auch in der Geschichte der Bierbraukunst außerordentlich bewandert.

Nach seiner Ausbildung zum Kellner und einer Management-Ausbildung an der Hotelfachschule im französischen Vannes hat der 1962 geborene Metivier sowohl in Hotels und Restaurants in Frankreich als auch in Deutschland gearbeitet, unter anderem führte ihn sein Berufsweg auch nach Höchenschwand.

Er war Restaurantleiter an renommierten Häusern und später auch selbst Inhaber von Gasthäusern und Brauereien. Im Jahr 2011 erwarb er das Diplom zum Brauer an der Universität von La Rochelle, 2016 das Diplom zum Biersommelier in München. Seit 2017 ist er sogar Mitglied der französischen Biersommelier-Nationalmannschaft und nahm 2017 an den Weltmeisterschaften der Biersommeliers in München und zwei Jahre später 2019 im italienischen Rimini teil.

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„Die meisten Menschen trinken das Bier, das in ihrer direkten Umgebung heimisch ist“, weiß Metivier, und das findet er auch in Ordnung. Er will sich indes nicht darauf beschränken, zumal er weiß, dass es 140 unterschiedliche Bierstile auf der Welt gibt.

So kennt er beispielsweise die 2005 in Amerika erschienene internationale Bierliste BJCP, interessiert sich aber auch für die Biervielfalt vergangener Zeiten, etwa das alte Dortmunder Schwarzbier. Wenn er also ein Thema für eine Bierverkostung auswählt und dann daraus seine Wahl trifft und vorstellt, verspricht das eine spannende und informative Sache zu werden.

Franck Metivier hat auch bereits Erfahrung mit solchen Bierproben. In der Bretagne hatte er eine Gruppe von rund 60 Interessenten, aus denen sich die Teilnehmer für diese Verkostungen zusammensetzten. Diese Gruppe hat nun einer seiner Stammkunden als Nachfolger übernommen.

Lockere Terminplanung

Nun möchte er eben an seinem neuen Domizil eine ähnliche Gruppe aufbauen, wobei er sich eine lockere Terminplanung mit einer Probe einmal im Monat gut vorstellen könnte. Zu der jeweiligen Veranstaltung sollten sich aber dann die Interessenten unbedingt anmelden, da Metivier die Diskussionsrunde über die von ihm getroffene Auswahl auf höchstens zehn Teilnehmer beschränken möchte.

„Es gibt beispielsweise nur etwa 14 Trappistenbiere auf der Welt. Von denen vielleicht fünf auszuwählen und zunächst in einer Blindprobe mit ihrem Duft zu spielen, dann auch genau hinzuschauen und ihre Farbe zu begutachten, das könnte ich mir sehr gut vorstellen“, schwärmt der Bierliebhaber. Dabei gibt es, analog zu den bekannteren Weinproben, pro Biersorte natürlich nur ein kleines Probierglas zu kosten.

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Als Teilnahmegebühr an einer solchen Probe stellt sich Metivier einfach vor, dass er seine Auslagen auf die Anwesenden umlegt. Auch eigene Biere in seiner kleinen 30 Liter-Anlage zu brauen kann er sich gut vorstellen. Die Ingredienzien sind im Internet gut zu bekommen, das Quellwasser der Alten Gerbe eignet sich hervorragend – „es gibt für mich immer noch jeden Tag neue Geschmacksnuancen zu entdecken“, erklärt Metivier zuversichtlich, „und wer, wie ich, den Blick auf diese Nuancen weiten möchte, der ist in meinem künftigen Bierclub genau richtig aufgehoben“.

Für die Anmeldung zu seinem Bierclub hat Franck Metivier eine spezielle E-Mailadresse (albtalbierclub@gmail.com).