Der aus England stammende Cellist, Komponist und Chorleiter Martin Angell hatte in die Ibacher Gemeindehalle eingeladen, um sich mit einem Konzert als Ibacher Einwohner zu verabschieden und sich für die in Ibach verbrachte Zeit zu bedanken. Er hat seinen Wohnsitz ins mildere Klima Hasels verlegt, wird aber den Ibachern und Dachsbergern auch weiterhin als Kirchenchorleiter erhalten bleiben.

Fröhliche Werke

Sein Abschiedskonzert gestaltete er frohgemut mit Werken des 1710 geborenen Cellisten und Komponisten Joseph Marie Ferdinand dall‘Abaco, Neuinterpretationen Bach‘scher Werke sowie Kompositionen aus der eigenen Werkstatt. Schon lange hat Angell die spritzigen Capricci dall‘Abacos in sein Repertoire aufgenommen, von denen er drei mit flinken Fingern und kraftvoll akzentuierten Phrasenanfängen vortrug.

Bach-Variationen

Aus Bachs Solosuiten hatte er Stücke ausgewählt, die seiner Intention, Bach auf ganz eigene Art zu verlebendigen, entgegen kommen. Wobei er die Zuhörer seines uneingeschränkten Respekts vor dem Großmeister versicherte. Seine rhythmisch verschärften, mit kleinen Schleifern versehenen oder als reines Pizzicatostück mit besonderer Dramatik versehenen frech-fröhlichen Bach-Versionen fanden beim Publikum Anklang.

Musik über Käse

Echte Heiterkeit erzeugten Angells spitzbübische, humorvoll überzeichnete kleine Kostbarkeiten, wie etwa seine fünfteilige Suite über verschiedene Käsesorten, angefangen über den „Ba-roquefort“ und den auf seinen buchstabierten Noten aufgebauten „Chedda(r)“ über den groovenden „Blue Cheese Blues“ und den löchrig mit Pausen durchsetzten „Emmentaler“ bis hin zum belcantohaften, echt italienischen „Parmigiano“.

Lied über den Umzug

Ebenfalls nicht ganz ernst gemeint ist sein aktuell entstandenes Umzugsstück, das zunächst die strahlenden Höhen Ibachs abbildet, sich dann in rasanter Fahrt in Richtung Tal aufmacht, um beruhigt dort anzukommen. Daneben hatte Angell gefühlvolle Eigenkompositionen voller Melancholie und sanfter Wehmut mitgebracht, wie den durchweg mehrstimmig gesetzten „Herbstgesang“ oder „Ibacher Moor“, geschrieben nach der ersten in Ibach verbrachten Nacht vor 15 Jahren, eine Liebeserklärung an die Landschaft, die ihm damals aus dem leichten Morgennebel entgegenleuchtete.

Werk im Zeichen von Corona

Ein Stück hat Angell im Frühjahr direkt im Zeichen von Corona geschrieben. Es ist eine meditative Sarabande mit bedächtig fortschreitender Akkordmelodie, bei deren Erklingen etliche Zuhörer andächtig lauschend die Augen schlossen, wie auch bei dem in weiten Melodiebögen sich aussingenden gefühlvollen „Abschiedslied“, das ebenso wie die kurzen Zwischentexte, mit denen er sein Programm würzte, seine Verbundenheit mit den Menschen vor Ort deutlich machte.

Ibacher Regenstück

Dann brach aber auch wieder die reine Spielfreude des humorvollen Engländers durch, etwa in einem Stück, in dem er die Ausdrucksmöglichkeiten seines Instrumentes auslotete, von Glissandi über Flageolettpassagen, mitreißende Rhythmen und Pizzicati bis hin zu sehr bildhaften kurzen Floskeln und ironischen Einsprengseln. Und als Zugabe durfte selbstverständlich sein vom Ibacher – ausdrücklich nicht vom englischen – Wetter inspiriertes Regenstück nicht fehlen, eine furiose Szene, die von ersten schüchternen Tropfen bis zum stürmischen Platzregen reicht, mit der er seine Zuhörer fröhlich nach Hause entließ.

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