Der Singkreis Görwihl, dem auch Mitglieder aus Dachsberg angehören, gab am Sonntag mit seinem Leiter Martin Angell in der Wilfinger Kirche ein Konzert. Auf dem Programm standen deutsch- und englischsprachige Lieder aus mehreren Jahrhunderten, außerdem einige Arrangements und Eigenkompositionen von Martin Angell.

Der kleine Chor präsentierte mit „Geh aus mein Herz“ und „Wild Mountain Thyme“ gleich zwei Arrangements seines rührigen Chorleiters. Mit echter Liebessehnsucht ging es weiter in Gestalt des um 1600 entstandenen „Your Shining Eyes“ von Thomas Bateson sowie dem als „Innsbrucklied“ bekannten „Ach Lieb‘, ich muss dich lassen“ Heinrich Isaacs aus der gleichen Zeit.

Angell, der durch das Programm führte, bekannte seine Affinität zu deutschen Komponisten, die in England erfolgreich gewirkt hatten, wie Händel oder Mendelssohn, denen mit dem Begriff „Hingabe“ der zweite Chorabschnitt gewidmet war. Schmerzlichen Verlust, gehüllt in sorgfältig aufeinander abgestimmte, sanft fließende Linien, artikulierte der Chor mit Händels „Lasst mir die Klage“. Glaubensgewissheit setzte er dann mit dem von Angell arrangierten Bonhöffer-Text „Von guten Mächten“ sowie Mendelssohns „Wirf dein Anliegen auf den Herrn“ entgegen.

Im dritten Programmabschnitt präsentierte der Singkreis dann hauptsächlich ganz Persönliches, eigens auf den ambitionierten kleinen Chor Zugeschnittenes. Das bekannte englische Volkslied „Greensleeves“ hat Angell nicht nur für Cello mit Variationen versehen, sondern zudem in einer weiteren Version zusammen mit einer markanten Cellobegleitung auf die unterschiedlichen Stimmen seiner Sängerinnen und Sänger verteilt.

Seine Eigenkomposition „Herbstbild“ nach einem Text von Friedrich Hebbel ist ein atmosphärisch dichtes, stark textausdeutendes Werk. Ähnlich auch beim Stück „Keine Wolke“, das Angell auf einen Text von Max Dauthendey komponiert hat. Der Singkreis beschloss sein facettenreiches Programm hymnisch, mit einem musikalischen Mahnruf angesichts der sterbenden Wälder in Gestalt von Mendelssohns „Jägers Abschied“.

Martin Angell präsentierte sich zwischen den Liedgruppen zudem einmal mehr als versierter Cellist. In einem Ricercar Gabriellis sorgten die fröhliche, beinahe tänzerische Melodie, die großen Intervallsprünge zwischen den einzelnen Phrasen sowie einander nachhuschende Linien für Lebendigkeit. Die mit Verve einsetzende kleine melodische Floskel in Dall’Abacos Capriccio setzte sich durch das ganze Stück hindurch fort, mit feinen dynamischen Abstufungen angereichert.

Im „Herbstgesang“ stellt Angell die intime Atmosphäre dieser Jahreszeit mit weichen Doppelgriffen dar. Nach einem weiteren munteren Capriccio von Dall‘Abaco spielte Angell noch seine Greensleeves-Variationen, die sich immer wilder gebärden, dann aber doch in einen resignativen Schluss münden.

Als kleines Überraschungsbonbon trugen Martin Angell und Gabriele Zimmermann mit verteilten Rollen ein 200 Jahre altes englisches Gedicht mit dem Titel „No“ vor, das als Pointe nach einer desillusionierenden Aufzählung von allem Nicht-Vorhandenen mit dem Wortspiel „No-vember“ schließt. Als Zugabe gab es noch Irlands heimliche Hymne, das sanft getragene „Danny Boy“.

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