Ibach hat einen ausgesprochen prominenten Mitbürger. Seit rund zehn Jahren besitzt Bernhard Schölkopf ein über Ibach thronendes Feriendomizil, in das er sich mehrfach jährlich zurückzieht. Mitte September hat Schölkopf, der laut Forschungsmagazin „Science“ zu den zehn einflussreichsten Computerwissenschaftlern der Welt zählt, in Hamburg den mit einer Million Euro dotierten Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft erhalten. Ibachs Bürgermeister Helmut Kaiser bezeichnet den Wissenschaftler als interessierten und zugleich bescheidenen Mitbürger. Das Preisgeld wird zum überwiegenden Teil wieder in die Forschungsarbeit zurückfließen.

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Schölkopf ist Direktor am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Tübingen und Mitbegründer des dortigen „Cyber Valley“, einem Kompetenzzentrum, das Deutschland in der internationalen KI-Konkurrenz zu einer Spitzenstellung verhelfen soll. Dank der jüngsten Zusammenarbeit mit der ETH Zürich, an der er eine Professur bekleidet, wird sein Haus in Ibach nun zusätzlich zum Entspannungsort auch sozusagen Basis seiner Dozententätigkeit.

Höhenflüge für Künstliche Intelligenz

Gemeinsam mit seinem Forschungsteam hat der Physiker, Mathematiker und Informatiker Schölkopf mathematische Verfahren entwickelt, die maßgeblich dazu beitragen, der Künstlichen Intelligenz (KI) zu ihren jüngsten Höhenflügen zu verhelfen. Schölkopf und sein Team erforschen Algorithmen, mit denen Computerprogramme flexibel auf Situationen reagieren können. Er hat zentrale Methoden für das maschinelle Lernen etabliert, von denen Anwendungen in der Biologie, der Medizin, den Wirtschafts- und Sozialwissenschaften und zahlreichen anderen Feldern profitieren.

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„Was wir machen, kann man vielleicht an einem einfachen Beispiel erklären“, erzählt Schölkopf. Menschen können mühelos beispielsweise eine Kuh als solche identifizieren, auch wenn sie bisher immer eine Weide als Umgebung hatte und nun am Meer steht. Ein Computer dagegen wird die Kuh am Meer möglicherweise nicht mehr identifizieren können, da er auf seine bisherige Trainingsdatenmenge angewiesen ist und darin diese Konstellation nicht auftauchte.

Durchbruch in Ibach

Das heißt mit anderen Worten: ein System, das nur auf Korrelationen beruht, ist nicht robust. Daher arbeitet Schölkopf daran, über die rein statistischen Abhängigkeiten hinaus die Kausalität mit einzubeziehen. „Wir sind längere Zeit bei der Entwicklung der KI auf der Stelle getreten, und im Grunde hat eine Woche Auszeit in Ibach dann den Durchbruch gebracht“, verrät Schölkopf. Und sein Computer, der wie alle im Tübinger Netzwerk einen Flussnamen hat, heißt „Ibach“.

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Nach Ibach gekommen ist er vor rund zehn Jahren unter anderem durch sein Hobby, die Astronomie. Seine drei Kinder waren damals noch klein, und ein Urlaub im Schwarzwald erschien besonders geeignet, um Hobby und Familie zu verbinden. Die geringe Lichtverschmutzung und damit verbunden der hervorragende Blick auf den Sternenhimmel in Ibach faszinierten ihn, und in das Haus über dem Tal mit seiner überragenden Aussicht bis zum Mont Blanc hat sich die ganze Familie spontan verliebt. Auch seine Frau, eine spanische Kinderbuchautorin und -illustratorin, findet Ibach ausgesprochen anregend und hat schon viel hier gezeichnet und gemalt.

Wohlfühlen in Ibach

„Wir haben uns in Ibach von Anfang an willkommen gefühlt und fühlen uns dort wohl“, erklärt Schölkopf. Sein Job bringe es mit sich, dass er viel unterwegs ist, und entsprechend genieße er es, sich im Urlaub in Ibach komplett abzukoppeln. Andererseits wolle er aber gemeinsam mit der Verwaltung darauf hinarbeiten, sein Haus an Wasser, Abwasser und schnelles Internet anzuschließen, damit auch seine Kinder im Teenageralter weiterhin gerne mit ihm gemeinsam Zeit in Ibach verbringen.