Eine 24-köpfige Gruppe besuchte im Rahmen des Beiprogramms zur aktuellen Ausstellung des Hans Thoma-Museums in Bernau „Zwischen Höll und Himmel“ das Atelier von Conrad Schierenberg und Mechthild Ehmann in Dachsberg-Happingen. Franz Kaiser, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Bernau, hatte die Gruppe bei strömendem Regen auf dem Waldpfad von Wolpadingen nach Happingen geführt.

Nach der Begrüßung durch den Hausherrn Conrad Schierenberg im Ifar des alten Bauernhauses, in dem die beiden Künstler leben, teilte sich die Gruppe in zwei Teile. Ein Teil begab sich zum von der Straße abgewandten, überdachten Arbeitsplatz von Mechthild Ehmann, der andere besichtigte Schierenbergs kleinen, vom Ifar aus zugänglichen Atelierraum.

Fasziniert waren die Besucher von der Arbeitsweise Mechthild Ehmanns, die erläuterte, wie sie ihrem Werkstück zunächst mit der Flex zu Leibe rückt. Zunächst legt sie vor allem beim Werkstoff Glas die noch sehr vagen Konturen an, um dann nach und nach mit immer kleineren Schleifwerkzeugen in bis zu zwölf Abstufungen bis zur Form, die sie die ganze Zeit fertig im Kopf hat, und zur größten Herausforderung der vollkommen homogenen Oberfläche vorzudringen.

Dabei, so Ehmann, sei die Arbeit in jedem Moment hoch spannend, denn das Glas könne jederzeit reißen. In ihrem Atelier hat sie eine solche Glasskulptur ausgestellt, die beim letzten Arbeitsgang einen Riss bekam.

Die Abstraktion ihrer Werke ist mit der Zeit gewachsen, angefangen hat sie figürlich, ausgehend vom menschlichen Akt, der ihr immer noch gedankliche Basis aller Formgebung ist. Ab und an macht sie auch heute noch Porträts, ihren abstrakten Werken indes wohnt ein ganz eigener Zauber inne.

Ebenso faszinierend für die Besucher war das Bekenntnis Conrad Schierenbergs, dass er immer versucht habe, Licht in seine Gemälde zu bringen. In unzähligen Ausformungen der wenigen je gleichen Motive konnten sie dieses Studium des Lichts anschaulich anhand der aufgehängten Stillleben und Porträts mitverfolgen.

Zugleich war es ein Erlebnis, die Bemühungen Schierenbergs um Abstraktion mittels teilweise extrem pastosen Farbauftrags bei gleichzeitigem Erhalt der charakteristischen Merkmale der Gesichtszüge eines Porträtierten nachvollziehen zu können. „Die Malerei ändert sich von Mal zu Mal, entwickelt sich automatisch immer weiter“, erklärt Schierenberg.

Wie seine Malerei so kommen auch die Texte Conrad Schierenbergs aus dem Bauch respektive aus seinem Inneren, er schreibe nicht, „es“ schreibe sozusagen aus ihm heraus. Auf diese Weise sind in den 15 Jahren, in denen er auch literarisch produktiv war, 481 Sonette entstanden, zahllose Limericks und andere Gedichtformen, aber auch Prosatexte.

Am Ende las er für seine Gäste noch einige seiner spitzzüngigen alemannischen Unverschämtheiten und Schimpftiraden, aber auch nachdenkliche Verse über Leben und Liebe.