Die Nachfrage nach Holzhäusern in der Region steigt. Die Lage auf dem Holzmarkt hat sich laut Waldgenossenschaft Südschwarzwald wieder etwas entspannt

Bonndorf – Holz als Werkstoff liegt im Trend: In Baden-Württemberg gelten die Sektoren Forst und Holz mit 175.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von 31 Milliarden Euro als eine der „umsatzstärksten“ und „beschäftigungswirksamsten“ -so definiert das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg die Branchen. Als die drei wichtigsten Zweige weist das Ministerium, „die Holzindustrie, das Holzhandwerk und den Holzhandel“ aus. Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald, rechnet damit, dass 80 Prozent des Holzes aus dem Landkreis Waldshut in die Säge- und Dämmstoffindustrie gelangen.

Das Unternehmen Holzhaus Bonndorf plant, fertigt und realisiert seit 1995 Holzhäuser für Bauherren. Dass sich Holzhäuser einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen, mache sich auch beim Unternehmen bemerkbar: „Alleine in den letzten Jahren ist im Süden Deutschlands der Anteil von Holzhäusern in beeindruckender Weise von sieben auf 30 Prozent gestiegen“, erklären Florian Hegar, Betriebsleiter und Juniorchef, und der Geschäftsführer Bernhard Hegar. So werde bei den Einfamilienhäusern mittlerweile jedes dritte Haus aus Holz gebaut und auch im Bereich des mehrgeschossigen Wohnbaus habe sich die Nachfrage mehr als verdoppelt.

Dies lasse sich zurückführen auf die ökologischen, jedoch auch bauphysikalischen Vorteile, welche der Baustoff mit sich bringt. Denn Holz gilt als das einzige nachwachsende Baumaterial, durch dessen Verwendung CO2 (Kohlenstoffdioxid) dauerhaft gebunden wird. „Während der Wachstumsphase bindet und speichert Holz CO2, während bei der Herstellung anderer Baumaterialien Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird“, erklären Firmenchefs. Norbert Schwarz ergänzt hierzu: „Jeder Baum, der langfristig verbaut wird, speichert das CO2über mehrere hundert Jahre. Ein reiner Bannwald hat nur eine bedingte CO2-Bindung, nämlich nur solange der Baum lebt.“ Hochgerechnet verwendet die Firma Holzhaus Bonndorf zwischen 70 und 100 Kubikmeter Konstruktionsvollholz und Holzfaserdämmstoffe je Einfamilienhaus. Im Durchschnitt lassen sich pro Kubikmeter Holz 900 Kilogramm CO2 einspeichern. Somit erspare ein Holzhaus der Atmosphäre eine Belastung von 63 bis 90 Tonnen CO2, rechnet die Geschäftsleitung vor.

Neben diesen klimaschützenden Gründen sprechen Florian und Bernhard Hegar zudem die bauphysikalischen Vorteile eines Holzhauses an. „Holzhäuser überzeugen durch eine im Vergleich höhere Energieeffizienz. Alle unsere Häuser entsprechen mindestens dem Standard KfW 55“, erklären die Geschäftsführer. Auch auf das Raumklima habe der Baustoff positive Auswirkungen, denn: „In einem Holzhaus zu leben, heißt mit der Natur zu leben.“

Preisentwicklung und Nachfrage

„Die Grundholzpreise haben ihren Zenit überschritten, die Preissteigerung hält derzeit nicht an“, erklärt Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald. Grund hierfür sei, dass die großen Sägewerke in Deutschland ihre Lager prall gefüllt hätten, als auf dem amerikanischen Markt „gigantische Holzerlöse“ mit dem Schnittholz erzielt werden konnten. „Diese Preisblase ist allerdings nun geplatzt und nun kommen sie wieder auf den deutschen oder europäischen Markt zurück“, erklärt Schwarz. Die Lieferengpässe seien resultiert aus dieser Lenkung des Baustoffes ins Ausland.

Dennoch seien die Preise für Frischholz gut – die Nachfrage weniger, erörtert Norbert Schwarz. „Die Nachfrage nach Frischholz ist stark eingebrochen, da bringt uns ein sehr guter Preis nichts“, berichtet er. Zudem habe die Aufarbeitung von Käferholz nun Vorrang und auch hier hätten sich Sägereien oder Kunden gefunden, die das Holz zu akzeptablen Preisen abnehmen, so der Geschäftsführer der Waldgenossenschaft.

„Jeder Baum, der langfristig verbaut wird, speichert das CO2 über mehrere hundert Jahre.“

Norbert Schwarz, Geschäftsführer der Waldgenossenschaft Südschwarzwald

Neue Wohnform auf kleinem Raum

Der Prototyp des Unternehmens Syndikat:Walden steht auf dem Gelände von Architektin und Mitgründerin Julia Schorsch in Boll. Bilder: Magdalena Gruber
Der Prototyp des Unternehmens Syndikat:Walden steht auf dem Gelände von Architektin und Mitgründerin Julia Schorsch in Boll. Bilder: Magdalena Gruber
Unternehmen Syndikat:Walden entwirft Tiny Houses mit Schwarzwald-Elementen und möchte so einen Beitrag zum Nachverdichten leisten

Bonndorf – Mit ihrem neu gegründeten Unternehmen Syndikat:Walden mit Sitz in Bonndorf, gehen die Architektin Julia Schorsch, Frank Netzband, Designer und Artdirector, und Nikolaus Türk, Diplom-Ingenieur und Experte in der Architekturvisualisierung, neue Wege. Sie entwerfen Tiny Houses (englisch: „winziges Haus“) aus Holz, welche Stilelemente des Schwarzwaldes aufgreifen.

„Mit unseren Tiny Houses entwickeln wir die traditionelle Baukultur des Schwarzwaldes weiter, um sie zu bewahren und zu pflegen und in eine kontemporäre Baukultur zu übersetzen“, erklärt die Mitgründerin Julia Schorsch. Dabei werden gezielt typische Elemente des Schwarzwaldhauses integriert, die nicht nur designtechnisch, sondern auch funktionell agieren sollen. „Die Ornamente an der Fassade, sind für die Belichtung der Räume wichtig. Durch sie schaffen wir eine tolle Atmosphäre im Innenraum“, erklärt sie. Denn für das Team sei Holzbau nicht gleich Baukultur, vielmehr müsse mit dem Werkstoff umgegangen werden können.

Für das junge Unternehmen zähle nach eigenen Angaben nicht die Quantität an verkauften Häusern, sondern deren Qualität. „Wir wollen weg von dem Gedanken, dass ein Haus ein Produkt mit Preisschild ist – hin zu dem Blick, wie ist der Ort und was findet im Ort statt“, so die Architektin. Dieser Grundgedanke mit der Umgebung und eng mit den Bauherren zusammenzuarbeiten, mache jedes Haus einzigartig. „Es macht einen Unterschied, ob wir nun ein Haus für den Schwarzwald oder Hamburg entwerfen“, berichtet Schorsch.

Und ihr Konzept komme nicht nur bei Familien gut an, sondern auch in der Tourismusbranche. So entwerfen die drei Gesellschafter ein Nutzungskonzept für ein altes Gasthaus in Blasiwald, das zusätzlich Mini-Häuser im Wald betreiben wird.

Mit ihren Mini-Häusern möchten sie außerdem helfen, Ortskerne nachzuverdichten. Denn hier fänden sich immer wieder Freiflächen, die nicht genutzt werden. „Im Ort hat man die Strukturen, die Straßen, es ist alles da, aber dennoch werden komplett neue Flächen erschlossen“, so die Architektin.

Nutzung von regionalen Werkstoffen

„Für Projekte, die jetzt in der Werkplanung sind, verwenden wir die Materialien, die vorhanden sind“, erörtert die Gründerin. Und das bedeutet so viel wie: Käferholz. Denn wenn das Käferholz in der Konstruktion verbaut sei, würde dies nicht ersichtlich sein. Dennoch möchte das Start-Up-Unternehmen neue Wege gehen und experimentiere zudem, wie das Käferholz auch in Innenräumen verbaut werden könne. „Bei uns geht es auch ganz klar um die Reduktion und was wirklich nötig ist. Wir denken die Häuser neu und planen dadurch ressourcenschonend“, sagt sie. Gleichzeitig erfordere die geringere Fläche der Häuser mehr Planung, „da das Auge nichts verzeiht“. Im Prototypen, der in Bonndorf-Boll steht, wurde deshalb ein Sitzfenster integriert, wodurch weniger Stühle benötigt werden. „Wir schauen, dass wir ohne viele bewegliche Möbel auskommen und den perfekt durchdachten Innenraum erhalten“, so Schorsch.

Auszeichnung für Forststützpunkt aus Holz

Komplett aus Holz: Der Neubau des Forstlichen Hauptstützpunktes in Bonndorf hat die Hugo Häring Auszeichnung 2020 erhalten. Der Bund Deutscher Architekten BDA, Kreisgruppe Hochrhein, hat sieben neue Bauwerke in den Landkreisen Lörrach und Hochrhein ausgezeichnet, darunter auch das von Architekt Joshua Tarrago entworfen Gebäude. Der neue Betriebshof besteht aus dem Büro- und Werkstatt- sowie dem Garagengebäude, dazwischen Hof und Erschließungsrampe. Das ganze Haus ist massiv aus Holz gebaut. Alle tragenden Wände sind in Brettsperrholz bestehend aus 5-lagig verleimten Fichtenbrettern ausgeführt. Das Dach ist in klassischer Balkenkonstruktion, außen begrünt und mit Solartechnik ergänzt. Die Fassade ist verkleidet mit einer waagrechten Schalung aus wechselnd starken Leisten in Weißtanne. Nur die Bodenplatte ist aus Beton und der Bodenbelag besteht aus geschliffenem, dunklem Gussasphaltestrich. Innen sind ringsherum nur Holzflächen zu sehen. Bilder: Wolfram Janzer

 

Das sagt der Experte der Sparkasse

„Wir haben im letzten halben Jahr eine gestiegene Nachfrage nach Bauflächen in Bonndorf und Umgebung vermerkt. Im Vergleich zu 2020 haben wir mehr Anfragen zu Finanzierungsmöglichkeiten rund um den Hausbau erhalten. Unserer Einschätzung nach haben viele junge Haushalte Geld während der Pandemie angespart und sich zudem konkrete Gedanken über ihre Vorstellungen gemacht. Junge Erwachsene kommen mit klaren und realistischen Vorstellungen ins Beratungsgespräch. Das Thema Nachhaltigkeit und energieeffizientes Bauen ist wegen den umfassenden Förderkrediten und Zuschüssen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) attraktiver denn je. Je mehr Energie bei einem Neubau eingespart wird, desto lukrativer sind die Fördergelder. Dies kurbelt auch den Wunsch nach einem Eigenheim an. Welche individuellen Fördermöglichkeiten in Anspruch genommen werden können, kann am besten mit der Sparkasse vor Ort besprochen werden.“

Alexander Graf, Leiter Privatkunden der Sparkasse Bonndorf-Stühlingen

 

Serie „Wohnen und leben in“

Die Sparkassen der Region und das SÜDKURIER Medienhaus beleuchten in einer 13-teiligen Serie den Immobilienmarkt.
Teil 6, 21.¦Oktober: Bonndorf, Grafenhausen, Wutach
Teil 7, 26.¦Oktober: Weilheim, Höchenschwand, Dachsberg
Teil 8, 28.¦Oktober: St. Blasien, Häusern, Ibach, Bernau
Teil 9, 02.¦November: Albbruck, Dogern
Teil 10, 04.¦November: Laufenburg, Murg
Teil 11, 09.¦November: Görwihl, Herrischried, Rickenbach
Teil 12, 11.¦November: Wehr, Bad Säckingen, Todtmoos
Teil 13, 16.¦November: Rheinfelden, Grenzach-Wyhlen, Schwörstadt