Von der Schurhammerhütte aus wandert man an abgestürzten Blöcken und Aufschlüssen des Oberen Muschelkalks vorbei in der Wutachschlucht flussabwärts. Nach der Einmündung des Sonnenrainwegs liegen am Hang große Tuffsteinfelder. Dann drängt die Wutach an die Wand des Amselfelsens. Auf den unteren Felsbändern, zwei, drei Meter über dem Wasser der Wutach, bauen gerne Wasseramseln ihre Nester. Aber auch ein Blick des Wanderers auf den Boden lohnt. Die Wutach hat hier ihre Fracht abgeladen: Runde Kieselsteine aus Granit, Gneis und Buntsandstein und Muschelkalksteine, die wegen des erst kurzen Transportwegs kaum abgerundet sind.

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Wenige Schritte weiter führt eine kurze Metalltreppe, angebracht durch den Schwarzwaldverein Bonndorf, hinauf in den Fels. Ein Blick auf den Fluss und sein Ufer lohnt, denn man kann hier ein besonderes Phänomen beobachten: die Versickerung der Wutach. Bei Niedrigwasser fällt auf, dass die Wutach die Flusskehre mit deutlich weniger Wasser verlässt.

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Wer genau hinschaut, kann am Ufer auch einzelne Versickerungstrichter erkennen, in denen das Wasser verschwindet. Der Muschelkalk ist ein Karstgestein mit Rissen und Spalten, in die das Wasser hineinfällt und in unterirdischen Gängen und Hohlräumen abfließt. Weiter flussabwärts tritt das verschwundene Wasser dann wieder zutage. Bevor aber diese Wiederaustrittstelle des Wassers erreicht wird, erhebt sich über dem 1904 errichteten historischen Rümmelesteg der 40 Meter hohe Rümmelefelsen. Hier ist die geologische Formation des Oberen Muschelkalks fast vollständig aufgeschlossen.

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Bis etwa zur Mitte der Wand reicht der Trochitenkalk mit seinen Seelilienresten, darüber liegt Dolomitgestein. Seit Jahrtausenden prallt die Wutach gegen diese Wand und unterhöhlt sie, so dass immer wieder Felspartien abbrechen.

Der letzte spektakuläre Felssturz ereignete sich im November 1953. Etwa 1000 Kubikmeter Gestein stürzten damals donnernd in die Wutach. Die Felsmassen, rechnerisch immerhin 30 Lkw-Ladungen, stauten den Fluss auf, und der Rümmelesteg stand in einem großen See und war unbegehbar. Im Frühjahr 1954/55 räumte ein Bagger im Auftrag des Schwarzwaldvereins einen Teil des Felsmaterials zur Seite und schaffte der Wutach einen Abfluss.

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Der Fluss hatte sein Bett stark linksseitig verlegt und einen Teil des Ufers weggerissen. Um das neue Ufer zu erreichen, errichteten Mitglieder des Schwarzwaldvereins einen Auslegersteg aus Holz, der den Rümmelesteg verlängerte. Im Laufe der Jahrzehnte nahm die Wutach bei jedem Hochwasser weitere Uferteile mit, der Auslegersteg musste immer wieder verlängert werden und war schließlich länger als der eigentliche Rümmelesteg. Das Januarhochwasser 1995 zerstörte den Ausleger endgültig. Im Juni 1996 wurde der neue Rümmelesteg eingeweiht. Derzeit übrigens würde der zwölf Meter lange historische Rümmelsteg durchaus das andere Ufer erreichen, denn die Wutach führt sehr wenig Wasser. Ein großer Teil des Wassers ist auf einer recht kurzen Strecke im Untergrund versickert.

Gut ein Kilometer unterhalb des Rümmelestegs tritt das versickerte Wasser kraftvoll an mehreren Stellen aus dem Fels. Das Spannende hierbei: Das Wasser hat für die Strecke, die der Wanderer in knapp einer halben Stunde zurücklegt, viel länger gebraucht. Nach Färbeversuchen berichtete Schurhammer 1924 von einer „siebenstündigen Wanderung des Wassers“.

Bei einer wissenschaftlichen Untersuchung im November 1988, bei der Uranin in einen Versickerungstrichter gegeben wurde, erschien das markierte Wasser allerdings bereits nach fünf Stunden an der Wiederaustrittsstelle.