Herr Podeswa, was hat der Narrenrat der Pflumeschlucker für die Fastnacht 2021 vor?

Wir haben bisher noch nichts Konkretes beschlossen und lassen vorerst alles offen. Rechtzeitig vor der Fastnacht, vielleicht Ende Dezember oder im Januar, werden wir mit dem Bürgermeister abklären, was wir veranstalten können und dürfen. Dank unserer Organisationsstruktur sind wir in der Lage, viele Dinge auch sehr kurzfristig auf die Beine zu stellen. Es kann aber auch sein, dass gar nichts stattfinden kann, falls es noch mal einen Lockdown gibt. Wir werden uns jedenfalls auf keine Experimente einlassen. Ich denke, eine Saalfastnacht und das Gedränge in den Gasthäusern werden im Februar nicht machbar sein.

Wird es gar keine Umzüge und keinen Narrensprung geben?

Sehr wahrscheinlich nicht. Das Problem ist, dass man als Veranstalter rückverfolgen können muss, welche Zuschauer wann, wo und neben wem standen. Das lässt sich praktisch gar nicht machen.

Und was ist mit dem „11. 11.“?

Vor dem Hintergrund, wie sich die Corona-Krise in jüngster Zeit entwickelt, wird es die traditionelle Veranstaltung in diesem Jahr nicht geben. Als Ersatz wird es einen virtuellen „11. 11.“ mit kleinen, kompakten Szenen geben. Das werden Beiträge von Narrenräten sein, die in jeweils eigener Verantwortung an verschiedenen Schauplätzen gedreht werden. Norbert Rheiner schneidet sämtliche Szenen zu einem Film zusammen und den kann man ab dem „11. 11.“ auf unserer Homepage anschauen. Auch die Vereidigung der Narrenräte wird es im Netz zu sehen geben.

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Waren sich alle Narrenräte bei den Entscheidungen einig?

Es gab Diskussionen, aber eine klare Mehrheit war letztendlich dafür, dieses Jahr auf den traditionellen „11. 11.“ zu verzichten.

Gab es für die Entscheidungen Vorgaben der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN)?

Nein. Von offizieller Stelle heißt es, jeder solle selbst sehen, was machbar ist und was nicht. Es wird keine einheitliche Regelung geben, da ja auch das Infektionsgeschehen sehr unterschiedlich verläuft. Sämtliche Narrentreffen wurden von der VSAN abgesagt, ebenso die Hauptversammlung sowie die Herbsttagung, die am kommenden Wochenende in abgespeckter Form hätte stattfinden sollen.

Im Jahr 1991 wurde die Fastnacht wegen des Irakkrieges abgesagt. Jetzt ist sie wegen der Corona-Pandemie in Frage gestellt. Gibt es Parallelen bei diesen beiden Absagen?

Nein. Vor 30 Jahren wurde die Fastnacht vom Verband, und zwar für alle Mitglieder geltend, abgesagt. Und das auch noch sehr kurzfristig. Heute gibt es keine allgemein gültige Vorschrift vonseiten des Verbandes. Jede Zunft kann in Eigenverantwortung entscheiden, welche Veranstaltungen stattfinden.

Trifft der Narrenrat in nächster Zeit Vorbereitungen für den Fall, dass Fastnacht in irgendeiner Form stattfinden kann?

Wir suchen nach dem „11. 11.“ das Gespräch mit den Wirten und werden sie direkt fragen: Was traut ihr euch zu? Was seid ihr bereit, zu machen? Die Fastnacht steht und fällt mit den Wirten. Aber klar ist, dass die schließlich auch in Verantwortung genommen werden, so wie auch ich als Narrenvater und mein Vize Alexander Matt letztendlich persönlich Verantwortung übernehmen müssen, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Keiner will schließlich das Risiko eingehen, dass Bonndorf zu einem Corona-Hotspot wird.

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Wie war die Stimmung bei der Zusammenkunft des Narrenrates, als all das besprochen wurde?

Sehr bedrückt, zumal man überhaupt nicht wissen kann, wie es weitergehen wird. Wir würden viel lieber Fastnacht feiern, wie wir alle es gewohnt sind.

Der Publikumsandrang bei Fasnachtsveranstaltungen zeigte in den zurückliegenden Jahren eine rückläufige Tendenz. Ist zu befürchten, dass die Corona-Krise der traditionellen Fastnacht weiter zusetzt?

Das glaube ich nicht. Vielleicht bringt es auch neuen Schwung, wenn die Leute nicht das ganze Jahr über irgendwo auf Malle oder beim Après-Ski Party machen und bereits ab November beinahe jedes Wochenende Guggenmusik-Treffen sind.

Haben die Pflumeschlucker als Verein Einbußen zu erwarten, weil der „11. 11.“ ausfällt und die Fastnacht nicht wie gewohnt gefeiert werden kann?

Uns fehlen die Einnahmen vom Schlossfest. Der „11. 11.“ verursacht immer mehr Kosten als eingenommen wird, aber an den Fasnachtsveranstaltungen verdient der Verein schon ein bisschen.

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