Heute geht es um den letzten Teil des Heimatpfades – vom Schulzentrum auf den Lindenbuck. Von der Evangelischen Kirche kehre ich wieder um, Richtung Germania, und komme unweigerlich am Bonndorfer Bildungszentrum vorbei. Dazu zählen die Grundschule, erbaut als Volksschule anno 1911, die Haupt- und Realschule (1971) und vier Jahre später die Förderschule. Um- und Neustrukturierungen sind bis heute „im Fluss“. Sie führten zu Veränderungen und Herausforderungen des Bildungswesens und der -landschaft. Anpassungen und Erweiterungsmaßnahmen sind permanent nötig und längst nicht abgeschlossen. Beispielhaft zu nennen wären Schulküche, Schulhof, Bushaltestelle, Naturparkschule, Inklusion, Digitalisierung.

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Die Mühlenstraße abwärts passiere ich das denkmalgeschützte stattliche Gebäude des einstigen, hier angesiedelten Staatlichen Bonndorfer Forstamtes. Theo Hanys Beschreibung zu folge umfasste der hier betreute Forstbezirk damals 5800 Hektar Wald, 2550 Hektar gehörten dem Land, 1900 Hektar der Stadt Bonndorf, 750 Hektar zu Wutach, 50 Hektar den kirchlichen Körperschaften und 550 Hektar verteilten sich auf 540 private Waldbesitzer. Am 1. Januar 2005 wurde auch diese Behörde in Bonndorf ein Opfer der Verwaltungsreform in Baden-Württemberg. Gegenwärtig werden die Räume für die Alten- und Krankenpflege und von der Sozialstation Oberes Wutachtal genutzt. Um den Bonndorfer Wald kümmert sich heute maßgeblich unser eigener Stadtförster, Steffen Wolf.

Zu den schmuckem gebäuden gehört auch das ehemaliges Forsthaus.
Zu den schmuckem gebäuden gehört auch das ehemaliges Forsthaus. | Bild: Erhard Morath

Auf dem Weg zum Bonndorfer Schloss komme ich mit der Stadthalle und der Stadtmühle in Sichtkontakt. Die Unterführung der Mühle mittels Torbogen war und bleibt für mich etwas ganz Besonderes. Das von privater Hand sanierte Areal wurde zu einem Mietshaus umfunktioniert. Mühlen hatte dereinst jedes Dorf, naheliegend, dass die Müller grundsätzlich auch als Bäcker fungierten. In Bonndorf betrieb die Familie Jost seit 1930 über drei Generationen diese Mühle.

Etwas ganz Besonderes ist die Stadtmühle mit Torbogen.
Etwas ganz Besonderes ist die Stadtmühle mit Torbogen. | Bild: Erhard Morath

Die Bonndorfer Stadthalle wurde als multifunktionale Mehrzweckhalle konzipiert und 1976 eingeweiht. Sie diente seither dem Schul- und Vereinssport, bot aber auch Kongressen, Theateraufführungen, Konzerten, Gewerbeschauen, Weihnachtsmärkten, Fastnacht oder Tanzpartys vielfältige Entfaltungsmöglichkeiten. Daran hat sich auch nach einem Sanierungsumbau in jüngster Zeit nichts geändert. Dass just an selbiger Stelle, einst das Bonndorfer Gefängnis stand, darf als Randnotiz im Heimatpfad nicht fehlen.

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Als einen der Höhepunkte auf dem Heimatpfad darf sicherlich das barocke Bonndorfer Schlosses bezeichnet werden, das auch Kulturzentrum des Landkreises ist und somit Schmelztiegel kultureller Vielfalt. Über dieses geschichtsträchtige Schmuckstück ließen sich seitenweise spannende Erzählungen und Ereignisse aufführen. Einige markante Fakten: Erbaut wurde das Schloss 1595 von Graf Peter von Mörsberg als Wasserschloss, sein Sohn, ein Playboy seiner Zeit, konnte beziehungsweise musste es 1609 an das Kloster St. Blasien verkaufen. Im Erd- und im Kellergeschoss sind heute die Narrenstuben untergebracht, darüber die Stadtbibliothek. Der Festsaal im zweiten Obergeschoss mit seinen Nebenräumen bietet Kunst- und Gemäldeausstellungen, Vorlesungen, Vorträgen und klassischen Konzerten eine edle Plattform von internationalem Ruf.

Das Schloss befindet sich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg mit den Untermietern, Landkreis Waldshut und Stadt Bonndorf. Der Schlossbrunnen und die Grenzsteinsammlung werden von Theo Hany als sehenswerte Elemente des sich anschließenden Schlossparks aufgeführt und beschrieben – dies zu Recht. Und obwohl der Japanische Garten bei der Herausgabe des Heimatpfades lediglich eine Planungsnummer war, nehme ich auf meinem Rundgang die vorzüglich gepflegte Anlage mit Seltenheitswert gerne mit.

Am Ende der Heimatpfadliste stoße ich auf das alte Sparkassengebäude am Schnitzerbuckel (Paulinerstraße). Nach der Gründung der Waisen- und Sparkasse 1765 war diese zunächst im fürstlichen Rentamt des Schlosses, 1828 dann im Rathaus untergebracht und bezog 1857 diesen Neubau in der direkten Nachbarschaft zum Schloss. Das ortsbildprägende Gebäude blieb bis heute erhalten. 1965 wechselte die Sparkasse erneut ihr Domizil und ist seitdem in der Martinstraße 10 endgültig zu Hause.

Vom Aussichtspunkt Lindenbuck genießen Besucher einen tollen Blick über Bonndorf.
Vom Aussichtspunkt Lindenbuck genießen Besucher einen tollen Blick über Bonndorf. | Bild: Erhard Morath

Als Schlusspunkt lädt der Heimatpfad zu einem Spaziergang auf den 900 Meter hohen Hausberg, den Lindenbuck, ein. Nicht zum ersten Male bin ich von der sich dort bietenden Fernsicht in alle Himmelsrichtungen überwältigt. Mit oder ohne Sonnenliege, der Blick vom Lindenbuck auf das Städtchen in der Sonnenschale, ist ebenso von ganz besonderem Reiz.

Das Fazit: Schön war‘s allemal

Mein Fazit am Ende des Heimatpfades überrascht mich mehr, als ich mir dies zu Beginn hätte träumen lassen. Der Aufbruch, die Welt vor der eigenen Haustür kennenzulernen, am Stück oder in handlichen Häppchen, lohnte sich. Dabei ließen sich verborgene, ungeahnte neue „Leckerbissen“ ausfindig machen. Ob zu Fuß, mit dem Rad, alleine, in Gruppen, mit oder ohne heimatkundlicher Führung? Das alles spielt eine ungeordnete Rolle. Entscheidend ist es, sich aufzuraffen, um den Heimatpfad einmal zu erkunden. Die Tour entlang von vielen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten der Stadt Bonndorf macht Freude. Mir jedenfalls erging es so.