Die Erschließungskostenschätzung für das in der jüngsten Gemeinderatssitzung vorgestellte Gewerbegebiet „Vor Gärten“ auf Gemarkung Ewattingen beläuft sich auf 919.000 Euro. Ein stattlicher Betrag für eine recht kleine Fläche von 1,77 Hektar, merkte Bürgermeister Christian Mauch an. Die Gemeinde benötige allerdings neue Flächen. Der Rat stimmte einem vorgestellten Planentwurf und der Vorbereitung einer Ausschreibung zu.

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Die Gemeinde benötige neue Gewerbeflächen, erläuterte Christian Mauch. Dies vor allem, um den bereits bestehenden Betrieben Erweiterungsmöglichkeiten zu geben und diese in der Gemeinde zu halten. Neuansiedlungen wären zwar wünschenswert, seien aber nicht zwingend zu erwarten.

Im laufenden kommunalen Haushalt der Gemeinde Wutach ist das Projekt kostenmäßig nicht eingestellt. Christian Mauch möchte diesen Posten allerdings in den kommunalen Haushaltsentwurf 2022 vermerken. Der Bürgermeister betonte jedoch, dass selbst ein vom Gemeinderat Wutach verabschiedeter kommunaler Haushalt von der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht im Landratsamt abhängige – und davon letztlich auch dieses Projekt.

Blick in den kommunalen Haushalt

Mit Blick auf die Finanzen muss die Verwaltung im kommunalen Haushalt Wutachs 2021 eher auf Sicht fahren. Gemeindekämmerer Arnold Hettich hatte im November des vergangenen Jahres die Finanzlage Wutachs deutlich gemacht. In den Planungen für 2021 rechnete er den Räten damals vor, dass – um die Gewerbesteuer-, Finanzausgleichs- und Kreisumlage bereinigt – insgesamt Steuereinnahmen von 844.000 Euro zu erwarten seien – oder anders ausgedrückt mit einem Minus von etwas mehr als einem Zehntel (100.500 Euro) zum voraussichtlichen Rechnungsergebnis 2020 (944.500 Euro) zu rechnen sei.

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Es seien dies wenig erfreuliche Zahlen, die sich aus den Orientierungsdaten ergeben, so Arnold Hettich damals. Der Kämmerer rechnet 2021 mit deutlich geringeren Gewerbesteuereinnahmen (Plan 2021: 112.100 Euro) – rund 44 Prozent (minus 89.600 Euro) weniger als das voraussichtliche Rechnungsergebnis 2020 (201.700 Euro). Zudem hat die Gemeinde beispielsweise nach der Sanierung der Wutachhalle bedeutende finanzielle Lasten zu tragen.

Basisdaten des Projekts

Für ein Baugebiet der Größe von 1,77 Hektar, in dem sieben Gewerbegrundstücke planungsrechtlich ausgewiesen werden sollen, seien Erschließungskosten von 919.000 Euro (Straßenbau 370.000 Euro, Abwasserableitung 435.000 Euro, Wasserversorgung 114.000 Euro) doch erheblich, merkte Christina Mauch nach der Projektvorstellung durch Rainer Christ (BIT Ingenieure) an. Rechnerisch müsste die Gemeinde in der Vermarktung mehr als 60 Euro je Quadratmeter Bauland ansetzen.

Frage nach Einsparpotential

Rainer Christ beantwortete eine Nachfrage des Bürgermeisters nach Einsparpotential, dass es schwierig sei, die Kosten zu drücken. Möglicherweise sei dies in einer Ausschreibung der Arbeiten noch möglich. Der Flächennutzungsplan, in dem das Gewerbegebiet „Vor Gärten“ im Westen Ewattingens ausgewiesen ist, ist seit April 2020 rechtskräftig. Inklusive einer als offenes Erdbecken ausgestalteten Fläche zur Regenwasserbewirtschaftung mit einem Volumen von bis zu 500 Kubikmetern, die etwas nördlich des Gebiets am Waldrand eingeplant ist, umfasst der Planungsbereich 1,88 Hektar.

Erschlossen werden soll das Gewerbegebiet über eine rund 120 Meter lange zentrale Stichstraße mit Wendeplatte. Vorerst soll auf einen Anschluss des Gebiets über einen Gehweg Richtung Ewattingen verzichtet werden. Das Gebiet wurde planerisch zur L 171 hin etwas kleiner gefasst, um die Verkehrssicherheit durch erweiterte Einsehbarkeit zu verbessern. Zudem soll die Möglichkeit eines späteren erweiterten Straßenanschlusses an die L 171 mit einer Abbiegespur offengehalten werden.

Die Entwässerung der Baugrundstücke erfolgt in einem Trennsystem. Schmutzwasser wird über einen neu zu bauenden Sammler und über die Erschließungsstraße zu einem Mischwassersammler abgepumpt. Regenwasser hingegeben soll über ein räumlich langes Wegstück zunächst nach Osten, dann nach Norden und schließlich wieder westlich bis zum Erdbecken geführt werden. Warum sei dies nicht auf direktem Weg nördlich des geplanten Gewerbegebiets möglich, wollte Günter Nosbüsch (Unabhängige Wählergemeinschaft Wutach; UWW) wissen. Planerisch halte man sich damit eine Erweiterung des Gewerbegebiets nach Norden offen, argumentierte Rainer Christ.