Die Schluchten von Wutach, Gauchach oder Rötenbach sind bei Wanderern beliebt. Doch nicht alle benehmen sich in dem sensiblen Naturschutzgebiet, wie sie sollten, klagt Wutachranger Martin Schwenninger. Das Hauptproblem: Die Menschen halten sich nicht an die Besucherlenkung. Am schlimmsten sei es generell am Wasser. Absperrungen werden umgangen, um am Ufer zu rasten oder um ins Wasser zu gehen. „Doch hier nisten seltene Vogelarten, die durch die Menschen bei der Brut und Aufzucht ihrer Jungen gestört werden“, sagt er.

Martin Schwenninger
Martin Schwenninger | Bild: Susanne Filz 

Und noch deutlicher: „Das ist für die Tiere so, als ob Leute durch unser Schlafzimmer marschieren würden.“ Die Folgen, etwa für den Eisvogel, seien dramatisch. Da die Tiere in der Nähe von Menschen ihren Nachwuchs nicht zu füttern wagen, könne das schlimmstenfalls bedeuten, dass ein ganzer Brutjahrgang ausfällt. Zumal für diese fischfressenden Tiere auch Abwanderung keine Option ist, da sie in Steilhängen nisten, wie es sie eben nur in den Schluchten von Rötenbach, Gutach, Wutach und in der Lotenbachklamm gibt. Missachtet würden die ausgewiesenen Schutzzonen von Einheimischen wie Fremden gleichermaßen. Dabei wäre es gar nicht nötig, ausgerechnet im verbotenen Gelände Rast zu machen: „Wir haben im Abstand von etwa vier, fünf Kilometern reguläre Rastplätze für Wanderer eingerichtet“, sagt er.

An einer eine Uferstelle zwischen Wutachmühle und Schattenmühle, einer durch die Trockenheit jetzt sehr breiten Kiesbank, wuselt es gerade von Menschen. Tatsächlich bietet sich ein spektakulärer Anblick. Vom Wanderweg aus blickt man auf viele große und kleine Steintürme, Steinpyramiden oder auf Steinformationen mit menschlichen Zügen, die Wanderer auf der Kiesbank errichtet haben. Inzwischen erinnert das Ambiente an einen Skulpturenpark – manchem Bauwerk sieht man an, dass eine künstlerische Begabung am Werk war. So mancher Wanderer und auch Kinder möchten mitbauen, wenn sie das im Vorbeigehen sehen. Und das Ganze zieht natürlich auch Schaulustige an.

Schwenninger lässt die Leute auf der Felsseite des Flusses gewähren, wenn auch ungern. Auf der anderen Seite des Flusses, wo Leute versucht haben, ebenfalls neue Steintürme zu bauen, duldet er keine weiteren Kunstwerke. „Wenn ich da drüben jetzt ein neues Türmchen sehe, werfe ich es um“, sagt er.

Der Unvernunft der Wanderer begegnen die Verantwortlichen für die Schluchten mit Infotafeln an den Eingängen, auf denen darauf hingewiesen wird, dass man die Wege nicht verlassen darf. Auch darauf, dass man in der Schlucht nicht zelten darf, wird hingewiesen, denn auch das geschehe hier. „An besonders heiklen Stellen schlagen wir Pfähle ein, sperren mit Tauen ab und bringen ein Schild an, auf dem diese Stelle als Ruhezone ausgewiesen wird.“ Als Bildsymbol für die Schutzzonen ist oben auf dem Hinweisschild das Foto eines Eisvogels zu sehen.

Es gibt allerdings einen Ort, an dem dürfen Wanderer ausdrücklich rasten und sogar ans Flussufer gehen. Ein großer geschälter Baumstamm ist als Sitzgelegenheit dorthin gelegt worden. Dieser Rastplatz befindet sich am Eingang zur Schlucht im Bereich der ehemaligen Wutachmühle, dort, wo der Kanadiersteg die Wutach quert und wo die Gauchach in die Wutach mündet. Diese Stelle am Kanadiersteg ist ein friedlicher und schöner Ort. Von der Gelegenheit, hier zu rasten, werde auch häufig Gebrauch gemacht, berichtet Martin Schwenninger.