Schon wieder ist die L170 in Richtung Schattenmühle gesperrt, weil die Straße erneut abrutscht (wir berichteten). Die eigentliche Ursache für das Dauerproblem liegt 18000 Jahre zurück. Damals hat die Wutach bei Achdorf ihr eiszeitliches Bett verlassen und in geologisch kurzer Zeit die Wutachschlucht geschaffen. Die Folgen sind Steinschläge und Erdrutsche. In einer Serie werden wir in das Bilderbuch der Erdgeschichte blicken.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Mammuts waren hier heimisch: Vor 20.000 Jahren, auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, reichte eine Zunge des Feldberggletschers bis zur Gutachbrücke, eine zweite bis zur Löffelschmiede. Ihr Schmelzwasser speiste die eiszeitliche Wutach, die sich als Gletscherfluss nach Osten wälzte, um bei Geisingen die viel kleinere Donau auf dem Weg zum Schwarzen Meer mitzunehmen. Jahrtausende lang beförderte die Eiszeit-Wutach gewaltige Mengen Geröll aus dem Feldberggebiet und lagerte die rundgeschliffenen Kiesel ab. Durch die Kieslandschaft zogen Mammuts, was ein im Heimatmuseum Löffingen ausgestellter Stoßzahn beweist.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Das Bett der Eiszeit-Wutach: Die meterhohen Kiesablagerungen wurden seit den 1950er Jahren bei Boll, Münchingen und Ewattingen abgebaut, ebenso auf der anderen Wutachseite bei Göschweiler, Reiselfingen und Bachheim. Die Kiesgruben sind inzwischen geschlossen und wiederbewaldet, lediglich in Reiselfingen findet der Abbau weiterhin statt. Durch die Kiesgrube wurde gerade ein 1500 Meter langes Förderband gebaut, der Bau einer neuen Aufbereitungsanlage ist beantragt und nunmehr der Abbau der bis zu 25 Meter hohen Kieswände für weitere 20 Jahre ins Auge gefasst. In der Kiesgrube Reiselfingen steht man gewissermaßen im Bett der Eiszeit-Wutach. Auch beweisen Kieselsteine auf den Boller Feldern, dass hier einmal die Wutach geflossen ist. Heute strömt sie 120 Meter tiefer durch ihre Schlucht.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Entstehung der Schlucht: Vor 20.000 Jahren floss die Eiszeit-Wutach also auf dem Höhenniveau von Reiselfingen und Boll in einem breiten Tal nach Osten, 170 Meter oberhalb von Achdorf hinweg, zwischen Eichberg und Buchberg hindurch. Vielleicht hat sich der Fluss diese Engstelle, die sogenannte Blumberger Pforte, durch Kiesablagerungen verbaut. Jedenfalls trat er bei Hochwasser mehrmals über sein Südufer, solange, bis die Wassermassen eine Bresche rissen und sich die Wutach in einem neuen Bett steil hinunter zum Rhein wälzte. Aus dem Quellfluss der Donau war ein Nebenfluss des Rheins geworden.
  • Wutachumlenkung: Dieses dramatische Ereignis der Wutachumlenkung vor 18.000 Jahren war die Initialzündung für das Entstehen der Wutachschlucht. An der Überlaufstelle betrug das Gefälle zehn Prozent, das Hundertfache eines ausgeglichenen Flusses. Mächtige Kräfte der Tiefenerosion setzten ein, die rückwärts flussaufwärts wirkten. Die immer schneller fließende Wutach fraß sich durch ihr Kiesbett und fräste sich dann in das anstehende Gestein. Die Eintiefung betrug bei Achdorf zwei Meter in 100 Jahren, bei der Schattenmühle immerhin noch einen Meter.
Das könnte Sie auch interessieren
  • Schlucht ist noch in Bewegung: In geologisch kurzer Zeit ist so die Wutachschlucht entstanden. Und sie ist immer noch nicht fertig. Vor allem konnte sich der sogenannte natürliche Böschungswinkel, bei dem die Hänge zur Ruhe kommen, noch nicht einstellen. Dazu wird es noch Jahrtausende brauchen, und so lange wird es Steinschläge und Erdrutsche geben, wie 2016 jenen großen Erdrutsch oberhalb des Kanadierstegs oder 2017 den spektakulären Felssturz bei Boll.