Das Publikum in der überaus gut besuchten Bonndorfer Stadthalle hat ein wahres Feuerwerk großer Kleinkunst mit Kabarett, magischen Momenten, Musik aus Westafrika und Deutschland erwartet – Es gab instrumental und A-cappella-Gesang auf hohem Niveau. Die Erwartungen wurden voll erfüllt beim Folktreff-Wettbewerb um den Kleinkunstpreis „Bonndorfer Löwe“. Und um es gleich vorwegzunehmen: Beide ausgelobten Preise, Löwenkopf und Löwenherz, gingen an die Gruppe Vocaldente.

Die Künstler

Jeder der Anwärter auf den Kleinkunstpreis hatte 20 Minuten Zeit, um das Publikum zu unterhalten, zu beeindrucken und als Jury von sich zu überzeugen. Den Anfang machte FEE. Die Singer-/Songwriterin, die unter anderem schon den renommierten Panik-Preis der Udo-Lindenberg-Stiftung in der Tasche hat, kam alleine und verzauberte das Publikum mit ihren ehrlichen und direkten Liedern.

Direkt und ehrlich ist Songwriterin FEE.
Direkt und ehrlich ist Songwriterin FEE. | Bild: Wolfgang Scheu 

Verblüffend war die besondere Show des fernseherfahrenen „Enterbrainers“ Andy Häussler, der scheinbar Gedanken lesen kann und auch ein besonderes Rechentalent offenbarte. Dass er auch mit verbundenen Augen synchron gleich zwei Zauberwürfel (Rubik‘s Cube) – einer in jeder Hand – lösen kann, setzte der Verblüffung die Krone auf. Schon nach dem ersten Lied der A-cappella-Formation Vocaldente – „Faith“ von George Michael – brandete ein Applaus auf, der klang wie eine kleine Vorentscheidung zum Sieg.

„Enterbrainer“ Andy Häussler kann gut rechnen.
„Enterbrainer“ Andy Häussler kann gut rechnen. | Bild: Wolfgang Scheu 

Ganz im Geiste des Genres World Music – grenzüberschreitend und zeitüberbrückend – waren die Klänge von Adjiri Odametey aus Accra, der Hauptstadt Ghanas. Viele Eindrücke hat er gesammelt in seiner erfolgreichen internationalen Karriere, die seinen Stil prägt. Farbenfroh waren die Kleidung und die Klänge, die er und seine Begleitmusiker den traditionellen Instrumenten aus seiner westafrikanischen Heimat entlockten. Besonders intensiv wirkte das Spiel auf der afrikanischen Harfe, der Kora. Der ruhige Gesang des charmanten Sängers nahm die Besucher mit auf eine Reise in seine westafrikanische Weltmusik, wie der Musiker und Komponist seinen Stil nennt.

World Music mit Westafrikanischen Wurzeln bot Adjiri Odametey.
World Music mit Westafrikanischen Wurzeln bot Adjiri Odametey. | Bild: Wolfgang Scheu 

Urbayerisch wurde es dann, als Kabarettistin Claudia Pichler in ihrem roten Kleid auf die Bühne kam. Sie freut sich nach wie vor über jedes neue Dialektwort, das sie auf ihren Touren aufschnappen darf. Der Gegensatz zwischen der Optik der jungen Frau mit der braven Frisur und dem trockenen, auch mal derben Humor machte Spaß. So erzählte sie, wie sie bei Hochzeiten immer wieder auf den fehlenden männlichen Begleiter angesprochen wird und am Ende am Kindertisch platziert wird, „damit das mit der Tischordnung platztechnisch aufgeht“. Beim Klagelied über den sonntäglichen „Tatort“ und sämtliche Ableger von „Polizeiruf“ bis „Hubert mit und ohne Staller“, griff sie auch zur Gitarre.

Claudia Pichler gibt sich urbayerisch und urkomisch.
Claudia Pichler gibt sich urbayerisch und urkomisch. | Bild: Wolfgang Scheu 

Das Publikum

Viele Bonndorfer und – wie immer beim Folktreff – auch Gäste aus der weiteren Region waren gekommen und alle waren begeistert. Beim Bonndorfer Narrenvater und manch anderen musste man bei den komödiantischen Einlagen hie und da befürchten, dass ihnen vor Lachen die Luft ausgehen könnte. Als die Folktreff-Vorsitzende Gudrun Deinzer nach den Auftritten aller Künstlern einen Sonderapplaus für die Kleinkunst forderte, ließ sich das Publikum nicht lange bitten, schallend und lang anhaltend geriet er.

Das Folktreff-Team

Nicht zu vergessen ist die große Leistung des Folktreff-Teams als Veranstalter. Auf- und Abbau, Bewirtung und auch der Einlass klappten perfekt. Schier ein Wunder war es, in welcher Geschwindigkeit Umbauer Patrick Priese seine Arbeit auf der Bühne bewältigte. Gerade am Ende, als beim Schnelldurchlauf jeder Künstler nur zwei Minuten Zeit für einen Auftritt hatte. „Gut gebrüllt Löwe“ – dieser Spruch trifft auf alle Beteiligten dieses Bonndorfer Kleinkunstwettbewerbs zu.

Die Preisverleihung

Es gab nicht wie gewohnt einen Jurypreis und einen Publikumspreis. Das Publikum vergab Punkte in Form von Schrauben (fürs Herz) und Unterlegscheiben (für den Kopf). Das Ganze wurde nicht abgezählt, sondern gewogen. Es war denkbar knapp und am Ende gingen beide „Löwen“ (entworfen und geschnitzt von Simon Stiegeler) an die fünf Sänger von Vocaldente, die völlig aus dem Häuschen waren. Verlierer gab es an diesem Abend keine und der große Gewinner war das Publikum. Bürgermeister Marlon Jost war restlos begeistert und Alexander Graf, der Vertreter der Sparkasse – Hauptsponsor des Preises – ging buchstäblich in die Luft. Wie Hans Rosenthal bei „Dalli Dalli“ animierte er das Publikum mit einem Sprung zum Spruch: „Das war Spitze“.