Alle wichtigen Gesteine des Südwestens finden Wanderer in der Wutachschlucht vor. Das Faszinierende dabei ist, dass diese dort so dicht beieinander liegen, dass man sie auf einer Wanderung allesamt entdecken kann. Der renommierte Geologe Hans Cloos bezeichnete deshalb die Schlucht 1947 auch als „geologisches Weltwunder“.

Über Abstürze und Wasserfälle erreicht der Lotenbach die tief eingeschnittene Wutach.
Über Abstürze und Wasserfälle erreicht der Lotenbach die tief eingeschnittene Wutach. | Bild: Friedbert Zapf

Die ältesten Gesteine, nämlich Granit und Gneis, lernt man in der Lotenbachklamm kennen. Der kleine Lotenbach konnte der raschen Eintiefung der Wutach um 100 Meter nicht folgen und muss nun den Höhenunterschied auf seiner kurzen Fließstrecke mit Abstürzen und Wasserfällen überwinden. Entsprechend steil geht es bei einer Tour vom Wanderparkplatz Schattenmühle bergauf, wo ein Rastplatz und die Bushaltestelle an der Linie Lenzkirch/Bonndorf warten.

Der Vergleich: Der Granit erinnert wegen der großen Feldspate an Schwartenmagen.
Der Vergleich: Der Granit erinnert wegen der großen Feldspate an Schwartenmagen. | Bild: Friedbert Zapf

Wanderer begegnen zunächst dem Granit. Vor 330 Millionen Jahren drang flüssiges Gestein aus mehreren Kilometern Tiefe an die Oberfläche und erstarrte. Die Minerale, aus denen dieses Gestein besteht, nennt der alte Merksatz aus Schulzeiten: „Feldspat, Quarz und Glimmer, die vergess‘ ich nimmer.“ Die einzelnen Mineralkörner lassen sich deutlich erkennen. Typisch sind die mit drei bis fünf Zentimetern außergewöhnlich großen Feldspate. Sie sind weißlich und markant rechteckig, und der Granit erinnert so auch an eine Scheibe Schwartenmagen.

Das älteste Gestein

In enger Nachbarschaft finden die Besucher der Schlucht den Gneis vor. Dieser ist noch einmal 20 Millionen Jahre älter als der Granit und damit das älteste Gestein der Wutachschlucht. In großer Tiefe haben Hitze und Druck auf die weiche Gesteinsmasse eingewirkt und die Mineralkörner eingeregelt, gewissermaßen „geordnet“. Obwohl der Gneis weitgehend aus den gleichen Mineralen wie der Granit besteht, unterscheidet er sich doch deutlich im Aussehen. Er ist rötlich und feinstrukturiert, während der graue „Schwartenmagen-Granit“ überaus grobkörnig ist.

Der Fels: Der Gneis, das älteste Gestein der Wutachschlucht, ist viel feinkörniger als der Granit.
Der Fels: Der Gneis, das älteste Gestein der Wutachschlucht, ist viel feinkörniger als der Granit. | Bild: Friedbert Zapf

Wenn der Wanderer die Klamm hinaufsteigt, begleitet linker Hand überwiegend der kantige Gneis als schroffe Felswand seinen Weg. Auf dem Pfad liegen Gneis und Granit in enger Mischung, und auch im Bett des Lotenbachs finden sich beide Gesteine. Der Gneis scheint insgesamt zu überwiegen, ganz am Ende der Klamm führt der Pfad aber über große Platten aus „Schwartenmagen-Granit“.

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Gneis und Granit finden sich aber nicht nur in der Lotenbachklamm. Die gesamte Schlucht von der Lotenbachmündung hinauf bis Kappel-Gutachbrücke wird von diesen beiden Gesteinen gebildet. Lediglich der Felsen des Räuberschlössles besteht aus Granitporphyr. Dieses rotviolette Gestein ist durch eine Spalte im Granit nach oben gedrungen und erstarrt. Granitporphyr ist härter als der Granit, der inzwischen erodiert ist. Geblieben ist der schroffe Räuberschlössle-Felsen.

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Doch zurück in die Lotenbachklamm. Oberhalb der „Adler-Leiter“ führt das Müllerwegle durch den Steilhang wieder zurück zum Parkplatz Schattenmühle. Bald schon stoßen die Wanderer dort auf rötliche, sehr feinkörnige, quaderförmige Steine. Das ist jenes Gestein, das seit 250 Millionen Jahren auf Gneis und Granit wie ein Deckel aufliegt. Es handelt sich um den Buntsandstein. Dieser besitzt im Übergangsbereich zum Gneis/Granit schmierige Tonschichten, über die bei Wasserzutritt ganze Hangteile abrutschen können. Und mit ihnen auch ganze Straßenbereiche. Die Rutschung der nach aufwendiger Sanierung erneut gesperrten L 170 ist vom Müllerwegle aus gut zu sehen.