Herr Isele, gab es in den katholischen Kindergärten Wutach und Grafenhausen bereits zu Anfang Notfallgruppen?

Ja, natürlich waren auch die katholischen Kindergärten von der Schließung betroffen. In unserem Verwaltungsgebiet traf dies 34 Kindertageseinrichtungen. In diesen 34 Einrichtungen hatten wir, in Absprache mit den Kommunen, für Eltern in systemrelevanten Berufen 14 Notgruppen geschaffen mit insgesamt 32 Kindern. Speziell in Grafenhausen war eine Notgruppe errichtet worden, dort wurden zwei Kinder betreut. In Wutach gab es keinen Bedarf an einer Notgruppe.

Das könnte Sie auch interessieren

Wie reagierten damals die Eltern auf die Schließungen?

Größtenteils sehr verständnisvoll und unaufgeregt. Bereits am Montag vor der Schließung Mitte März war der Großteil der Kinder nicht mehr in der Einrichtung. Die meisten Eltern hatten verstanden, dass es sich bei den angeordneten Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten um eine wichtige Maßnahme zum Schutz der Bevölkerung handelte.

Mario Isele
Mario Isele | Bild: privat

Wie brachte sich das Kindergartenpersonal in den Wochen der corona-bedingten Schließung ein?

Das Personal war mit liegengebliebener Schreibarbeit beschäftigt. Es wurden Dokumentationen und Konzepte überarbeitet, am Qualitätsmanagement gefeilt. Es fanden Teamsitzungen per Telefon- oder Videokonferenz statt. Wenn keine Kinder betreut werden können, bedeutet dies nicht, dass sich die Erzieherinnen und Erzieher nicht um die Förderung und Entwicklung der Kinder kümmern. Es wurden fortlaufend individuelle Angebote durch das Personal erarbeitet und via Kita-App den Eltern übermittelt. Ein wichtiger Aspekt war, dass die Erzieher den telefonischen Kontakt zu den Eltern hielten.

Das könnte Sie auch interessieren

Hatten Mitarbeiter sich in der Schließungsphase angeboten, in der Krise andernorts aktiv zu werden?

Das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war von Anfang an enorm, das ging über das Nähen von Mundschutzmasken bis zum örtlichen Einkaufsservice. Ich hatte das Gefühl, dass sich die Menschen einbringen möchten und solidarisch miteinander umgehen. Es gibt in den Einrichtungen, beispielsweise in Grafenhausen, Personen, die in den Kindertagesstätten sogenannte Quereinsteiger sind. Hier findet sich ein wichtiger Personenkreis, nämlich, ausgebildete Kräfte in medizinischen oder pflegerischen Berufen. Diese Personen hatten sich größtenteils dazu bereit erklärt, im absoluten Ernstfall in einem Krankenhaus Dienst zu tun. Hier standen wir von Anfang an in engem Kontakt mit dem Klinikum Hochrhein.

Während der Schließungsphase wurden sicherlich wenig Desinfektionsmittel/Seife in den Kindergärten/-tagesstätten benötigt. Hatten Sie daran gedacht, dies zu sammeln und an systemrelevante Institutionen abzugeben?

Nicht nur daran gedacht, sondern auch umgesetzt. Gleich zu Krisenanfang ging die erste Lieferung von Handwaschseife, Händedesinfektion, Flächendesinfektion und Einmalhandschuhen der katholischen Kindergärten an das Klinikum Hochrhein, im Schwarzwald-Baar-Kreis an das Schwarzwald-Baar-Klinikum. Da ein Großteil der Betriebskosten eines Kindergartens die jeweilige Kommune trägt, hatten wir dies mit den Bürgermeistern abgestimmt. Ich denke es ist im Allgemeinen wichtig, dass wir alle Kräfte weiterhin bündeln und gemeinsam diese Krise bewältigen. Da ist es aus meiner Sicht vollkommen egal, welche Institution hilft oder Hilfe bekommt. Wir müssen grundsätzlich füreinander da sein.

Gab es Engagement in den Familien, die ihnen ihre Kinder anvertrauen, das den Kindergärten in Wutach und Grafenhausen zugutekam?

Das Engagement der Familien in den Kindergärten Grafenhausen und Wutach ist im Allgemeinen sehr groß. Die Eltern identifizieren sich mit den Einrichtungen. Das zeigt sich daran, dass Aktionen oftmals allein von Eltern initiiert und organisiert werden. In vielen Telefonaten mit Eltern hörte ich während der Schließung, dass man den „Kindi“ vermisse. Zudem erlebte ich eine große Empathie der Eltern gegenüber den Erzieherinnen und Erziehern.

75 Jahre Geschichte. 75 Jahre Erfahrung. 75 Jahre Journalismus. Sichern Sie sich jetzt für kurze Zeit ein ganzes Jahr zum Jubiläumspreis von 75 €.