Wird der Verkehrsablauf noch funktionieren, wenn auf dem Studer-Areal ein Fachmarktzentrum angesiedelt ist, das eine Vielzahl von Kunden anzieht? Um diese Frage zu klären, wurde ein Verkehrsgutachten in Auftrag gegeben, das in jüngster Gemeinderatssitzung von den Planern Krentel und Walch der Firma Fichtner aus Freiburg vorgestellt wurde.

Nach jetzigem Stand der Planung soll die Zufahrt zum Einkaufszentrum über die Rothausstraße und die Waldallee erfolgen. Dabei gibt es insbesondere zwei Kreuzungen zu berücksichtigen, die den Verkehr ins Stocken bringen können: die Kreuzung B 315/Rothausstraße und die Kreuzung Rothausstraße/ Waldallee.

Um Aussagen über die Verkehrsbelastung machen zu können, galt es zunächst, bisherige Verkehrsmengen zu erfassen. Hier mussten die Gutachter auf Dekra-Zählwerte aus dem Jahr 1992 zurückgreifen, weil es keine aktuelleren Zahlen gibt und eine neue Verkehrszählung aufgrund von Corona-Einschränkungen nicht möglich gewesen sei, so die Fachleute.

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Diese Jahrzehnte alten Basisdaten sorgten rund um den Ratstisch und auch im Zuschauerrund für einige Lacher. Neuere Daten – aus dem Jahr 2018 – konnten über andere Straßenverkehrszählungen zur Bewertung hinzugezogen werden, sodass laut Gutachten recht verlässliche Verkehrsbelastungsdaten vorliegen. Ein interessanter Aspekt bei diesem Zahlenvergleich: Im Jahr 2018 wurden weniger Fahrzeuge gezählt als im Jahr 1992.

Etwa 2300 Fahrzeuge mehr pro Tag

Pro Tag sind laut diesen Daten dann im Durchschnitt zwischen 9000 und 10.000 Fahrzeuge auf der Martinstraße unterwegs, rund 7000 Fahrzeuge auf der Lenzkircher Straße und zwischen 5500 und 6500 Fahrzeuge auf der Rothausstraße. Durch die Märkte auf dem Studer-Areal kämen nach Aussage der Gutachter etwa 2300 Fahrzeuge pro Tag dazu, die die Märkte anfahren.

Nun ist es ja so, dass sich der Verkehr nicht gleichmäßig über den Tag verteilt, sondern, die Belastung zu gewissen Zeiten weit höher ist als sonst. Als Spitzenbelastung rechnen die Gutachter an der Kreuzung B 315/Rothausstraße mit bis zu 1450 Fahrzeugen pro Stunde, an der Kreuzung Rothausstraße/Waldallee mit 890 Fahrzeugen pro Stunde. Letzteres wird als unproblematisch angesehen. Hier vergaben die Planer die Note „gut“, was Staus oder Wartezeiten angeht.

Kapazitätsgrenze könnte erreicht werden

An der Einmündung B 315/Rothausstraße könne aber zu Hauptbelastungszeiten die Kapazitätsgrenze erreicht werden, das heißt, rechnerisch müsse mit Wartezeiten und Staubildung gerechnet werden. Nichtsdestotrotz glauben die Experten der Firma Fichtner, dass ein Verkehrskollaps ausgeschlossen ist. „Der Verkehrsablauf wird funktionieren, allerdings können spürbare Mehrbelastungen auftreten.“

Die Einmündung B 315/Rothausstraße könnte bei einer Zunahme des Verkehrs in Hauptbelastungszeiten an ihre Kapazitätsgrenze stoßen.
Die Einmündung B 315/Rothausstraße könnte bei einer Zunahme des Verkehrs in Hauptbelastungszeiten an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. | Bild: Juliane Kühnemund

Einwände aus den Zuschauerreihen

Matthias Woll (Bürgerliste) nahm diese Aussagen zur Kenntnis, sah aber noch ganz andere Probleme, die durch das Einkaufszentrum entstehen könnten. Der Anlieferverkehr per Lastwagen laufe ja durch die Waldallee und diese sei, so Woll, zu schmal für einen Lastwagen-Begegnungsverkehr.

Damit zwei Lastwagen aneinander vorbeikommen, muss die Fahrbahn 5,90 Meter breit sein, die Waldallee misst aber nur 5,50 Meter – dies wurde von den Gutachtern bestätigt. Sie sahen hier aber dennoch kein Problem, schließlich würden sich die Lastwagen sehr selten begegnen, außerdem könne hier bei der Planung nachgebessert werden.

Skepsis im Gemeinderat

Im Ratsgremium selbst war eine gewisse Skepsis bezüglich des Verkehrsflusses und der Sicherheit zu spüren. Das Thema Kreisverkehr bei der Germania könnte vor diesem Hintergrund wieder neue Aktualität erlangen.

Vorschlag einer Alternative

Aus den Zuschauerreihen meldete sich Christian Spitz zu Wort. Er erachtete das Studer-Gelände aus Verkehrssicherheitsgründen und aufgrund der beengten Platzverhältnisse als nicht geeignet für ein Einkaufszentrum.

Als Alternativstandort könnte er sich die freie Fläche am Ortseingang von Westen her vorstellen. Die Anfahrt wäre problemlos möglich – auch mit dem ÖPNV. Aufgrund der Topografie wären mehrgeschossige Gebäude möglich, in denen auch Büros, Wohnungen oder Arztpraxen untergebracht werden könnten.