Bis zu 12.000 Legehühner und ein rund 2500 Quadratmeter großer Hühnerstall am Westrand des Dorfes – ein beantragtes landwirtschaftliches Projekt, das Unruhe nach Wittlekofen bringt.

15 Dorfbewohner haben nun eine Bürgerinitiative (BI) „Lebensqualität Wittlekofen“ gegründet, weil sie zum einen die Sinnhaftigkeit des Projekts in Frage stellen, zum anderen, weil sie in eine Entscheidungsfindung eingebunden werden möchten.

150 Meter von den Wohnhäusern entfernt

Noch sind der Bau eines 87,55 langen und 28,70 Meter breiten Gebäudes und die Unterbringung von bis zu 12.000 Legehennen – keine 150 Meter von den nächsten Wohnhäusern am Dorfrand entfernt – baurechtlich nicht genehmigt.

Den Gemeinderat wird das Projekt als Antrag auf immissionsschutzrechtliche Genehmigung zum Neubau des Legehennenstalls in seiner Sitzung zu Beginn der kommenden Woche allerdings beschäftigen.

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Stadtverwaltung entwickelt Fragenkatalog

Die BI hat indes bereits Ende Oktober eine Unterschriftenliste zum Bauvorhaben „Geplanter Legehennenstall für 12.000 Hühner in Wittlekofen“ bei der Stadtverwaltung abgegeben – am 27. Oktober, spezifiziert BI-Sprecherin Irene Grieshaber auf Nachfrage.

Die Stadtverwaltung wiederum habe diese Bedenken aufgegriffen, einen Fragenkatalog entwickelt und diesen an das Amt für Umweltschutz im Landratsamt zur Klärung übersandt.

Das Ziel: Mehr Informationen zu den Plänen

Aus der Unterschriftenliste heraus rekrutierten sich diejenigen, die die BI gründeten, erzählt Irene Grieshaber. Deren Ziel: Informationen erlangen über behördliche Maßnahmen und Schritte sowie Informationen zum Sachstand des Projekts. Diese sollen an alle im Dorf weitergegeben werden. Und das Wichtigste für die BI – Einbindung in die Entscheidungsfindung zum Bauvorhaben.

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Bis jetzt 66 Unterschriften gesammelt

Viele im 200 Seelen-Dorf haben Bedenken gegen das Projekt, berichtet Irene Grieshaber von persönlichen Gesprächen beim „Klinkenputzen“ zur Unterschriftenliste an den Haustüren.

Manifestiert wird dies durch 66 Unterschriften auf der Liste, auf der die Unterzeichner beteuern: „Gegen das oben erwähnte Bauvorhaben haben wir erhebliche Bedenken und sind nicht damit einverstanden.“ Die BI ist offensichtlich jedoch nicht bedingungslos auf Krawall gebürstet, lässt eine Tür offen – die Suche nach einer Alternativlösung zum Standort des Stalles sei sinnvoll, meint Irene Grieshaber.

Kritik an Größe und Standort

Der Tenor der Umfrage sei, dass sowohl die Größe dieses Legehennenstalles als auch dessen Standort in direkter Dorfnähe nicht zum und in den Ort passe, erläutert die BI-Sprecherin.

Die einhellige Meinung der Unterzeichner sei, dass mit weiterem Straßenverkehr, mit noch mehr Lärm und mit Geruchsimmissionen sowie erheblichen Boden- und Wasserbelastungen gerechnet werden muss.

Und – durch Einzäunung des Geländes zur Hühnerhaltung gehen bis zu rund 4,8 Hektar Weidefläche (bei vier Quadratmeter je Huhn) verloren, rechnet sie vor. Kritisiert wird zudem unter anderem ein zu befürchtender „Misttourismus“ von Wittlekofen über Wellendingen und Bonndorf in eine Biogasanlage der Region.

Bürger erfahren erst spät von Plänen

Die Anwohner und Einwohner erfuhren erst Mitte September von dem Bauvorhaben des ortsansässigen Landwirts, nämlich als es im Bonndorfer Gemeinderat am 14. September zur Beratung auf der Tagesordnung stand, erzählt Irene Grieshaber.

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Zwar sei eine Erörterung im Gremium kurzfristig von der Tagesordnung genommen worden, jedoch sehe das vom Landratsamt gewählte bundesimmissionsschutzrechtliche Verfahren keine Beteiligung der Bürger vor.

Die Wittlekofener wollen allerdings Projektdetails erfahren, haben Informationsbedarf und viele Fragen, sie hegen Bedenken, die sie im Zusammenhang mit diesem Bauvorhaben geklärt haben möchten, summiert Irene Grieshaber auf.

Lob für Stadtverwaltung

Bürgermeister Michael Scharf plädierte Mitte September in einer Gemeinderatsitzung für eine Bürgerinformationsveranstaltung im weiteren Verfahrensverlauf.

Irene Grieshaber lobt hierfür die Stadtverwaltung, die von einem Verfahren mit Bürgerbeteiligung ausgegangen war und die von Anfang an kooperativ auf die Wittlekofener zugegangen sei. Etwas irritiert zeigt sie sich von der übergeordneten Behörde im Landratsamt, die sich letztlich für ein Verfahren ohne die Beteiligung der Einwohner entschieden habe.

Info: Gemeinderatsitzung Bonndorf, Montag, 16. November, 19.30 Uhr, Stadthalle.