Ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Gottesdienst fand am frühen Karsamstagabend in der katholischen St. Peter und Paul Kirche in Bonndorf statt. Nach der Premiere im Jahre 2019 luden die Verantwortlichen der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach, allen voran Pfarrer Fabian Schneider, zusammen mit dem Integrationskreis zu dieser zweiten deutsch-polnischen Speisesegnung zu Ostern ein.

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Über dem Vorhaben schwebte mit dem Damoklesschwert der Pandemie alles andere als ein guter Stern. Letztendlich zeigte der große Zuspruch in der Bevölkerung, überwiegend von Mitchristen, die ihre Wurzeln und Heimat in Polen haben, dass es völlig richtig war, die Osterspeisesegnung in dem praktizierten Ablaufmuster durchzuziehen. Vorbildlich gestaltete sich die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften, erleichtert durch die etwas geringere Anzahl der Besucher. Die ausgewiesenen Plätze reichten für die Einzelpersonen und die Familien mit Kindern aus, sodass keine Zurückweisungen erfolgen mussten. Mitglieder des Pfarrgemeinderates achteten am Eingang auf die Einhaltung der Hygienekonzeption und wiesen die Besucherplätze im Kircheninneren an.

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Und mit jeder Minute, die der Zeiger auf 16 Uhr zusteuerte, strömten mehr und mehr Besucher ins Gotteshaus. Zielstrebig nahmen sie ihren Weg in Richtung Treppenaufgang vor dem Altarraum. Dort stellten sie ihre mitgebrachten liebevoll geschmückten, und mit Osterspeisen befüllten Körbchen nieder. Sie enthielten Eier, Brot, Kuchen, Blumen, manche waren auch traditionell mit Salz, Pfeffer oder Wurst bestückt und mit Häkeldeckchen ausgelegt und Buchsbaum drapierte worden.

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Pfarrer Fabian Schneider eröffnete die Segnungsfeier und hieß alle, Erwachsene und Kinder, die Familien aus nah und fern im weiten Kirchenrund willkommen, die der Einladung zur zweiten deutsch-polnischen Osterspeisesegnung in Bonndorf gefolgt waren. Im aktuellen Pfarrblatt „Wanderndes Gottesvolk“ war sowohl in polnischer als auch deutscher Sprache informiert und eingeladen worden.

Das Emmaus-Evangelium gab Joanna Sokolowska-Konefal in polnischer Sprache zum besten.
Das Emmaus-Evangelium gab Joanna Sokolowska-Konefal in polnischer Sprache zum besten. | Bild: Erhard Morath

Als Evangelium trug Marco Johner die vom Evangelisten Lukas niedergeschriebene Geschichte vom Emmausgang der beiden Jünger Jesu vor. In seiner Predigt stellte Fabian Schneider die grenzenlose Liebe Gottes, wie sie für uns Menschen als Vorbild dienen sollte, in den Mittelpunkt. Am Beispiel des polnischen Nationalgerichtes, dem „Bigos“, einer Art Sauerkrauteintopf, dem man nachsage, mit jedem Wiederaufkochen werde es geschmacklich besser, versuchte er die Bedeutung und Wirkungsweise der Liebe unter den Menschen und zu Gott zu vergleichen. Daran schloss sich die Wiedergabe der Predigt durch Justyna Plaza-Köder in polnischer Sprache an, die Übersetzung und die Lesung des Emmausevangeliums zuvor hatte Joanna Sokolowska-Konefal übernommen.

Die Predigt von Pfarrer Schneider trug Justyna Plaza-Köder anschließend in polnischer Sprache vor.
Die Predigt von Pfarrer Schneider trug Justyna Plaza-Köder anschließend in polnischer Sprache vor. | Bild: Erhard Morath

Beide bescherten dabei ihren Landsleuten eine große Freude, vielleicht sogar ein kleines Stückchen österliches Heimatgefühl im Schwarzwald. Die Fürbitten, die Clemens Podeswa vortrug, wurden vom lateinischen Kyrie, eleison (Herr erbarme dich unser) beantwortet. Trotz des aktuell üblichen Verzichts auf jegliches gemeinsames Singen lebte die Feier von einer exzellenten Musikbegleitung. Von der Empore herab lieferten singend und spielend Annika Grohmann zusammen mit ihren Töchtern Johanna und Alina mit Sologesang, E-Piano- und Violinenklängen einen musikalischen Genuss, der der Segnungsfeier im Vorfeld des Osterfestes eine eindrucksvolle Note verlieh.

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Das Unterfangen das „Vater-unser“ spontan in gemischt deutscher und polnischer Sprache bilingual zu beten, führte nur stellenweise zu der gewünschten Resonanz im Publikum, was soll‘s. Der eigentliche Höhepunkt der Feier beinhaltete die Segnung der Kinder und der Osterspeisen. Fabian Schneider sprach das Weihegebet und spendete den Segen Gottes.

Osterkörbchen für Zuhause

Als Dankeschön für die Teilnahme und das Mitmachen, so wie dies auch in Polen Brauch ist, durften sich die Kinder aus einem großen Geschenkkorb Schokoladen-Eier und -Hasen einstecken. Schlussendlich holten sich die Familien dabei auch die Osterkörbchen ab, um sie nach Hause in die eigenen Wohnstuben mitzunehmen. Wer den gediegenen Ablauf der Segnungsfeier erlebt und mitverfolgt hat, bei dem alles vermieden wurde, was die Gefahr einer Ansteckung bedeutet hätte, musste sich eingestehen, dass etwaige Vorbehalte – Corona lässt grüßen – unter dem praktizierten Einschränkungen unbegründet waren. Dies traf auch auf den Teil des Auseinandergehens vor der Kirche zu, bei dem es nicht zu den sonst üblichen Plauschgruppen kam. Ganz ehrlich: Es war einfach und gefühlvoll, schlicht wunderschön.