Keine Einnahmen durch Konzerte oder Feste, aber laufende Ausgaben: Die finanzielle Situation der Musikvereine ist angespannt. Die wurde in der 94. Hauptversammlung des Blasmusikverbands Hochschwarzwald deutlich, zu der 80 Vertreter der 45 im Blasmusikverband vereinten Musikvereine und Blaskapellen in die Bonndorfer Stadthalle gekommen waren. Der bereits angekündigte Wechsel im Präsidentenamt wurde durch die Wahlen vollzogen.

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  • Die Sicherheitsvorkehrungen: Die Trachtenkapelle Gündelwangen hatte alles streng nach Corona-Bedingungen vorbereitet. Als Hausherr und zugleich Oberster der Ortspolizeibehörde lobte der Bonndorfer Bürgermeister Michael Scharf die Vorbereitungen, als Musiker mit Leib und Seele bat er darum, allzeit die Nerven zu behalten, die ersten Töne der Holzschläger Blaskapelle im Proberaum im Schulhaus seiner Nachbarschaft lassen ihn hoffen, dass „diese Coronazeit hoffentlich bald vorbei ist“. Maximal zwei Vertreter pro Verein gingen mit Mund-Nasenschutz an die vorbereiteten Sitzplätze. Auf musikalische Umrahmung wurde verzichtet.
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  • Die Wahlen: „Das Beste der Musik steht nicht in den Noten – Das Beste sind sie, die vielen Musiker/innen in den Vereinen im Hochschwarzwald“– mit diesen Worten fing Hinterzartens Bürgermeister Klaus-Michael Tatsch seiner Bewerbungsrede für das Amt des Präsidenten des Blasmusikverbands Hochschwarzwald an.Der erste Teil ist ein bekanntes Zitat von Gustav Mahler, der zweite Teil stammt von ihm. Einstimmig wurde er von der Versammlung als Nachfolger von Micha Bächle gewählt, der das Amt vier Jahre ausfüllte. Als Bürgermeister kenne er auch Dissonanzen, also Misstöne, die sei er von den Musikvereinen nicht gewohnt. Er freue sich auf die künftige Arbeit für den Verband und die Zeit, wenn die Vereine wieder Freude und Musik in die Dörfer und Städte bringen.
Klaus Michael Tatsch ist neuer Präsident des Blasmusikverbandes Hochschwarzwald.
Klaus Michael Tatsch ist neuer Präsident des Blasmusikverbandes Hochschwarzwald. | Bild: Wolfgang Scheu

Der Applaus für den neuen und scheidenden Präsidenten war groß und lange anhaltend. Die Vereinsvertreter zeigten dem Präsidium einstimmig die roten Karten. Entgegen der Bedeutung im Sport bedeuten diese roten Stimmkarten die Zustimmung. So auch im Falle von Veronika Wilhelm, 21 Jahre, Trompeterin aus Unadingen. Sie übernimmt von Franziska Rösch das verantwortungsvolle Amt als Kassenführerin.

Frisch gewählt ins Präsidium – die Kassenführerin Veronika Wilhelm.
Frisch gewählt ins Präsidium – die Kassenführerin Veronika Wilhelm. | Bild: Wolfgang Scheu
  • Der Bericht des Präsidenten: Der Präsident des Blasmusikverbands Hochschwarzwald, Micha Bächle, auch Bürgermeister von Bräunlingen, erinnerte an die einschneidendenden Maßnahmen in diesem Jahr. So bitter die Absage von sämtlichen Terminen, Proben und Veranstaltungen waren – „die Entscheidungen der Politik im März waren einschneidend, aber richtig“, betonte er. Das BDB-Musterhygienekonzept schaffte Erleichterungen und wurde bei Open Air- und Hallenproben angewandt. „Ihr ward kreativ unterwegs und habt das Beste aus der Situation gemacht“, meinte Bächle, was aber leider nichts an der allgemeinen Ratlosigkeit ändere. Die aktuelle Zunahme von Coronafällen und die Befürchtungen einer zweiten Welle in der kommenden kalten Jahreszeit lassen keine verlässlichen Prognosen zu, meinte der Präsident.
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  • Die fehlenden Einnahmen: Die finanzielle Lage der Musikvereine ist prekär: Dirigentenvergütungen, Jugendausbildung und vieles mehr verursachen Kosten, Einnahmen durch Feiern oder Konzerte blieben aus. Die Unterstützung vom Land Baden-Württemberg in Form einer Erhöhung der Dirigentenpauschale um 70 Euro und eine Pauschalförderung pro Musikverein – abhängig von der Mitgliederzahl – von bis zu einmalig 1400 Euro sind dankenswert. Der Blasmusikverband verzichtet – nach Abstimmung in der Versammlung – einmalig in diesem Jahr auf die Verbandsumlage. Eine Geste für die 45 Vereine, insgesamt sind es 2800 Euro im gesamten Verbandsgebiet Hochschwarzwald. Der Verband stecke in einer Zwickmühle. „Einerseits ist es wichtig, dass der Zusammenhalt in den Vereinen und die Freude am Musizieren erhalten bleiben, gleichzeitig haben wir aber auch eine hohe Verantwortung für unsere Mitmenschen, um die Infektionszahlen niedrig zu halten“, sagte Micha Bächle. Ein besonderer Dank des scheidenden Präsidenten galt dem gesamten Präsidium, im Besonderen seiner so aktiven Vizepräsidentin Martha Sedlak, immer tatkräftig und stets erreichbar.
  • Der Verbandsdirigent: „Was will man berichten, wenn es keine Konzerte gab“, so der launische Kommentar von Gottfried Hummel. Und doch sei viel passiert, denn „Jeder musste erst einmal zu sich finden, sich informieren, was erlaubt und vorgeschrieben ist – die Kreativitätsmaschine stand nicht mehr still.“ Schwierig sei das Fehlen von einheitlichen Regeln, jeder Verband habe andere Regeln. Dies weiß er zu gut, weil er als musikalischer Leiter in Vereinen verschiedener Blasmusikverbände tätig ist. Es gebe keinen „Plan B“, sondern nur den gemeinsamen Blick nach vorne. Die einen proben, bilden sich weiter, um besser zu werden, die anderen lassen die Musik ruhen, so die Aussagen von Gottfried Hummel.

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