Die Pilzsaison neigt sich dem Ende zu. Dabei war das Jahr 2020 kein besonders ergiebiges Pilzjahr. Die bis in den August hinein reichende Trockenheit war für das Wachstum von Pfifferlingen, Steinpilzen und anderen Sorten nicht förderlich. Erst seit September sprießen Pilze aus dem Boden. Seither säumen auch wieder Autos von Pilzsammlern die Einfahrten zu Waldwegen. Und meistens überwiegen dabei Fahrzeuge mit eidgenössischen Kennzeichen.

Auch der Wetterstern taugt nicht für die Pfanne, er gehört aber ebenfalls zu den Pilzen, die einen interessanter Anblick bieten.
Auch der Wetterstern taugt nicht für die Pfanne, er gehört aber ebenfalls zu den Pilzen, die einen interessanter Anblick bieten. | Bild: Martha Weishaar

Stadtförster Steffen Wolf ärgert vor allem, dass Zufahrten in die Wälder häufig zugeparkt sind und zuweilen mit der größten Selbstverständlichkeit in den Wald hinein gefahren werde. Solche Fälle bringt er auch schon einmal zur Anzeige, zumal, wenn Forstarbeiter oder Holztransporter ihre Arbeit nicht verrichten können, weil Waldwege blockiert sind.

Der Steinpilz mag der König in Sachen Geschmack sein, der Fliegenpilz (im Bild) ist es aber allemal in Sachen Schönheit und Farbenpracht.
Der Steinpilz mag der König in Sachen Geschmack sein, der Fliegenpilz (im Bild) ist es aber allemal in Sachen Schönheit und Farbenpracht. | Bild: Martha Weishaar

Generell sprechen Förster bei zufälligen Begegnungen Pilzsammler an, fragen, ob sie einen Blick auf das Geerntete werfen dürfen. Gemäß Bundesnaturschutzgesetz darf pro Person und Tag höchstens ein Kilogramm Pilze geerntet werden. Bei groben Verstößen sind die Förster auf die Zusammenarbeit mit der Polizei angewiesen. Es geht den Verantwortlichen darum, das Bewusstsein zu schärfen. „Die Leute sollen ruhig merken, dass danach geschaut wird. Der Wald ist kein rechtsfreier Raum“ , macht auch Wutachranger Martin Schwenninger deutlich.

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Die Einhaltung dieser Höchstmengen wird regelmäßig auch von Beamten des Zolls kontrolliert, sowohl an den Grenzübergängen als auch im Hinterland. Im westlichen Waldgebiet von Bonndorf wurden kürzlich Fahrzeuge von Pilzsammlern kontrolliert, teilt ein Sprecher des Hauptzollamts Singen auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Bei Verstößen werden grundsätzlich Bußgeldverfahren eingeleitet. Pro angefangenem Kilogramm zu viel geernteter Pilze sei ein Bußgeld von 100 Euro fällig. Überdies werden die zu viel geernteten Pilze durch den Zoll sichergestellt. Dem Beteiligten werde lediglich das zulässige Kilogramm überlassen.

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Im Verlauf des bisherigen Herbstes seien im Zuständigkeitsbereich des Hauptzollamtes Singen insgesamt mehr als 44 Kilogramm geerntete Pilze festgestellt worden, von denen lediglich 13 Kilogramm erlaubt gewesen wären. Es seien daher Sicherheiten für die zu erwartenden Geldbußen in Höhe von mehr als 3800 Euro erhoben worden.

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Pilzberater Albert Ross bestätigt, dass die lang anhaltende Trockenheit dem Wachstum der Pilze in diesem Jahr geschadet hat. Erst nach Regenfällen im Spätsommer schossen Pilze aus dem Boden, und zwar alle Sorten gleichzeitig. „Steinpilze im Übermaß“ habe er etwa bei einer Wanderung nahe St. Blasien entdeckt, verrät der Pilzexperte. Allerdings in einem Naturschutzgebiet und dort ist nicht nur das Pflücken von Blumen, sondern auch das von Pilzen tabu. Die ersten Nachtfröste haben derweil den Pilzen erheblich zugesetzt. Hallimasch-Ansammlungen sind schwarz verfärbt, die gesamte Gruppe der Röhrlinge sprießt nach den Frösten kaum noch, berichtet Pilzexperte Ross.

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Es braucht also einiges Glück, um jetzt noch genießbare Pilze zu finden. Wer genau hinsieht, entdeckt stattdessen vielleicht die eine oder andere Rarität. Wie Albert Ross, der bei einer Wanderung über den Hirtenpfad einen Tintenfischpilz entdeckte. Eine seltene Art, die in Australien beheimatet ist und deren Sporen auf dem Seeweg nach Europa und nun sogar auf die Nordseite der Alpen gelangt sind. Auch Eiskoralle, Wetterstern, Fliegenpilze und viele andere Exemplare sind zwar nicht für die Pfanne geeignet, bieten dafür aber dem Betrachter ein prächtiges Bild in den farbenfrohen Herbstwäldern.

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