Herr Gärtner, Sie sind vor allem Musik-Profi im Hier und Jetzt. Wie geht es Ihnen in diesen Corona-Zeiten?

Ja mei, was soll man da sagen. Das haben wir noch nie gehabt. Man versucht, sich nicht der Lethargie hinzugeben. Ein paar wenige Auftritte haben wir machen dürfen. Man schreibt neue Songs. Eine neue Bulli-Session, mit der gesamten Band in einem alten T2, haben wir aufgenommen, vollkommen Corona-gerecht. (Lacht.)

Tatsächlich war das für Sie nicht so lustig. Sie mussten eine komplette Tour absagen.

Ja. Ich habe die Füße still gehalten und bin noch nicht auf die Straße. Für uns Künstler ist aber letztendlich ja so etwas wie ein Berufsverbot ausgesprochen worden. Konzerte gab es nur im ganz kleinen Rahmen, mit höchstens 100 Leuten. Umso schöner ist es, dass der Folktreff im Rahmen der derzeitigen Möglichkeiten schon größer veranstaltet hat und die Veranstaltungen auch coronafrei geblieben sind.

Auf YouTube werden Ihre Songs bis zu mehreren Hundertausende Male geklickt. Vor wie vielen Leuten treten Sie normalerweise auf?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir kommen eigentlich von der Straße, machen heute auch noch sowas wie Wohnzimmerkonzerte, aber auf den Festivals spielen wir schon mal vor 5000 bis zu 10.000 Leuten.

Sie schaffen den Cross-over vom kalifornischen Westcoast-Vibe zur Afrika-Komponente, die schon in Ihrem Namen Impala Ray mitschwingt. Sind Sie angekommen?

Ja, das ist so eine Art Selbstfindungsprozess. Mit jedem Album habe ich ein Stück von mir gefunden oder reflektiert. Und jedes beschreibt eine Reise. Aber es stimmt schon, ein Musiker ist ja immer auf der Suche nach seinem eigenen Sound. Und dem bin ich, mit dem jüngsten Album „Jangwar Summers“ schon sehr nah gekommen, meine ich. Es ist Musik, wie ein perfekter Roadtrip mit Deinen besten Freunden an den schönsten Plätzen der Welt.

Und so nehmen Sie die Bonndorfer mit auf Ihre Reise?

Ja. Das macht ein Impala-Konzert auch aus: Sobald die Leute eingetaucht sind in die Impala-Welt sind sie woanders, vergessen Probleme und Sorgen für ein paar Stunden und gehen mit uns auf eine Reise, die sie so schnell nicht vergessen.

Herr Gärtner, Sie haben 2012 angefangen mit dem Projekt Impala Ray, wie Sie es nennen. Hatten Sie damals bestimmte Ziele?

Ein Ziel ist natürlich immer, dass möglichst viele Menschen das, was man musikalisch macht, sehen, hören und dann auch gut finden. Ich mache Musik schon fast mein ganzes Leben lang. Angefangen hat es mit elf Jahren, als ich Gitarrespielen gelernt habe. Das war tatsächlich cool. Ich war im Musikunterricht in der Schule immer relativ schlecht. Notenlesen habe ich gehasst. Einmal im halben Jahr habe ich aber vorspielen können, mit der Gitarre und dazu gesungen. Damit konnte ich meine Musiknote immer verbessern. (Lacht.)

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Das waren damals schon eigene Songs?

Nein. Ganz am Anfang waren das Gstanzl, also Bayerische Volksmusik, dann waren es Coversongs und zur Abizeit sind dann die ersten eigenen Songs gekommen.

Was war bei den eigenen Songs zuerst da: Wort oder Melodie?

Die Melodie formt die Lyrics. Ich mache das ähnlich, wie es der Grönemeyer beschrieben hat (Lacht.): Ich habe Fantasiewörter, die sehr gut zu Melodie und Sound passen, als Platzfüller. Und wenn die Melodie steht, bau ich daraus die Lyrics die zur gesamten Stimmung des Songs passen.

Wenn die Melodie zuerst da ist. Woher kommt die?

Eine gute Frage – die kommt einfach. Die habe ich im Kopf und die wird dann weiterentwickelt und wächst. Wobei die Entstehungsprozesse sehr unterschiedlich lang sind. Es ist aber tatsächlich so, dass man einen Auslöser braucht, so etwas wie eine Aktivierungsenergie. Bei mir ist das das Reisen, die Welt anschauen und reflektieren aufs eigene Dasein, indem man andere Länder und Kulturen kennenlernt. Das ist der Vibe, daraus entsteht das Grundgerüst eines Songs. Dann kommt tatsächlich harte Arbeit, tief reingehen, schleifen, prüfen, verbessern. Das ist ein Prozess, wo es auch mal weh tun kann und Grenzen überschreitet. Ich vergleiche das mit Bergsteigen. Wenn man sagt, man kann nicht mehr, geht doch immer noch etwas.

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