Vor der Corona-Krise war der Mittwochnachmittag im Altenheim St. Laurentius etwas ganz Besonderes. Alle zwei Wochen traf man sich zum gemeinsamen Singen mit Hans-Peter Jung. Vor mehr als einem Monat durften wir der harmonischen Gesangsrunde beiwohnen. Heute können wir ahnen, wie sehr die betagten Sängerinnen und Sänger das Ende dieser Krise herbeisehnen, um endlich wieder in trauter Eintracht die alt bekannten Weisen zum Besten zu geben.

Schon lange bevor Hans-Peter Jung mit seiner Gitarre bei der letzten Zusammenkunft Mitte März vor der Corona-Krise eintraf, saßen die Frauen und Männer immer erwartungsvoll in der Runde. Wer später dazustieß, musste sich in der Regel mit einem Platz in der zweiten Reihe begnügen.

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Zwischen 30 und 40 Senioren aus den betreuten Wohnungen sowie verschiedenen Pflegebereichen wollen üblicherweise gemeinsam die alten Lieder aus ihrer Jugendzeit singen. Wenn Hans-Peter Jung dann die Textblätter verteilt und ankündigt, was als Nächstes gesungen wird, stimmen manche sogleich die ersten Töne an. Zu Ehren einer Teilnehmerin, die aus Thüringen stammt, gab es sogar das „Rennsteig-Lied“.

Alte Volkslieder, Schlager sowie bekannte Lieder aus Operetten ergeben immer ein abwechslungsreiches Repertoire, das immer auch auf die Jahreszeit abgestimmt ist. Die Wünsche der Sängerinnen und Sänger werden berücksichtigt. Mal wollen sie lieber Schlager, dann wieder lieber die klassischen Volkslieder. Zwischendurch wird gescherzt, ob die Männer wirklich alle Verbrecher sind, wie dereinst Brigitte Mira sang. Nach einer guten Stunde wird es dann wieder still im Dachgeschoss. Für die meisten ist nun genug gesungen. Man ist zufrieden und freut sich auf das nächste Mal.

Seit 15 Jahren nimmt sich Hans-Peter Jung die Zeit, mit den Senioren zu singen. Viele hat er im Verlauf dieser Zeit kommen und gehen sehen, etliche kennt er von jeher.

„Es macht mir Freude zu sehen, wie glücklich die Menschen beim Singen sind. Selbst die, die niedergeschlagen sind, leben dabei auf. Manche hören auch nur zu, das spielt gar keine Rolle“, sagt der 79-jährige Hobbymusiker im Gespräch und räumt ein: „Es gibt auch mir viel, wenn ich sehe, welche Freude die Leute beim Singen haben. Es macht allen Spaß, ist ein Geben und Nehmen. Selbst diejenigen, die an Demenz erkrankt sind, erinnern sich noch an die Liedtexte oder können den Rhythmus mitklatschen. Das ist erstaunlich. Die Leute erkennen zum Teil ihre eigenen Kinder nicht mehr, aber die alten Lieder sind ihnen noch im Gedächtnis.“

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Wie kam dieses Singen zustande? Gemeinsam mit Klara Ehmke musizierte Hans-Peter Jung schon in den 1990er Jahren im Altenheim, wenn die katholische Frauengemeinschaft zu Festen einlud. Irgendwann sei ihm der Gedanke gekommen, regelmäßige Singnachmittage anzubieten.

Der damalige Heimleiter August Gatti sei sofort von der Idee begeistert gewesen. Das war auch die bisherige Heimleiterin, Gabriele Scheuble. „Wir sind froh und dankbar, dass Hans-Peter Jung sich so engagiert. Singen ist eine der beliebtesten Beschäftigungen alter Menschen. Wir freuen uns über jeden, der Ideen für Abwechslung im Alltag der Heimbewohner einbringt.“

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