25 Jahre nutzen die Pflumeschlucker ihr „Zunfthüsli“ an der Schwimmbadstraße. Am 21. September 1996 wurde das Vereinsheim unter dem damaligen Narrenvater Klaus Podeswa seiner Bestimmung übergeben. Noch wenige Jahre zuvor war hier die Milchsammelstelle. Michael Goldberg, Narrendiener der Pflumeschlucker, kümmert sich um das Gebäude und blickt anlässlich des „Jubiläums“ zurück.

Milchhüsli wird überflüssig

Der Fortbestand des Milchhüslis hatte sich gegen Ende der 1980er Jahre mit zunehmendem Sterben kleinbäuerlicher Landwirtschaftsbetriebe erübrigt. Die Überlegung, ein Jugendzentrum einzurichten, habe im Raum gestanden, erinnert Goldberg. Letztendlich hätten sich die politischen Entscheidungsträger nicht dazu durchringen können. Als die Pflumeschlucker auf der Suche nach geeignetem Raum gewesen seien, habe der damalige Bürgermeister Michael Scharf eine Umnutzung für die Narren zur Disposition gestellt. Der Narrenrat habe zugestimmt und sich zusammen mit einer Vielzahl von Helfern zweieinhalb Jahre ins Zeug gelegt. Vieles sei in Eigenleistung erbracht worden. Weitere Gewerke seien an heimische Handwerker vergeben worden, die ihr Wohlwollen für die Narren in günstigen Angeboten zum Ausdruck brachten, erzählt Michael Goldberg.

So sah das Milchhüsli vor dem Umbau aus. Bis Ende der 1980er Jahre lieferten Landwirte hier ihre Milch ab.
So sah das Milchhüsli vor dem Umbau aus. Bis Ende der 1980er Jahre lieferten Landwirte hier ihre Milch ab. | Bild: Privat

Das Dach wurde abgetragen und höher gesetzt, um den Raum im Obergeschoss zu vergrößern. Pech war, dass ausgerechnet nach der Demontage des Daches ein schneereicher Winter einsetzte. Dieser verzögerte den Umbau und richtete Schäden am Gebäude an. Michael Goldberg war von der ersten Stunde an dabei. Als der Klaus Podeswa einen Verantwortlichen für das Zunfthüsli suchte, war es für ihn keine Frage, zuzustimmen. Zumal er durch seinen Schwiegervater, Udo Schneider, bereits zuvor eng mit den Pflumeschluckern verbunden war.

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Michael Goldberg kümmert sich seither um alles. Archiviert Schriftkram, lagert Vereinsmaterialien, hält die Räume sauber, gießt die Blumen – in heißen Sommern zweimal täglich – und nimmt sich etwaiger technischer Defekte an. Unterstützt wird er von seiner Frau und seinem Sohn Matthias. „Das läuft wie von selbst. Michael und Frauke behandeln das Zunfthüsli, als wäre es ihr eigenes. Dafür sind wir sehr dankbar“, würdigt Narrenvater Clemens Podeswa das außergewöhnliche Engagement des Narrendieners. Einmal jährlich koordiniert dieser auch einen Großputz, zu dem die Narrenratsfrauen anrücken.

Pflumeschlucker Michael Goldberg kümmert sich im Zunfthüsli um alles. Er archiviert, lagert, putzt, gießt Blumen und bereitet Veranstaltungen vor.
Pflumeschlucker Michael Goldberg kümmert sich im Zunfthüsli um alles. Er archiviert, lagert, putzt, gießt Blumen und bereitet Veranstaltungen vor. | Bild: Martha Weishaar

Zuweilen verwechseln Ortsunkundige das Zunfthüsli mit den Schlossnarrenstuben. Wobei längst nicht alle Bonndorfer wissen, was das Zunfthüsli birgt. Hier lagert so ziemlich alles, was die Pflumeschlucker für den reibungslosen Ablauf der Fasnet, des „11.11.“ oder auch des Schlossfestes benötigen. Im Untergeschoss befinden sich Küche, Werkbank sowie Lagerräume, im Obergeschoss ein repräsentativer Besprechungsraum. Über dem Besprechungstisch zieht eine Nachbildung des Stammen mitsamt Fuhrwerk und integrierter Beleuchtung den Blick auf sich. Wagner Kech aus Schwaningen fertigte diesen dereinst für die Narren. Das Treppenhaus zieren kunstvoll gestaltete Kupferovale von Reinhard Götz, der darauf Schloss, Wappen und Pflumeschlucker verewigte. Die kunstvollen Wandgemälde von Pflumeschlucker- und Fotzlihansel am Eingang schuf Malermeister Erich Kaiser.

Nutzung für spezielle Aktionen

Narrenratssitzungen finden in dem Raum gleichwohl keine statt. Der Narrenrat legt Wert auf Präsenz in der örtlichen Gastronomie. „Lediglich einige wenige kurzfristige Krisensitzungen hatten wir hier drin“, beschreibt Michael Goldberg die Ausnahmen. Eine bemerkenswerte Ausnahme war derweil die Schlüsselübergabe am diesjährigen Schmutzige Dunschdig, die pandemiebedingt nicht im Rathaus stattfinden durfte. Ansonsten wird das Zunfthüsli für Informationsveranstaltungen der Schulen, gemeinsame Bastelaktionen oder auch gelegentliche Sektempfänge bei Klassentreffen genutzt.

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