Jürgen Gaebeler war zeit seines Lebens ein umtriebiger Mann. Heute vollendet er sein 95. Lebensjahr. Sein Alltag ist altersbedingt ruhig geworden. Sein kritischer Geist brennt jedoch ungebrochen für all das, wofür er sich immer einsetzte: für Klima- und Umweltschutz und dafür, dass alle Menschen unabhängig ihrer Herkunft einen respektvollen Umgang miteinander wahren.

Großer Freundeskreis

Er und seine im vergangenen Jahr verstorbene Frau Ursula haben aktiv die Flüchtlingshilfe unterstützt. „Es gibt Migration, solange es Menschen gibt. Wir brauchen sie zur Belebung, damit Völker sich weiterentwickeln können“, bringt Jürgen Gaebeler seine Haltung zum Ausdruck. Er schätzt sich glücklich, viele ausländische Freunde zu haben, die ihn mit ihrer Bildung der Weltsicht beeindrucken. Auch als Geschäftsführer des Verbandes der Badischen Säge- und Holzindustrie pflegte er internationale Zusammenarbeit mit Fachkollegen aus Frankreich, der Schweiz sowie Österreich.

Themen zum Schwärmen

In seiner Geburtsstadt Hamburg hat Jürgen Gaebeler nach Abitur und Kriegsdienst Holzwirtschaft studiert. Im Beruf konnte er seine Liebe zur Natur und das Interesse an ökologischen Zusammenhängen mit wirtschaftlicher Holznutzung vereinen. Bei diesen Themen gerät der Mann ins Schwärmen. „Holznutzung ist eine der wirksamsten Klimaschutzmaßnahmen und kommt dem Wald zugute“, ist Jürgen Gaebeler überzeugt. Die Zukunft des Waldes sieht er längst nicht so düster wie andere. „Erdgeschichtliche Zeiträume sind völlig anders zu bewerten als menschengeschichtliche. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es dem Wald wieder besser geht“, begründet er. „Um den Klimaschutz voran zu bringen, spielt die Waldnutzung mit einem Umbau auf klimaresistente Baumarten wie die Douglasie eine zentrale Rolle, im Zusammenwirken mit erneuerbaren Energien sowie Verhaltensänderungen in der Mobilität.“

Aktiv im Umweltarbeitskreis

Die „Wunderwelt CO 2“ im Zusammenhang mit der erdgeschichtlichen Entwicklung und der Bedeutung für Klima, Pflanzen und Menschen fasziniert ihn seit eh und je. Noch vor zwei Jahren hielt er darüber einen viel beachteten Vortrag. Folgerichtig engagierte sich Jürgen Gaebeler beinahe 30 Jahre lang im Bonndorfer Umweltarbeitskreis. „Es wäre wichtig, wieder eine vergleichbare Interessengruppe einzurichten“, regt er an.

Fröhlicher Mensch

Der berufliche Werdegang hatte ihn und seine Frau 1966 nach Freiburg, vor 30 Jahren schließlich nach Gündelwangen geführt. „Badener und Hamburger sind weltoffen und passen gut zusammen.“ Damit bringt Jürgen Gaebeler auf den Punkt, weshalb er sich in seiner Wahlheimat wohl fühlt. Dass er rasch Anschluss fand, liegt gewiss auch daran, dass er von Haus aus ein fröhlicher Mensch ist. „Ich sehe das Leben grundsätzlich positiv und kann mich über viele Dinge freuen.“ In Verbindung mit einer gesunden Lebensweise – kein Nikotin, kaum Alkohol, wenig Fleisch – war dies vielleicht das richtige Rezept, bei akzeptabler Gesundheit ein hohes Alter zu erreichen. Freundliche Nachbarn machen das Leben in Gündelwangen für ihn ebenso attraktiv wie die schöne Natur. Jetzt freut er sich auf den Besuch seiner Tochter sowie Enkeltochter zum Geburtstag.