Die Auftragsbücher sind voll, Handwerksbetriebe und Mittelstand haben der Pandemie getrotzt und sind mit großer Kraft am Ball geblieben. Ein großes Problem beschäftigt die Betriebe allerdings: Es gibt Engpässe bei der Materialbeschaffung, insbesondere beim Holz, die Preise explodieren. Zu diesem drängenden Thema hatte der CDU-Stadtverband Bonndorf einen Politikhock veranstaltet, zu dem rund 30 Vertreter aus Handwerk und Industrie gekommen waren, und bei dem der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner Rede und Antwort stand.

Prekäre Situation in der Bauwirtschaft

Die Situation insbesondere in der Bauwirtschaft, ist tatsächlich prekär. Man sei sich dieser Probleme bewusst, meinte der Vorsitzende des Bonndorfer CDU-Stadtverbands, Ingo Bauer. Die Frage sei: Kann die Politik, im Großen oder auch im Kleinen, Abhilfe schaffen? Eine offene Diskussion dazu solle der Politikhock nun bieten.

Lieferketten brechen zusammen

Wolfram Bernhart, Chef der Schreinerei Holz und Harmonie in Bonndorf, die mit ihrem Konzept, Wohnen mit Gesundheit zu verbinden eine Art Alleinstellungsmerkmal in der Region einnimmt, brachte die Problematik bei einem Betriebsrundgang auf den Punkt. Die Lieferketten sind zusammengebrochen, Aufträge können mangels Material nicht erfüllt werden. Preisangebote lassen sich bis zur Realisierung der Projekte nicht mehr halten, da die Rohstoffpreise explodieren. Wird nachkalkuliert, platzen etliche Projekte, weil sie dann für die Kunden nicht mehr finanzierbar sind. Bleibt man beim angebotenen Preis, legt der Betrieb drauf. Dies bestätigte auch Florian Hegar, Betriebsleiter und Juniorchef von HolzHaus Bonndorf, in dessen Fertigungshalle der Politikhock stattgefunden hatte. Der Holzpreis habe sich in kurzer Zeit verdoppelt, eine zuverlässige Kalkulation sei nicht möglich, „das ist derzeit wie an der Börse.“

Waldbesitzer gehen leer aus

Der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner hat sich, wie er sagt, bereits seit einiger Zeit mit diesem komplexen Thema beschäftigt, das nicht nur Betriebe, sondern auch investitionsbereite Privatleute vor große Probleme stellt. Und die Waldbesitzer, bei denen nämlich nichts von der Preissteigerung ankommt, die – im Gegenteil – bei der Holzernte noch drauflegen. Letzteres konnte Bonndorfs Stadtförster Steffen Wolf bestätigen, der mit dem Forstbetrieb im Jahr 2020 nur dank Fördergeldern in Höhe von 400.000 Euro eine schwarze Null schreiben konnte. In normalen Jahren konnte aus dem Stadtwald ein Gewinn in Höhe von 250.000 bis 500.000 Euro erwirtschaftet werden.

Der Holzpreis hat sich in kurzer Zeit verdoppelt, sagt Florian Hegar, HolzHaus Bonndorf.
Der Holzpreis hat sich in kurzer Zeit verdoppelt, sagt Florian Hegar, HolzHaus Bonndorf. | Bild: Juliane Kühnemund

„Wir mussten das Holz für zehn bis 28 Euro pro Festmeter verkaufen, damit konnten die Kosten nie und nimmer gedeckt werden“, sagte Steffen Wolf und ergänzte: „So etwas hab ich noch nie erlebt, da läuft etwas komplett falsch.“ Mit Blick darauf, dass es früher viele Sägewerke auf Bonndorfer Gemarkung gab, heute aber nur noch an wenige Großsäger, die den Preis bestimmen, geliefert werden könne, brachte Steffen Wolf die Überlegung ins Spiel, wieder regionaler zu denken und zu handeln.

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Eine Clusterbildung in der Holzbranche befürwortete auch Felix Schreiner, für den die Regionalität ebenfalls einen Lösungsansatz darstellt. Zur Problematik selbst holte Schreiner noch ein bisschen weiter aus. Es werde immer wieder vorgeworfen, dass alles Holz nach China und in die USA verkauft werde. Angesichts der enormen Mengen an Käferholz, sei man seinerzeit aber froh gewesen, das Holz exportieren zu können, da keine Lagerkapazitäten vorhanden waren und neue Nasslager oftmals an Natur- und Umweltschutzgründen gescheitert waren. Bund und Land hätten den Holzeinschlag dann zurückgefahren, um Privatwaldbesitzer zu unterstützen. Jetzt seien sich die Experten im Ministerium einig, den Einschlag wieder zu erhöhen, um Entlastung in den Holzmarkt zu bringen. Von Exportbeschränkungen hält Felix Schreiner wenig. Das führe in der globalisierten Welt zu Unmut und Chaos. Nichtsdestotrotz müssten die eigenen Interessen gewahrt und alle regionalen Möglichkeiten ausgelotet werden.

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Von einer Anpassungsklausel, die es Betrieben ermöglicht, Materialpreiserhöhungen an die Kunden weiterzugeben, wurde im Laufe der Diskussion Abstand genommen. Florian Hegar hatte vor einem solchen politischen Instrument gewarnt. „Das ist den Kunden gegenüber nicht fair“, meinte er und befürchtete in der Folge enorme Imageschäden.

Problem auch für Industriebetriebe

Betroffen von der Preisexplosion auf dem Rohstoffmarkt sind aber nicht nur Handwerksbetriebe, auch Industriebetriebe haben Probleme, sagte Uwe Lorenz, Geschäftsführer von Dunkermotoren. Lorenz sprach von einem Flächenbrand mit weitreichenden Folgen. Auch bei Dunkermotoren sind die Auftragsbücher voll, allerdings würden Mega-Konzerne den Rohstoffmarkt bestimmen. Es herrsche ein extremer Verteilungskampf auf der Welt. „Wir brauchen hier richtige Konzepte“, so seine Forderung an die Politik. Und Hectronic-Geschäftsführer Eckhard Fechtig brachte noch einen anderen Aspekt mit ins Spiel, der die Betriebe vor Probleme stelle: die vorgeschriebenen Ausschreibungsmodalitäten der Kommunen. Auch hier müsse seiner Meinung nach nachgebessert werden.

Überraschung für Michael Scharf

Im Anschluss an die lebhafte Diskussion gab es noch reichlich Möglichkeiten, sich in kleinem Kreise zu unterhalten. Bevor es aber zum gemütlichen Teil des Politikhocks ging, hatte der Bundestagsabgeordnete Felix Schreiner noch eine kleine Überraschung für den scheidenden Bürgermeister Michael Scharf parat. Dem langjährigen Bonndorfer Rathauschef überreichte der CDU-Bundespolitiker zum Start in den Ruhestand ein Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.