In nur einer Woche konnten Stadt und Landratsamt für eines der vielen Probleme, die neben Corona auch noch drücken, positive Lösungsansätze finden. Mindestens einen Teil des Bonndorfer Holzes versucht man nun nämlich mittels eines erweiterten Nasslagers (bei Boll) und eines neuen Nasslagers (unterhalb der städtischen Kläranlage) zu retten – ausschließlich Sturmholz wohlgemerkt. „Ich bin total begeistert von der pragmatischen und zielorientierten Zusammenarbeit unserer Verwaltung mit dem Wasserwirtschafts- und dem Umweltamt des Kreises“, freute sich Bürgermeister Michael Scharf. Die Idee kommt gewissermaßen aus der „Kreativ-Werkstatt-Bauamt“.

Suche nach Lösungen

Auf der Suche nach Lösungen für liegendes Holz prüfte Nicole Messerschmid aus dem Bauamt, ob unterhalb der Bonndorfer Kläranlage, auf der Erdaushubdeponie (die ausschließlich für kommunale Zwecke genutzt werden kann) Stammholz gelagert werden könnte. Dort nämlich existieren ehemalige Trinkwasserleitungen, die man für Nassholzlagerung ausbauen könnte. Auch ist das Gefälle so groß, dass ohne Pumpsystem, also ohne teure elektrische Anlagen, genügend Wasserdruck vorhanden wäre.

Am bereits bestehenden Nassholzlagerplatz in Boll. Das Wasser läuft derzeit nicht ununterbrochen.
Am bereits bestehenden Nassholzlagerplatz in Boll. Das Wasser läuft derzeit nicht ununterbrochen. | Bild: Gudrun Deinzer

Zudem hat Nicole Messerschmid am existierenden Nasslagerplatz Boll ein weiteres – zur örtlichen Landwirtschaft gehörendes – Grundstück ausgemacht, um das man den dortigen Lagerplatz erweitern könnte. Die Antragstellung, besprochen mit Wasserwirtschafts- und dem Umweltamt, ging in derselben Woche an das Landratsamt. „Ich habe sie persönlich vor vielen anderen Bürgermeistern dem Landrat übergeben, damit ist das wahrscheinlich auch ein Lösungsansatz für andere Kommunen geworden“, so Scharf, dem die positive Bescheidung der Anträge bereits signalisiert wurde.

Wald im Krisenmodus

Das Problem allerdings ist riesig und muss gerade Schwarzwälder Gemeinden das Fürchten lehren. In normalen Jahren war für die Gemeinde der Wald ein entscheidender positiver Wirtschaftsfaktor. 400.000 Euro Gewinn erwirtschaftete man jährlich, vor allem mit dem hier vorherrschenden Fichtenholz. Daraus ist inzwischen ein Minusgeschäft geworden. Sprich, der Wald kostet mehr, als er bringt. „Seit der Tornado über uns hinweggefegt ist, sind wir im Krisenmodus“, sagt Stadtförster Steffen Wolf.

Spur der Verwüstung

Bereits 2015 hatte ein Tornado auf dem Kesselberg ein gigantisches Waldstück mit einem Streich flachgelegt, fegte noch über Dillendorf und hinterließ überall, wo er walzte, eine Spur der Verwüstung. Schneebruch im Winter, überwarme trockene Frühjahrsmonate, Starkregenereignisse, Stürme mit Böen in Orkanstärke, 2019 wieder ein Tornado, der durchs Steinatal fegte – die Reihe der besonderen Ereignisse, die den Klimawandel belegen, ist lang. „Der Sturm Sabine in diesem Jahr hat bei uns 15.000 Festmeter gelegt. Das ist ein Jahreshieb“, so Steffen Wolf. Seminare über Aufforstung mit den „richtigen Baumarten“, würden sich innerhalb weniger Jahre überholen.

Wettlauf mit der Zeit

Man versuche jeweils unter Hochdruck, das Bruchholz aus dem Wald zu holen. Der Kampf gegen den Borkenkäfer, der die liegenden und stehenden Fichten liebt, gleiche jedoch einem Kampf gegen Windmühlen. Im Holz, das an Nasslagerplätzen lagere, würde der Käfer ertrinken und rundum stehendes Holz nicht mehr anfliegen können. Trockenlagerplätze – wie gegenüber des forstlichen Stützpunkts einer zu finden ist – müssten weit genug weg sein von bewaldeten Flächen.

Ein riesiger Trockenholzlagerplatz ist gegenüber dem forstlichen Stützpunkt im Gewerbegebiet Breitenfeld entstanden.
Ein riesiger Trockenholzlagerplatz ist gegenüber dem forstlichen Stützpunkt im Gewerbegebiet Breitenfeld entstanden. | Bild: Gudrun Deinzer

Wutachranger Martin Schwenninger ergänzt: „Ein nasses, regenreiches Frühjahr hätte uns noch helfen können. Jetzt kommt noch Corona hinzu, die Papierindustrie liegt am Boden, der Holzexport nach China und Italien ist zusammengebrochen. Die Sägebetriebe sind im Kurzarbeitmodus.“ Deshalb sitze man hier auf Langholz, das vor Jahren noch 90 Euro pro Festmeter gebracht hätte. „Jetzt bringt es Null Euro ein“, bilanziert Bürgermeister Michael Scharf knallhart. „Wir versuchen mit diesen Lagerplätzen, einen Teil des Wertes für später zu erhalten. Vielleicht bekommen wir für das, was wir gut lagern können, später noch 70 Euro“, so Scharf.

Lob für kreative Ideen

Einen verlässlichen Partner hat der Bonndorfer Bürgermeister diesbezüglich in Landrat Martin Kistler, der Bonndorfs kreative Ideen lobte: „Der Kampf gegen den Borkenkäfer fordert uns alle. Wir brauchen das intakte Ökosystem Wald. Wir wollen Waldschäden begrenzen und die Holz und Vermögensverluste gering halten. Wo immer wir die Gemeinden unterstützen können, tun wir das.“

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