Waldbesitzer, Naturschützer und Forst treibt gemeinsam die Sorge um den Erhalt des Vorkommens des Frauenschuhs um. Das Vorkommen dieser seltenen und streng geschützten Orchideenart im Bereich des Naturschutzgebietes Lindenberg-Spießenberg im Stadtwald Stühlingen, aber auch in den angrenzenden Privatwäldern in der Umgebung, hat nicht nur lokal, sondern auch für das Land Baden-Württemberg eine hohe Bedeutung, betont Wutachranger Martin Schwenninger, der auch zuständig ist für den Wald-Naturschutz im Landkreis Waldshut, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Wo liegt das Problem?

In dem oben genannten Naturschutzgebiet, durch das sich auch der Naturlehrpfad zieht, musste aufgrund der Massenvermehrung von Borkenkäfern, die die Bäume geschädigt haben, flächig Fichte eingeschlagen werden. Dadurch entstandene Kahlflächen oder kaum noch mit Waldbäumen bewachsene Flächen sind die Folge davon. Nach den Worten Schwenningers geht der Frauenschuh erfahrungsgemäß auf solchen Flächen stark zurück. Um dies zu verhindern und das Vorkommen optimal zu schützen, werden deshalb Experten von Naturschutz, der forstlichen Versuchsanstalt und das Forstamt eine Strategie zur Erhaltung des wichtigen Artenvorkommens erarbeiten.

Sie wollen alles daran setzen, dass der Frauenschuh auch nach den borkenkäferbedingten Forstarbeiten im Naturschutzgebiet Lindenberg-Spießenberg erhalten bleibt: Revierförster Pirmin Wiethaler (links) und Tom Drabinski vom Kreisforstamt.
Sie wollen alles daran setzen, dass der Frauenschuh auch nach den borkenkäferbedingten Forstarbeiten im Naturschutzgebiet Lindenberg-Spießenberg erhalten bleibt: Revierförster Pirmin Wiethaler (links) und Tom Drabinski vom Kreisforstamt. | Bild: Juliane Kühnemund

Die Sache ist verzwickt und guter Rat ist da im wahrsten Sinne teuer. Der Frauenschuh fühlt sich im Halbschatten auf kalkig-lehmigen Böden in der Gesellschaft von Fichtenbeständen am wohlsten. Der aktuell hohe Ausfall dieser Forstbestände durch Sturm und Borkenkäferkalamitäten bedeutet deshalb auch eine Bedrohung für den Frauenschuh. Das ist Revierförster Pirmin Wiethaler durchaus bewusst. Man könne vom Käfer befallene Fichten aber nicht stehen lassen, ohne die Ausbreitung des Schädlings weiter zu begünstigen, verdeutlicht er die Problematik.

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Bis ins Jahr 2018 seien in dem Naturschutzgebiet kaum Forstarbeiten vorgenommen worden, jetzt komme man aber nicht mehr umhin, Trockenheit und Käfer ließen den Förstern keine Wahl, sagte der Revierleiter. Tom Drabinski vom Kreisforstamt, Gebietsleitung Ost, bestätigte die Zwickmühle. „Die Ereignisse haben uns überrollt. Die Fichten sterben ab, der Frauenschuh aber braucht die Fichte – jetzt geht es darum, Konzepte zu entwickeln, wie das Vorkommen der seltenen Orchidee erhalten werden kann.“

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Bei der Aufarbeitung des Käferholzes habe man bewusst Maschinen eingesetzt, weil dadurch gewisse Gefährdungen für den Frauenschuh minimiert werden könnten, erklärte Pirmin Wiethaler. Durch die Maschinen müssten die Stämme nicht über den Boden geschleift werden, außerdem lege der Vollernter das Reisig kompakt auf die Gasse. Die Entfernung der Ablagerungen – wiederum wichtig für den Frauenschuh – gehe auf diese Weise schneller und einfacher vonstatten. Das derzeit noch auf den Flächen liegende Reisig und die Holzlager werden nach den Worten Wiethalers so schnell es geht abgeräumt.

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Der Frauenschuh blüht von Ende Mai bis Ende Juni. Bestäubt wird die Orchidee von verschiedenen Sandbienenarten. Aufgrund dessen sind offene, besonnte Bodenstellen in der näheren Umgebung der Frauenschuhpopulation zwingend notwendig, um eine Lebensstätte für die solitär lebenden Sandbienen zu gewährleisten. Allerdings gehört der Frauenschuh zu den Täuschblumen, denn trotz seines süßen Duftes bietet er den bestäubenden Bienen keine Nahrung.

Schutzstrategie wird erarbeitet

Klar ist den Verantwortlichen, dass für den Erhalt des Frauenschuhs auf den entstandenen Kahlflächen viel Arbeit investiert werden muss. Man werde versuchen, wieder eine halbsonnige Standortsituation zu schaffen. Bei Anpflanzungen werde man auch auf die Fichte zurückgreifen. Aufwendig wird es nach den Worten von Tom Drabinski sein, den Bewuchs durch beispielsweise Brombeeren und weitere schnell wachsende Gehölze zu beseitigen.

Das finanzielle Budget, das bislang für die Pflege der Frauenschuhbestände zur Verfügung gestellt wurde, werde für die notwendigen Maßnahmen voraussichtlich nicht ausreichen. Die Förster und Naturschützer hoffen, dass durch die bereits eingangs genannte Expertenrunde eine Strategie erarbeitet werden kann, die dem Frauenschuh eine Zukunft eröffnet.

Spagat meistern

Und es geht nicht nur um den Frauenschuh: Wie Wutachranger Martin Schwenninger noch anfügte, gibt es in dem Naturschutzgebiet auch weitere Orchideen wie das schwertblättrige Waldvöglein oder die Fliegenragwurz, die ebenfalls geschützt sind und ähnliche Standortansprüche haben. Man werde auf jeden Fall alles daran setzen, den Spagat – Bekämpfung des Borkenkäfers und Erhalt der schützenswerten Pflanzen – zu meistern, versicherten Schwenninger, Wiethaler und Drabinski abschließend.