Mit einem Konzert der Extraklasse entschädigten die Medlz die Kulturfreunde für die monatelange kulturelle Auszeit während der Corona-Pandemie. Vom ersten Ton an zauberten die vier Sängerinnen eine unvergleichliche Atmosphäre in die Stadthalle. So räumlich distanziert die Sitzplätze voneinander entfernt waren, so – gefühlt – nah kamen sich Künstlerinnen und Fans. Die Stimmung hätte nicht besser sein können.

Sabine Kaufmann schlüpft in die Rolle des „Phantom der Oper“.
Sabine Kaufmann schlüpft in die Rolle des „Phantom der Oper“. | Bild: Martha Weishaar

Die Gründe dafür sind vielseitig. Da sind zum einen vier Sängerinnen, die ihr Handwerk – also die Gesangskunst – exzellent beherrschen. Die aber außerdem einen mitreißenden Charme versprühen, was insbesondere Sabine Kaufmann in ihrer kess-fröhlichen Moderation auszeichnet. Effektvolle Choreografie, Überraschungsmomente sowie raffinierte Technik perfektionieren die Show.

Phantastische Stimmen

Bestechend ist derweil vor allem der Gesang der Medlz. Vier fantastische Stimmen, die, so unterschiedlich sie sind, grandios zueinander passen. Vom Sopran bis zum rauchigen Soul bieten die Medlz einfach alles, von mitreißenden Hits bis hin zu zarten Liedern, die viel zu sagen haben. Der abwechslungsreiche Programmmix trägt ein Übriges bei. Kaum hat man es sich verkniffen, lauthals beim Countryhit „Jolene“ mitzusingen, schon lauscht man hingebungsvoll dem Text des Pur-Songs „Neue Brücken“. Die Medlz ziehen alle Register moderner A-cappella-Kunst.

Sabine Kaufmann schlüpft in die Rolle des „Phantom der Oper“.
Sabine Kaufmann schlüpft in die Rolle des „Phantom der Oper“. | Bild: Martha Weishaar

Das Publikum lässt sich zu Begeisterungsstürmen hinreißen, wenn Nadja Benaissa mit „The Best“ ihrem Idol Tina Turner huldigt oder „Uptown Funk“ die Zuhörer kaum ruhig sitzen lässt. Kurzweilige Potpourris bekannter Kinderlieder oder legendären Kuschelrocks begeistern nicht minder wie eine Szene aus dem „Phantom der Oper“, das insbesondere Silvana Mehnerts Gesangsqualität unter Beweis stellt. Dass diese auch wunderbare Lieder schreiben kann, beweist sie mit „Ich will“. Diesem tiefsinnigen Text lauscht man ebenso bereitwillig wie Nelly Palmowske, wenn sie dasselbe im Chanson „Je veux“ bekundet.

Tipps fürs Leben

Die Künstlerinnen entführen ihr Publikum aber auch nach Island, lassen allein mit ihrem Gesang Landschaft und Atmosphäre der Insel erspüren. Nicht minder begeistern sie mit „Desert Rose“ oder „Rivers of Joy“ ehe Silvana Mehnert in barfüßiger Leidenschaft mit „Geh davon aus“ von zerbrochener Liebe singt. In bestechender Klarheit nehmen es die Medlz mit jedem Musikstil auf. Einen beeindruckenden Exkurs in die Philosophie gewährt Sabine Kaufmann – die „ungelernte Fachkraft“ – mit ihrer „Abirede“. Diese Tipps fürs Leben eigenen sich garantiert nicht nur für Schulabgänger.

Große Begeisterung

Mehrere „Premieren“ wurden bei dieser Bühnenshow gefeiert. Sowohl für den Folktreff als auch für die Künstlerinnen war es nach fünf Monaten Zwangspause das erste Konzert. Was Neuzugang Nadja Benaissa sogar ein bisschen Lampenfieber bescherte, wie diese freimütig bekannte. Die einstige Sängerin der „No Angels“ stand das erste Mal mit den Medlz auf der Bühne. Gleichzeitig war das Gastspiel in Bonndorf Vorpremiere für das neue Programm „Das läuft bei uns“, in dem die Sängerinnen den Soundtrack ihres Lebens, also ihre jeweiligen musikalischen Affinitäten, zusammenfassen.

Außerdem präsentierten sich die Künstlerinnen in neuer Garderobe, elegant schwarz-weiß, irgendwie einheitlich und dennoch so verschieden wie es auch Charaktere und Stimmen der Frauen sind. Erkennbar war die Freude der Medlz darüber, endlich wieder auf der Bühne stehen zu dürfen.

Über 400 Besucher

Dass der Folktreff das nach langer Durststrecke möglich gemacht hat, dafür zeigten sie sich dankbar und zollten vor allem der Tatsache Respekt, dass die Corona-bedingt noch aufwendigere Organisation von Gudrun Deinzer, der Vorsitzenden des Kulturvereins, und dem gesamten Folktreff-Team komplett ehrenamtlich bewältigt wird. Drei Veranstaltungen binnen zwei Wochen sind eine respektable Leistung. Am Samstag wurden beim Medlz-Konzert 210 Besucher gezählt, für Sonntag erwartete Gudrun Deinzer knapp 200 Besucher.

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