Die Jüngsten freuen sich schon auf den Ostersonntag, wenn sie an versteckten Orten im Garten in Büschen und hinter Bäumen die Osternester mit feinen Sachen finden. Hasen, die angeblich für die Eier verantwortlich sind, haben in der derzeitigen kontaktarmen Zeit allerdings anderweitig Konjunktur – man kann sie streicheln. Glücklich sind die, die einen Bruder, Onkel oder Opa haben, der Kaninchen züchtet.

Michael Stritt

Ein solches Glück haben Lotta und Nora, die gerne ihren Großonkel Michael Stritt beim Hasenstall mit dem großen Freigehege besuchen, wo die dreijährigen Mädels – sie sind Cousinen – nach Herzenslust die bunte Schar von Kaninchen knuddeln und streicheln können und auch schon beim Füttern geholfen haben.

Eine bunte Vielfalt im Stall mit großem Freigehege ist bei Michael Stritt beim Bläselehof zu Hause.
Eine bunte Vielfalt im Stall mit großem Freigehege ist bei Michael Stritt beim Bläselehof zu Hause. | Bild: Wolfgang Scheu

Michael Stritt hat viel Platz beim Bläselehof in Grafenhausen für seine Karnickel. 59 Jahre ist er jung, vor mehr als 50 Jahren hat er mit Hilfe des Vaters und viel Geschick seinen ersten Hasenstall gebaut. Es war ein ausrangierter Kleiderschrank – mit ein paar Latten, Maschendraht und neuen Bretterböden wurde es die Wohnung der Hasen auf dem Hof der Familie. Damals befand sich der Hof noch im Dorfzentrum. Die Liebe zu den Tieren mit dem weichen Fell und dem lustigen Gesicht mit langen Ohren hat ihn nie wieder losgelassen.

Bei Michael Stritt sind die Kaninchen und Hasen ganzjährig auf dem Freigelände unterwegs. Selbst vor kurzem bei hoher Schneelage waren die Gesellen unterwegs.
Bei Michael Stritt sind die Kaninchen und Hasen ganzjährig auf dem Freigelände unterwegs. Selbst vor kurzem bei hoher Schneelage waren die Gesellen unterwegs. | Bild: Wolfgang Scheu

Zur Zeit zählt der Stall 25 Junge und sieben Häsinnen. Es ist ein Gewusel von unterschiedlichen Rassen, Farben und Kreuzungen, „Hauptsache gesund, lautet das Motto“. Immer schon waren sie gut für Überraschungen. „Einmal hatten wir einen Wurf mit 16 Jungen“, erinnert er sich. „Der Vater war ein Widder, die Mutter ein Riesenschecke und alle sind gesund durchgekommen.“ Die Hasen können das Jahr über ins Freie, auch im Winter machen sie gerne mal einen Ausflug im großen Freigehege. Abends kommen sie in den Stall, der Fuchs könnte lässig aus dem Stand über den Zaun springen.

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Die Hasennatur kommt durch. Einmal gruben sie unbemerkt draußen einen Bau, aus dem irgendwann überraschend junge Karnickel herausgekrabbelt kamen. „Ganz wild waren sie anfangs, kaum zu bändigen. Aber das hat sich schnell gelegt“, erinnert er sich lächelnd. Einheimische und Fremde halten gerne an bei den Kaninchen und manch einer hat auch eine Handvoll Löwenzahn oder sogar eine Karotte dabei.

Die dreijährige Nora schnappt sich beim Besuch der Osterhasen ein weißes Exemplar von Michael Stritt in Grafenhausen.
Die dreijährige Nora schnappt sich beim Besuch der Osterhasen ein weißes Exemplar von Michael Stritt in Grafenhausen. | Bild: Wolfgang Scheu

Die Nachfrage nach jungen Kaninchen sei im letzten Jahr gestiegen, stellt Michael Stritt fest. Nicht wegen dem Fleisch – früher sprach man vom „Fleisch für den armen Mann“, und auch der Züchter verschmäht keinen Hasenbraten.

Nein, es ist die Beschäftigung mit dem süßen Vierbeiner, dem viele in dieser einsamen Zeit etwas abgewinnen können. Allerdings – mit Streicheln allein ist es nicht getan, die Kaninchenzucht sei ein Hobby, das 365 Tage im Jahr mit Verantwortung betrieben sein will – „keine Zeit“ oder „keine Lust“ darf es nie geben. Stritt betreibt sein Hobby mit viel Liebe und Verantwortung, aber einem Zuchtverein ist er nie beigetreten.

Bernhard Nägele

Mit etwas anderen Zielen aber mit mindestens so viel Liebe zum Tier betreiben die Bonndorfer Kleintierzüchter vom Verein C 512 ihr Hobby. Schönheit und Leistung sind die Kriterien, Kreuzungen gibt es nicht.

Ganz in weiß wuselt es im Stall von Bernhard Nägele, dem stellvertretenden Vorsitzenden. Schon als Bub mit zwölf oder 13 Jahren besaß er eigene Tiere. Sein Herz schlägt seit mehr als drei Jahrzehnten für die Zucht der Weißen Wiener, so heißt die Rasse. Sieben seiner Häsinen haben derzeit zusammen mehr als 40 Junge. Die weiße Pracht ist überwältigend. Bei der letzten großen Bundesschau in Karlsruhe wurden seine Weißen Wiener Vizemeister, eine Häsin wurde gar als Bundessiegerin geehrt.

Rolf Maier

Rolf Maier (73) hat im Ruhestand endlich mehr Zeit für seine „Kleinsilber Schwarz“, so heißt der Rassetyp, dem er seit 25 Jahren die Treue hält. Viele Auszeichnungen hat er schon für seine Tiere erhalten, darunter ein Landesmeister im Jahr 2002.

Rolf Maier, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins C 512 Bonndorf züchtet Kleinsilberschwarz – so der Name der Rasse.
Rolf Maier, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins C 512 Bonndorf züchtet Kleinsilberschwarz – so der Name der Rasse. | Bild: Wolfgang Scheu

Seit 16 Jahren ist er Vorsitzender im Kleintierzüchterverein C 512 Bonndorf, der 1959 mit zehn Züchtern und zwei passiven Mitgliedern gegründet wurde. Die Züchterzahl ist heute noch die Gleiche, dazu kommen einige Geflügelzüchter. Die Tatsache, dass sie zwei Jungzüchter im Verein haben, wertet er sehr positiv. Die allgemeine Überalterung mit Nachwuchssorgen geht jedoch auch am Bonndorfer Verein nicht vorbei.

Der Zentralverband der Kaninchenzüchter hat gerade gemeldet, dass man am Termin 18./19. Dezember für die Bundesrammlerschau mit 14.000 Tieren in Karlsruhe festhalten will, dann werden sicher Bonndorfer Tiere vom Verein C 512 dabei sein. Mit den Kollegen vom Kreisverband Freiburg möchten die Bonndorfer Züchter bei der Organisation mitarbeiten.