Herr Johner, welche Aufgaben und Funktionen hat der Pfarrgemeinderat?

Wir sind Bindeglied zwischen den Mitgliedern der Kirchengemeinde und der Erzdiözese Freiburg. Unsere Aufgabe besteht darin, die Anliegen der Kirchengemeinde zu vertreten, aber auch die Vorgaben und Richtlinien aus Freiburg umzusetzen. Daraus ergibt sich unsere wichtigste Aufgabe, nämlich die Kirche zukunftsfähig aufzustellen. Das Vorhaben der Diözese heißt „Pastoral 2030“ und sieht vor, die 224 Seelsorgeeinheiten in etwa 40 Großpfarreien zusammenzufassen. Ziele sind unter anderem, die Kosten zu senken, personeller Knappheit entgegen zu wirken und trotzdem noch Kirche mit all ihren vielfältigen Aufgaben möglich zu machen. Dazu braucht es uns. Jetzt können wir das Projekt noch mitgestalten und Einfluss darauf nehmen, wie Kirche und vor allem Kirche vor Ort in Zukunft aussieht und gelebt wird. Nur da, wo es Menschen gibt, die sich für die Gemeinde engagieren, wird es in Zukunft kirchliches Leben geben.

Das könnte Sie auch interessieren

Worin sehen Sie den Schwerpunkt Ihrer Aufgaben als Vorsitzender?

Ich bin für die Vorbereitung und Durchführung der Pfarrgemeinderatssitzungen verantwortlich. Deshalb ist ein enger Austausch mit den hauptberuflichen Kirchenmitarbeitern aber auch den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern sowie sämtlichen kirchlichen Gruppierungen und allen Gläubigen wichtig. Ideell gesehen möchte ich Vorbild sein, möchte zeigen, dass sich kirchliches Engagement und der Glaube an Gott lohnen, dass Kirche nicht nur daraus besteht, Gottesdienste zu feiern. Leider erkennen viel zu wenige die vielen sozialen Aufgaben, die es ohne kirchliche Trägerschaft in der Region Bonndorf nicht gäbe. Dazu gehören unter anderem alle Bereiche der Caritas, wie Alten- und Pflegedienst der Sozialstation, die Tafel, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, die Dorfhelferinnen oder auch die Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge.

Das könnte Sie auch interessieren

Sie betonen den Austausch mit den Gläubigen. Sind Sie der Meinung, dass der Austausch zwischen Pfarrgemeinderat und Gemeindemitgliedern im Zusammenhang mit der Finanzaffäre gut funktioniert hat?

Nein, der war nicht gut. Wir mussten umsetzen, was Freiburg gesagt hat. Leider war auch die Kommunikation zwischen uns und Freiburg nicht zufriedenstellend.

Haben Sie den Eindruck, dass es infolge des Bekanntwerdens der Finanzaffäre in der Seelsorgeeinheit vermehrt zu Kirchenaustritten kam?

Eine Zeitlang ja. Jetzt, in der Corona-Krise, vermute ich eher, dass Kirchensteuer gespart werden soll. Ich finde, das greift zu kurz. Die Leute denken zu wenig darüber nach, was Kirche alles leistet. Junge Menschen begehen außerdem einen Fehler, wenn sie mit ihren Eltern nicht darüber sprechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Haben Sie konkrete Ziele und Vorhaben für die neue Amtsperiode?

Konkrete Ziele, an denen wir arbeiten, sind die Neugestaltung des Kirchplatzes in Bonndorf und die Neugestaltung des Innenraums der Schlosskapelle im Stadtgarten. Außerdem versuchen wir, uns von zwei Gebäuden zu trennen, die wir für die kirchliche Arbeit für nicht nötig erachten. Das sind das Vinzentiushaus in Bonndorf und das Pfarrhaus in Gündelwangen. Das wichtigste aktuelle Ziel wird aber ähnlich sein wie bei den meisten anderen Gruppierungen, Vereinen und Firmen. Wir wollen die Krise überstehen und danach hoffentlich mit neuem Elan in die Zukunft starten. Leider ist es so, dass das kirchliche Leben aktuell aufs Minimalste reduziert ist. Daraus resultiert auch, dass uns noch mehr Menschen den Rücken kehren. Die Leute nehmen die Kirche heutzutage nur noch dann wahr, wenn es ein Event gibt, etwa Taufe, Kommunion, Hochzeit, St. Martin, Weihnachten. Wir wollen im pastoralen Bereich mehr Impulse setzen, damit sich mehr Menschen von der Kirche angesprochen fühlen. So hatten wir 2019 als neues Element die Osterspeisensegnung an Ostern, die sehr gut angenommen wurde. Wir werden nun versuchen, verschiedene Gruppierungen in die Wortgottesfeiern einzubinden.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Pfarrgemeinderat? Sind die Gemeinden zusammengewachsen oder ist dieser Prozess noch im Gang?

Im Gremium sind aus fast jedem Ortsteil unserer Seelsorgeeinheit Vertreterinnen und Vertreter. Somit ist gewährleistet, dass die Meinungen, Ideen und Interessen im Sinne möglichst aller Gläubigen vertreten werden. In den letzten fünf Jahren sind wir immer mehr zusammengewachsen, haben viel übereinander gelernt und bringen viel Gemeinsames auf den Weg. Ein Beispiel ist die neue Gottesdienstordnung seit 2019. Alle Orte mussten Zugeständnisse machen, damit weiterhin überall Gottesdienste gefeiert werden können. Natürlich ist das Ganze ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist, aber wir sind auf einem sehr guten Weg.