Die staatsanwaltlichen Ermittlungen in den Finanzangelegenheiten der Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach dauern nach wie vor an. Die Nachvollziehung der zahlreichen Geldströme sei noch nicht abgeschlossen. Das teilt auf wiederholte Nachfrage der Zeitung Florian Schumann, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Waldshut, mit.

Das kirchenrechtliche Verfahren gegen die beiden Pfarrer Michael Hipp und Eckart Kopp ist im Gegensatz dazu zwischenzeitlich abgeschlossen. Darüber wird die Gemeinde im jüngsten Pfarrbrief der katholischen Seelsorgeeinheit informiert, „nachdem vor etlichen Monaten der Rechnungshof der Erzdiözese Freiburg finanzielle Unregelmäßigkeiten in der Kirchengemeinde Bonndorf-Wutach festgestellt hatte.

Pfarrer leisten Schadensausgleich

Beide Pfarrer haben Versäumnisse in ihrer Amtsführung eingestanden und ihr Bedauern zum Ausdruck gebracht. Zum Ausgleich des Schadens werden beide Pfarrer einen finanziellen Beitrag leisten. Der Stiftungsrat der Kirchengemeinde Bonndorf-Wutach hat das Versöhnungsangebot der Pfarrer angenommen und dankt den beiden Pfarrern Michael Hipp und Eckart Kopp für ihren Beitrag zur Versöhnung“, heißt es weiter.

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Höhe des Schadens unklar

Über die Höhe des Schadens, welcher der Kirchengemeinde durch diese „Versäumnisse“ entstand, schweigt sich das Ordinariat ebenso aus wie über die Höhe des Ausgleichs in Form des „finanziellen Beitrags“. Michael Hertl, Pressesprecher der Erzdiözese, teilt auf Nachfrage mit, die Angelegenheit sei zwischen der Kirchengemeinde und den beiden Geistlichen einvernehmlich geklärt worden.

Weitere Personen seien nicht betroffen. „Das Verfahren endete mit einem Strafdekret und der Feststellung, dass sich die Geistlichen in je zwei Tatkomplexen des Setzens/Unterlassens einer Handlung aus schuldhafter Nachlässigkeit zu fremden Schaden schuldig gemacht haben. Vorsatz wurde dabei nicht festgestellt“, lässt der Pressesprecher wissen und fügt an: „Zur Höhe des Schadensausgleichs, der vom Erzbischöflichen Offizialat vorgeschlagen und von den beiden Geistlichen und dem örtlichen Stiftungsrat akzeptiert wurde, möchten wir aufgrund des Persönlichkeitsrechts keine weiteren Angaben machen.“

Die Staatsanwaltschaft bestätigt nach wie vor keine Personalien oder weitere Details. Es gelte insoweit der Schutz von Persönlichkeitsrechten, lässt deren Pressesprecher wissen.

Die Aufklärung der Angelegenheit zieht sich bereits über einen längeren Zeitraum hin. Die Untersuchungen des Rechnungshofes der Erzdiözese begannen infolge entsprechender Hinweise im Januar 2017. Sie dauerten ein Jahr und erstreckten sich auf den Zeitraum vom 1. Januar 2015 bis Ende 2017. Anfang 2018 wurde der Abschlussbericht dem Pfarrgemeinderat vorgelegt. Ende 2018 wurde vonseiten der Kirchengemeinde eine gütliche Vereinbarung des Schadensausgleiches in die Wege geleitet, auf welche sich Michael Hipp und Eckart Kopp am Ende jedoch nicht eingelassen haben.

Klingelbeuteleinnahmen und Spenden

In einer gemeinsamen Stellungnahme vom Dezember 2018 erklärten Pfarrgemeinderatsvorsitzender Marco Johner und Pfarrer Fabian Schneider, dass es sich bei den finanziellen Unstimmigkeiten unter anderem um Gelder handelt, die von den Familien der Erstkommunikanten als Auslagenerstattung geleistet wurden, ebenso um Klingelbeuteleinnahmen – vor allem bei Trauungen und Beerdigungen –, um Spenden von Gläubigen, Einnahmen aus dem Verkauf von Opferlichtern sowie Messstipendien. Die Klingelbeuteleinnahmen seien nach Einführung des Vier-Augen-Prinzips im Dezember 2016 um mindestens 50 Prozent im Vergleich zu den Jahren 2014 bis 2016 angestiegen. (Das Vieraugenprinzip beim Auszählen von Kollekten gilt in der Erzdiözese Freiburg im Übrigen seit 1938.)

Außerdem seien allfällige Spenden nach Taufen, Trauungen, Ehejubiläen, Krankenbesuchen oder Beerdigungen nicht vollständig über das Kassenbuch der Kirchengemeinde erfasst worden. Es fehle auch der Nachweis über deren Verwendung. Die Gesamthöhe der Spendenbeträge lasse sich somit nicht mehr feststellen, teilen die Verfasser der Stellungnahme mit.