Die Bonndorfer Schlossnarrenstuben von Günter Hany erfreuen sich auch außerhalb der hochnärrischen Zeit großer Beliebtheit. Dies lässt sich auch an dem Wunsch von Gruppen ablesen, die sich zu Führungen außerhalb der feststehenden Öffnungszeiten anmelden. Die wegen der Corona-Pandemie allgemein eingeschränkten kulturellen Freizeitangebote führten wohl in den Narrenstuben zu einer guten Besucherfrequenz.

Karikaturenausstellung kommt an

Dazu trug sicherlich auch die im Schloss gezeigte Ausstellung mit Karikaturen bei, die mit einem Besucherrekord abschließen wird. Um auftretende Wartezeiten (aufgrund der coronabedingten Zugangsbeschränkungen) zu nutzen, schauten sich viele Besucher im Erdgeschoss und in den Kellergewölben die dort zu findenden närrischen Miniaturfiguren und Masken an.

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400 Originalmasken, vorwiegend Holzlarven, aber auch solche aus Stoff, Drahtgaze Pappmaschee, aus Leder oder Brotteig von Fasnachtsvereinigungen im Südwesten, zudem aus der Schweiz, Tirol und Italien können erkundet und bewundert werden. Die auch für die Schlossnarrenstuben geltenden Corona-Zugangsvorschriften beinhalteten ein Verbot der erst vor kurzem angeschafften modernen Gesichtsbrillen, die fantastische virtuelle „Rundgänge“ durch die verschiedensten Themenwelten der Narretei ermöglicht hatten.

Mediales Unterhaltungs- und Informationsportal

Wie Günter Hany nun im Gespräch mit der Zeitung preis gab, ist es ihm dank der gut nachbarschaftlichen Verbindungen zum Bad Dürrheimer Museum der Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte, dem Narrenschopf, gelungen, ein bestens strukturiertes Unterhaltungs- und Informationsportal für seine Besucher und besonders wissensdurstige Wunderfitze auf die Beine zu stellen.

Über eine Bildschirmoberfläche können sie per Touch-Screen-Funktion Bilder, Texte, Videos aus den verschiedensten Themenwelten aufrufen und nach Lust und Laune anschauen. Der überwiegende Teil der Ausführungen geht auf Publikationen von Werner Mezger, bekannter Moderator närrischer Auftritte und Umzüge, zurück und kommt ebenso kurzweilige wie authentisch bei Nutzern selbst mit mehr oder auch mal weniger Hintergrundwissen an.

Entlehnungen von Sagen und Fabelwesen

Narren als lebende Bilder! Dabei wird deutlich, welch überliefertes Erbe beispielsweise Häsmaler aus Sagen und Fabelwesen als Volksgut am Leben erhalten und weitergeben. Teufel und Narren verdeutlichen die enge Verzahnung von Fasnacht und Religion bis hin zu den eigentlichen Wurzeln der Fasnacht, als enthemmte Feiertage vor der folgenden kargen 40-tägigen Fastenzeit.

Spannungsfeld Fasnacht-Fastenzeit

Besonders lehrreich kommt die Rubrik Feste und Fasten daher. Das Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere, dem niederländischen Renaissancemaler, unter dem Titel Festen und Fasten, macht die beiden gegensätzliche Welten der grenzenlos scheinenden Fasnachts- oder Faschingszeit und jene der entbehrungsreichen 40-tägigen Fastenzeit als Ostervorbereitung begreifbar.

Hier der wohlgenährte Fettwanst auf einem Weinfass reitend, mit Musikern, Kartenspielkarten, ihm gegenüber eine hagere, geradezu dürre Fastengestalt, sie sitzt auf einem fahrbaren einfachen Wagen, mit Fischen, Brezeln als typische Fastenkost, begleitet von Personen, die anstelle von Musikinstrumenten sogenannte Karfreitagsklappern mit sich führen.

Eine von mehrere Szenen aus dem Gemälde von Pieter Bruegel, das die beiden Seiten der Welt, hier die Fasnacht dort die Fastenzeit, personifiziert aufzeigt.
Eine von mehrere Szenen aus dem Gemälde von Pieter Bruegel, das die beiden Seiten der Welt, hier die Fasnacht dort die Fastenzeit, personifiziert aufzeigt. | Bild: Erhard Morath

Diesen Darstellungen folgen weitere, noch und noch, und geben jedem Betrachter bildhafte Beispiele für den Kampf um die beiden Gegensätze, Fasnacht und Fastenzeit. Köstlich, fantasievoll, schier unerschöpflich.

Doch damit längst nicht genug. Wer möchte, kann den Munderkinger Brunnensprung miterleben. Oder: Was bedeutet das Häsabstauben an Dreikönig? Was hat es mit dem Hemdglunker, dem Narrenbaumstellen, der Narrengerichtsbarkeit, dem Pflugziehen, dem Aufsagen und, und, und auf sich?

Jeder Punkt für sich, gerne auch mit kurzer Einführung, ist spannend. Die neue Möglichkeit kann derart faszinieren, dass man vor lauter Schauen und Suchen jegliches Zeitgefühl vergisst. Günter Hany freut‘s, denn mit diesem neuen interaktiven Element, maßgeblich mit installiert von seinem Narrenfreund Norbert Rheiner, kommt in die Narrenstuben, die nach wie vor einmalig in Europa sind, neues Leben.

Dies dürfte auch profunde Kenner des Narrenmuseums und seiner Ausstellungsstücke zu einem Wiederkommen animieren. Und für echte Narren ist das Tragen einer Maske – auch einer solchen, wie sie Corona anrät – natürlich Ehrensache.