Vor vielen Jahren hatte ich meiner Mutter versprochen, dass sie zu mir kommen könne, wenn es alleine nicht mehr geht. Seit drei Jahren nun lebt meine inzwischen 97-jährige Mutter in meinem Haushalt mit meinem Mann und meiner jüngsten Tochter. Auch die vierköpfige Familie meines Sohnes lebt im gleichen Haus.

Die Situation

Ich bin viele Jahre in der Altenpflege tätig gewesen, was mir immer viel Spaß gemacht hat. Aber die eigene Mutter 24 Stunden täglich um sich zu haben, zu erleben, wie ihr Gedächtnis verloren geht und sie sich immer stärker auch in ihrem Wesen, in ihrem Verhalten verändert – darauf ist niemand vorbereitet, auch keine gelernte Altenpflegerin und schon gar nicht ein betroffenes Kind.

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Zuerst war ich noch sehr euphorisch und stark, dass solch ein enges Zusammenleben kein Problem für mich ist, dass ich das leicht meistern kann. Vom körperlichen Einsatz her ist meine Mutter auch sehr pflegeleicht. Sie ist immer bemüht, so viel wie möglich alleine zu meistern. Ganz anders empfinde ich jedoch die emotionale Belastung, der man als Tochter oder Sohn ausgesetzt ist. Die permanente Abhängigkeit, nicht mehr spontan etwas unternehmen zu können, alles aufwendig planen zu müssen, das empfinden ich und meine Familie als ziemlich belastend. Hier kam mir das Angebot der Tagespflege im St. Laurentius in Bonndorf sehr entgegen. Zum ersten Kennenlernen vor gut zwei Jahren konnte meine Mutter einen ersten aktiven Tag in Gesellschaft von anderen Menschen erleben, wonach sie recht zufrieden wieder nach Hause kam.

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Daraufhin vereinbarten wir einen festen Tag in der Woche, an dem sie morgens von einem Fahrer mit dem Laurentiusbus abgeholt wurde. Seit dem Corona-Ausbruch entlaste ich das Tagespflegeteam und fahre Mutti selbst die fünf Kilometer nach Bonndorf. Die Busse sind zwar inzwischen mit Trennwänden ausgestattet, dürfen aber nur wenige Gäste mitnehmen.

Corona-Einschränkungen

Vor Corona durfte sie auch bald an zwei Tagen die Woche in den „Mutti“-Garten, wie ihre Urenkel immer humorvoll anmerken. Doch Corona reduzierte den Besuch wieder auf nur einen Tag, weil die Gästezahl angepasst werden musste. Ein umfassendes Hygienekonzept wurde erstellt, bei dem unter anderem täglich eine Symptomabfrage an der Eingangstüre stattfindet, die Temperatur gemessen wird und regelmäßige Handhygienemaßnahmen ausgeführt werden.

Abwechslung

Mit dem nötigen Abstand kann meine Mutter nun weiterhin Seniorengymnastik, Erinnerungspflege und Gedächtnispflege erleben. Sie kann an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen und erlebt einen geregelten Tagesablauf, der ihr Orientierung und Sicherheit gibt. Natürlich ist ihre Stimmung nicht jedes Mal gleich. Es gibt auch Tage, an denen sie nicht so gerne das Haus verlässt oder mürrisch nach Hause zurück kommt.

Ausweichmöglichkeit in Lauchringen

Obwohl zwischenzeitlich das Coronavirus in St. Laurentius sein Unwesen getrieben hatte und die Tagespflege vorübergehend hatte geschlossen werden müssen, konnte meine Mutter das recht neu eröffnete Haus der Caritas, die Gertrud-Luckner-Tagespflege in Lauchringen besuchen. Sie wurde sogar mit dem Bus abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Dies zeigte uns, dass die beiden Tagespflegeeinrichtungen gut zusammenarbeiten – zum Wohl der Gäste und meiner Mutter. Es hatte ihr offensichtlich auch in Lauchringen gefallen.

Besondere Tage

Für mich und vor allem meinen Mann waren und sind dies immer besondere Tage, an denen wir spontan sein können. Manchmal bricht dann Aktionismus aus, ganz oft aber auch erleben wir diesen Tag einfach nur entspannt. Wir wissen die Mutter in bester Obhut. Das kompetente Team in der Tagespflege steht in ständigem Kontakt mit mir. Auch wenn ich Fragen zu den Leistungen der Pflege- und Krankenkassen habe, werde ich bestens darüber informiert.

Die Finanzierung

Meine Mutter erhält übrigens den größten Teil ihrer Kosten von ihrer Pflegekasse erstattet und könnte bei ihrem Pflegegrad sogar viermal wöchentlich betreut werden, was wir aber nicht wollen. Sie soll ja auch unsere beziehungsweise ihre Familie erleben können.