Viele Gesteine des Südwestens finden wir in der Wutachschlucht. Das Faszinierende dabei ist, dass sie so dicht beieinander liegen, dass man sie „erwandern“ kann. Von der Schattenmühle zwischen Boll und Göschweiler aus geht es zunächst an der Buntsandsteinwand vorbei. Dieses Gestein wurde vor 252 Millionen Jahren abgelagert. Später wurde die rote Sandwüste von einem Meer überflutet. Vom Buntsandstein aus flussabwärts wandert man ein Stück weit gewissermaßen auf dem Meeresboden.

Im grauen fossilen Bodenhorizont glänzt der Schmuckstein Karneol, der früher unter die Halbedelsteine gruppiert wurde.
Im grauen fossilen Bodenhorizont glänzt der Schmuckstein Karneol, der früher unter die Halbedelsteine gruppiert wurde. | Bild: Friedbert Zapf

Das erste Meerwasser drang vor 246 Millionen Jahren von Südosten her in das Gebiet ein und überspülte den Buntsandstein. In sechseinhalb Millionen Jahren wurden dann Meeressedimente in einer Höhe von 140 Metern abgelagert, aus denen sich das Gestein Muschelkalk bildete. Unterschiedliche Bedingungen, die heute noch am Gestein ablesbar sind, lassen die Geologen zwischen dem Unteren, Mittleren und Oberen Muschelkalk unterscheiden.

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Zunächst durchwandert man den Unteren Muschelkalk, die Ablagerungen von zwei Millionen Jahren. Auf dem Weg liegen beigefarbene Muschelkalkplatten, und am Hang treten die ersten hellen Muschelkalkfelsen hervor. Das Gestein enthält die Reste von Meerestieren. Eine Suche nach Fossilien lohnt indes nicht, denn fast alles ist zu feinem Kalk zermahlen, nur Spezialisten finden Muschelschalenreste, Fischschuppen, Seelilienglieder oder die Gänge von Schlammwürmern im Gestein.

Bei Oberdietfurt blickt man auf die parallel liegenden Gesteinsschichten des Unteren Muschelkalks.
Bei Oberdietfurt blickt man auf die parallel liegenden Gesteinsschichten des Unteren Muschelkalks. | Bild: Friedbert Zapf

Die Rinnsale, die Richtung Wutach fließen, befördern feinste Kalkteilchen, die sich an Moosen, Zweigen und Blättern absetzen und sie schließlich umkrusten. Auch kleine sogenannte Kalksinterterrassen werden ausgebildet, hinter denen sich das Wasser staut.

Beim Wandern Wutach abwärts fragt man sich vielleicht, warum man vom ältesten Gestein, dem Gneis, über den jüngeren Buntsandstein nunmehr in den noch jüngeren, Muschelkalk kommt. Die Erklärung des Phänomens: Vor 50 Millionen Jahren brach der Oberrheingraben ein, der Schwarzwald hob sich, und kippte leicht nach Osten. Das Gefälle der einst horizontal abgelagerten Gesteinsschichten ist größer als das Gefälle der Wutach, die so immer jüngere Gesteine anschneidet.

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Nach einer halben Stunde werden die Grundmauern von Oberdietfurt erreicht. Vom Wutachufer aus blickt man auf die schichtweise abgelagerten tonigen und kalkigen Sedimente des Unteren Muschelkalkes. Die Schichten setzen sich noch 20 Meter in den Untergrund fort, wo sie auf dem Buntsandstein auflagern.

Der Pfad zurück zum Wanderweg führt an den Grundmauern einer Gipsmühle vorbei. Von 1809 bis 1889 wurde hier Gips gemahlen. Dieser entstand vor 244 Millionen Jahren, als der Meerwasserzufluss aus Südosten versiegte und nun von Westen frisches Wasser eindrang. In dem warmen, flachen Meer lagerten sich in einer Million Jahren 40 Meter Kalk- und Tonsedimente des Mittleren Muschelkalks ab. Direkt am Wanderweg ist der Beginn dieser Ablagerung zu sehen. Interessant ist das obere, etwas hervorstehende, nur zehn Zentimeter hohe Gesteinsband, die sogenannte Netzleistenbank. Auf der Unterseite sind auffällige Wülste und Leisten zu sehen. Die Geologen deuten sie als versteinerte Tiergänge im Meeresschlamm.

Knapp zwei Meter mächtig ist das Gipslager von Oberdietfurt. Der Gips wurde abgebaut, gemahlen und als Acker- und Baugips verkauft.
Knapp zwei Meter mächtig ist das Gipslager von Oberdietfurt. Der Gips wurde abgebaut, gemahlen und als Acker- und Baugips verkauft. | Bild: Friedbert Zapf

In dem sehr flachen Meer verdunstete in dem heißen Klima viel Wasser, und die Konzentration der der gelösten Salze stieg. Eindampfungsgesteine wie Gips und Steinsalz lagerten sich ab. Während das Steinsalz längst ausgewaschen ist, kann man ein prächtiges, zwei Meter hohes, weißes Gipsband sehen. Allerdings muss man dazu hinauf in den alten Gipssteinbruch klettern. Wem das allerdings zu mühsam ist, der kann den mitten im Wanderweg stehenden rötlich-weißen Gipsbrocken bewundern.

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