Nach einjähriger Corona-Pause hat das Bonndorfer Freibad am Samstag wieder eröffnet. Die Außentemperaturen passten nahezu perfekt. Treue Badegäste freuten sich, dass sie nun wieder ihrem sportlichen Vergnügen im kühlen Nass frönen durften. Und auch die Helfer der DLRG, die Schwimmmeister Jürgen Blattert bei der Badeaufsicht unterstützen, sind glücklich, dass wieder Leben in die Badeanlage einkehrt.

„Ich habe eine riesige Freude und wir sind alle froh, dass das Bad wieder geöffnet ist“, sagt Antonia Schüler. Sie übernimmt an diesem Morgen die erste Schicht der DLRG und ist selbst begeisterte Schwimmerin. „Schwimmen ist für mich wie Meditation, eine halbe Stunde komplette Auszeit vom Alltag“, sagt Schüler. Bevor sie selbst ins Wasser darf, muss sie sich allerdings gedulden, bis die Schichtablösung kommt.

Die Eröffnung

Am Samstagvormittag herrscht Betrieb wie in anderen Jahren auch. Die Frühschwimmer waren bereits da, dann trudelten die ersten Familien ein. Derweil herrschte aber nicht nur Freude über die Art und Weise, wie das Freibad unter den Zeichen der Corona-Pandemie wieder geöffnet hat.

Die Trennwand verhindert den barrierefreien Zugang zum Kiosk. Badbesucher und Kioskbetreiber stören sich auch an der Optik.
Die Trennwand verhindert den barrierefreien Zugang zum Kiosk. Badbesucher und Kioskbetreiber stören sich auch an der Optik. | Bild: Martha Weishaar

„Das Bonndorfer Schwimmbad kommt einem ja wie ein Hochsicherheitstrakt vor“, kritisiert Karl-Egbert Jost die Tatsache, dass alle Besucher am Eingang von zwei schwarz gekleideten Sicherheitsleuten kontrolliert werden. Ein Bauzaun, der den direkten Zugang zum Kiosk versperrt, gefällt ihm ebenfalls gar nicht. „So ebbes Bleds“, kommentiert der Bäckermeister. Er ist passionierter Schwimmer und besuchte während der Corona-Pandemie Schwimmbäder einiger Nachbargemeinden. „So was wir hier habe ich nirgends erlebt.“

Überwachung

Eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des in Titisee-Neustadt ansässigen Sicherheitsdienstes scannen den QR-Code jedes einzelnen Besuchers beim Betreten und Verlassen der Badeanstalt. Zudem überwachen sie, dass die Anzahl der maximal zulässigen Personen in den Schwimmbecken nicht überschritten wird.

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Die zwingende Voranmeldung wird von Badbesuchern ambivalent aufgenommen. „Ich finde das nicht schlecht, auf diese Weise kann man zu Hause aktuell einsehen, wie voll das Bad ist“, sagt Meike Beck. Sie hat eine Familien-Saisonkarte, geht gerne vormittags schwimmen und, wenn es passt, im späteren Tagesverlauf nochmals mit ihren Kindern ins Bad. Dass sie sich in dem Fall ein zweites Mal anmelden muss, akzeptiert sie angesichts der nach wie vor bestehenden Infektionsgefahr.

Kompliziert

Etliche ältere, treue Badbesucher haben keine Lust auf das komplizierte Anmeldeverfahren. „Der Buchungsvorgang ist tatsächlich nicht intuitiv erklärt“, kritisiert Antonia Schüler das System. Wobei sie im Umgang mit Computern routiniert ist. „Es ist schade, wenn Leute deswegen wegbleiben. Ihnen fehlen sowohl die Bewegung als auch die sozialen Kontakte. So viele haben sehnsüchtig darauf gewartet, dass das Bad dieses Jahr wieder geöffnet hat“, bedauert Tanja Rendler, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe.

Positiv

Doch es gibt auch andere Stimmen. „Ich verstehe diese ganze Motzerei nicht. Sind wir doch froh und dankbar, dass wir endlich wieder schwimmen gehen können“, sagt eine Frau, die ihren Namen nicht genannt haben möchte – und genießt eine Tasse Kaffee, nachdem sie ihre Bahnen gezogen hat.

Angelika Preiser bewirtet mit Mann und Sohn in der vierten Saison den Kiosk. Die Tatsache, dass auch Kioskbesucher Eintritt buchen müssen, behagen ihr allerdings gar nicht.
Angelika Preiser bewirtet mit Mann und Sohn in der vierten Saison den Kiosk. Die Tatsache, dass auch Kioskbesucher Eintritt buchen müssen, behagen ihr allerdings gar nicht. | Bild: Martha Weishaar

Auch, wer etwas am Kiosk verzehren und nicht schwimmen möchte, muss sich online anmelden, Eintritt bezahlen und einen QR-Code vorweisen. Kiosk-Betreiberin Angelika Preiser ist darüber nicht glücklich. „Ich wusste das im Vorfeld nicht, habe erst kurzfristig davon erfahren. Wenn das von vorneherein klar gewesen wäre, hätte ich den Kiosk in diesem Jahr vielleicht gar nicht geöffnet“, sagt die Frau, die mit Mann und Sohn in der vierten Saison die Bewirtung innehat. Im vergangenen Jahr, als das Schwimmbad geschlossen blieb, durfte sie zwar öffnen. Ein lohnendes Geschäft sei das allerdings nicht gewesen, blickt sie zurück. Dass der Bauzaun es unmöglich macht, ebenerdig zum Verkaufsstand zu gelangen, ist ein weiteres Ärgernis für die Wirtsfamilie.