„Unsere Kinder in Indien hungern!“ Mit diesem Appell wendet sich Gandhi-Care Präsident Ernst Forster an alle Sponsoren, Paten und Mitglieder der Hilfsorganisation. Auch deren Schulen und Einrichtungen wurden geschlossen, nachdem die indische Regierung am 22. März aufgrund der Corona-Pandemie den Lockdown über das ganze Land verkündet hatte. Scharen von Tagelöhnern wurden aus den Ballungsgebieten nach Hause geschickt. Die Einkünfte für Millionen Familien brachen damit weg.

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Die Sorge um die Menschen in Indien ist auch in Bonndorf angekommen. „Die 100 Mädchen aus unserem Heim in Veldurthy wurden direkt ins Elend geschickt“, sagt Eckhard Fechtig, Vorsitzender des Gandhi Clubs Deutschland im Gespräch mit unserer Zeitung. „Weder für Nahrungsmittel noch Grundbedürfnisse haben die Familien Geld. Die Kinder wären in unserem Heim weitaus besser aufgehoben, allein schon, was die Hygienestandards anbelangt. Doch wir haben keine Handhabe“, schildert er die aktuelle Lage. Die Coronapandemie löst in Indien eine ganz andere Not aus als hierzulande. Nicht von Ungefähr werden Unruhen befürchtet.

Akute Notlage

Als die Nachricht dieser akuten Notlage bei Gandhi-Care eintraf, ergriff die Hilfsorganisation Sofortmaßnahmen. Mit Geld, das eigentlich für den Ausbau der Elektriker- und Sanitärausbildungsstätte vorgesehen war, kaufen Mitarbeiter nun vor Ort Lebensmittel und Hygieneartikel und verteilen diese an bedürftige Familien der Schülerinnen, die nach Hause geschickt werden mussten.

Lokale Mitarbeiter der Hilfsorganisation Gandhicare verteilen Lebensmittelpakete und Hygieneartikel an die Ärmsten, um sie vor Hunger zu bewahren.
Lokale Mitarbeiter der Hilfsorganisation Gandhicare verteilen Lebensmittelpakete und Hygieneartikel an die Ärmsten, um sie vor Hunger zu bewahren. | Bild: Privat

Und nicht nur an diese. „In Chittoor versorgen wir 60 Familien und 107 Kinder, in Yerraguntla 140 Familien und im Distrikt Guntur und Rajahmundry 250 Kinder und 550 Familien. Polizei und Behördenvertreter helfen bei der Verteilung der Essenspakete“, informiert Ernst Forster.

Kontakt auf digitalem Weg

„Unsere normalen Aktivitäten sind in den Hintergrund gerückt. Wir kämpfen jetzt gegen den Hunger.“ Eigentlich wollten Ernst Forster und seine Frau am 7. März nach Indien reisen, um sich ein weiteres Mal persönlich davon zu überzeugen, dass die Unterstützung so ankommt, wie von Gandhi-Care beabsichtigt. Stattdessen ist er nun auf digitalem Weg im Kontakt mit seinen indischen Vertrauenspersonen, um auf dem Laufenden zu bleiben, wo Unterstützung am dringendsten geboten ist.

Hilfe zur Selbsthilfe

Gandhi-Care setzt auf Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen in Indien, die am schwersten von Armut betroffen sind. Vor allem Waisen, Halbwaisen und verstoßene Kinder aus den untersten Schichten erhalten eine Ausbildung und damit eine reale Chance auf ein selbstbestimmtes Leben ohne Kinderarbeit oder Zwangsverheiratung im Kindesalter. Regelmäßig wird kontrolliert, ob die geförderten Kinder tatsächlich zur Schule gehen und Lernerfolge erzielen.

Außer den 100 Mädchen, die in Veldurthy im Heim leben und die benachbarte Schule besuchen werden 50 weitere Kinder im Alter von acht bis 15 Jahren in Yerraguntla mit einem Nachhilfeprogramm gefördert. Binnen kurzer Zeit zeigen sich beachtliche Erfolge, immer mehr Jugendliche bestehen die Prüfungen für den Besuch einer höheren Schule. 30 arbeitslose Jugendliche fördert Gandhi-Care ebenfalls in Yerraguntla, damit sie das Elektriker- oder Sanitärhandwerk erlernen.

Ausbildung wird gefördert

Außerdem werden in zwei Nähereien in Pedaparimi und Yerraguntla jeweils 20 junge Frauen im Nähen ausgebildet, mit dem Ziel, als selbstständige Näherinnen ihren Lebensunterhalt verdienen zu können. Weitere 80 Kinder werden von Paten mit monatlichen Zuweisungen individuell gefördert. All das wird regelmäßig von Mitarbeitern der Organisation überprüft. Jegliche Förderung soll ausschließlich der Bildung der Kinder zukommen. „Doch jetzt geht es einzig darum, Hunger zu bekämpfen und da müssen wir die ganze Familie unterstützen, nicht nur ein einzelnes Kind“ sagt Eckhard Fechtig. Christian Kuppel, Kassierer im Gandhi Club, hofft mit ihm, dass alle Kinder Ende Juni wieder in die jeweiligen Einrichtungen zurück dürfen, wohl wissend, dass „wir die Welt nicht retten, aber unseren kleinen Teil beitragen können, Not zu lindern“.

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