Frühlingshafte Temperaturen sind ab dem kommenden Wochenende gemeldet, doch die Meteorologen warnen schon vor den nächsten Kaltlufteinbrüchen Anfang März und warnen schon vor einem Flachlandwinter. Die Schwarzwälder auf zwei und auf vier Beinen lassen sich nicht so schnell erschüttern. Wir haben in diesem Winter die Kaltblutpferde von Werner und Simon Blattert in Dillendorf und die Highland-Rinder von Thomas Preiser in Oberwangen besucht.

Schwarzwälder Kaltblutpferde

Ein dickes Fell haben die Schwarzwälder im Umgang mit Kälte und Schnee. Bei den Schwarzwäldern auf vier Beinen, den Schwarzwälder Kaltblutpferden, geht die Wohlfühltemperatur gar bis unter minus 15 Grad Celsius, berichtet Simon Blattert, der in Dillendorf einen Pferdebetrieb mit Zucht betreibt. Ein dichtes Winterfell haben die 15 Kaltblutpferde und das soll auf keinen Fall geschert werden, denn zu leicht zerstört man die für den Kälteschutz so wichtige Talgschicht der Pferde.

Spaß im Schnee: Schwarzwälder haben bekanntlich ein dickes Fell und das hilft nicht nur beim Ausflug in den Schnee. Hier freut sich Merle, drei Jahre alt.
Spaß im Schnee: Schwarzwälder haben bekanntlich ein dickes Fell und das hilft nicht nur beim Ausflug in den Schnee. Hier freut sich Merle, drei Jahre alt. | Bild: Wolfgang Scheu

Zusätzliche Pferdedecken legt er auch beim täglichen Auslauf auf die verschneite Weide nicht auf, es sei denn, er sieht, dass einer der Vierbeiner gesundheitlich nicht auf der Höhe ist. Spaß im Schnee haben auch die vier Ponys für die Reiterkinder. Sieben Stuten sind derzeit trächtig, ob der Nachwuchs in diesem Jahr wieder gemeinsam in St. Märgen präsentiert und prämiert wird (einige der Dillendorfer Fohlen kam als Goldfohlen oder sogar als Sieger wieder nach Hause), steht noch in den Sternen. Der direkte Kontakt mit den anderen Züchtern fehlt ihm schon, aber auch für ihn gehen Vernunft und Sicherheit vor und die Arbeit auf dem Hof geht ihnen ja nicht aus, so Simon Blattert. Nebenbei hatten die Züchter aus Dillendorf Zeit, die Homepage ihrer Pferdezucht zu überarbeiten, mit historischen Aufnahmen und aktuellen Informationen (https://www.schwarzwaelder-blattert.de/zucht/).

Viel Idealismus ist gefragt bei der Zucht. Nach wie vor ist das Schwarzwälder Kaltblut auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Haustierarten. Erfreut stellt Simon Blattert fest, dass die Nachfrage nach diesem ruhigen „Freizeitpartner auf vier Beinen“ in letzter Zeit steigt, „die Nachfrage ist gerade groß“. Die Zahl der Züchter ist jedoch sinkend, die Pferdezuchtgemeinschaft freut sich über jeden Neuzüchter. Ab dem 15. März, dem „Josefstag“, wird Marcellus, ein zwölfjähriger Schwarzwälder Fuchs aus Marbach seinen Dienst auf der Regiehengsthaltung Werner und Simon Blattert tun.

Die Highland-Rinder

Man nennt ihn „Schriiner“ und als Schreiner arbeitet Thomas Preiser aus Oberwangen. Sein Platz ist hauptsächlich in der Werkstatt am Ort und so hat er es vor und nach der Arbeit nicht weit zu seinen Highland-Rindern, die er seit 2003 züchtet und auch schon viele Erfolge feiern durfte. Die reinrassige Herde besteht derzeit aus zehn Bullen, neun Kühen und sieben Kälbern. Mit Nachwuchs rechnet er ab Ende Februar/Anfang März, alle Kühe sind trächtig. Die Erwartung ist groß.

Gutmütig und robust: Thomas Preiser züchtet seit 2003 Highland-Rinder.
Gutmütig und robust: Thomas Preiser züchtet seit 2003 Highland-Rinder. | Bild: Wolfgang Scheu

Wie Teddybären sehen sie aus, für viele Einheimische ist die Wanderung zum Unterstand auf der Weide mit den Futterraufen ein beliebtes Wanderziel, wenn es soweit ist. Er stellt die Zucht nach und nach auf hellere Farben um, er „will nicht, dass sie unter den heißen Sommern und dem Ungeziefer unnötig leiden“, berichtet Thomas Preiser. Der Winter mit tiefen Minustemperaturen macht den schottischen Einwanderern mit dem dicken Fell und langer Haarpracht bis über die Augen keine Sorgen. Solange genug Futter da ist, sind sie zufrieden.

Der eindeutige Chef auf der Weide ist der vierjährige Mac Dave, ein wahrer Prachtbulle, vor drei Jahren ist er von der bekannten Zucht von Familie Baumann von der Geroldsauer Mühle bei Baden-Baden nach Oberwangen umgezogen. Dass ein Fremder nichts auf der Weide zu suchen hat, egal wie „süß“ die Tiere anmuten, hat unser Fotograf festgestellt, als Mac Dave wild schnaubend durch den Schnee in atemberaubendem Tempo auf den Eindringling zulief und erst gut einen Meter vor ihm stehenblieb. Die Beine haben gezittert, aber der Bauer war bei ihm, sonst hätte er diesen Ausflug auf die fremde Weide nie und nimmer gemacht. Der Bulle ließ sich von Thomas Preiser am Kopf kraulen und trottete dann schnaubend wieder davon.

Neugierig: Die „Highlander“ von Thomas Preiser in Oberwangen sind naturgemäß warm eingepackt.
Neugierig: Die „Highlander“ von Thomas Preiser in Oberwangen sind naturgemäß warm eingepackt. | Bild: Wolfgang Scheu

Für einen Wolfszaun auf der Kälberweide hat er Anträge gestellt, nur ob das im Winter wirklich funktioniert, wenn die vorgeschriebene Höhe für die erste Litze eingehalten wird, da ist Thomas Preiser noch mehr als skeptisch. Denn bei 15 Zentimetern über dem Boden wäre der Draht in diesem Winter auf jeden Fall im Schnee versunken. Im Frühling will er ganz neues Blut in die Schwarzwälder Highland-Zucht bringen. Direkt aus Schottland soll ein Zuchtbulle importiert werden, sofern die Corona-Pandemie und der Brexit es erlauben.