Herr Koloska, wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Durch Zufall. Der damalige Leiter des Vermessungsamtes und mein Vater spielten zusammen Tennis. Arthur Perino erzählte, dass es in seiner Behörde eine freie Lehrstelle gebe, und ich stand mit 15 gerade vor dem Hauptschulabschluss. Das passte.

Würden Sie sich heute erneut für diesen Beruf entscheiden?

Auf jeden Fall. Ich liebe meinen Beruf und habe eine wunderbare Zeit erlebt.

Was macht Ihnen am meisten Freude an Ihrer Tätigkeit?

Die gute Zusammenarbeit in einem tollen Team und die Einsätze im Außendienst. Ich arbeite im schönsten Schwarzwald, komme an die herrlichsten Flecken, wenn wir Straßen, Wälder oder andere Grundstücke vermessen. Die eigentliche Tätigkeit mag zwar immer die gleiche sein, aber trotzdem ist jede Vermessung ein Unikat. Wenn man dann unter Moos oder Bäumen auf alte Grenzsteine stößt, fühlt sich das fast an wie eine Schatzsuche. Man ist der Geschichte auf der Spur, wenn man verwitterte Grenzsteine oder riesige Granitblöcke mit eingeritzten Felskreuzen entdeckt. Es ist spannend, diese alten Grenzmarkierungen in das heutige digitale System zu überführen. Außerdem kommt es dabei immer wieder zu schönen Begegnungen mit den Menschen vor Ort.

Gab es auch gefährliche Situationen beim Außeneinsatz?

Oh ja. Einmal wurde mein Team von einem Stier attackiert. Wir mussten im Jostal zum Vermessen auf eine eingezäunte Weide. Das passte dem Stier ganz und gar nicht. Er fing an, zu schnauben und zu scharren und ging auf uns los. Da half nur noch ein Sprung über den Elektrozaun und die Flucht ins Auto. Der Stier verfolgte unser Auto noch eine ganze Weile und wir mussten ihn austricksen, um überhaupt noch an unser Equipment heran zu kommen, das bei der Flucht auf der Weide zurück geblieben war.

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Welche technischen Veränderungen erlebten Sie in 50 Jahren Berufsjahren?

Zu Beginn wurde noch mit elektrooptischen Licht- und Stockreflektoren gearbeitet und die Ergebnisse in Gauß-Krüger-Koordinaten übernommen. Die Ergebnisse wurden auf einem „Riss“ (ein Din-A3- oder -4-Blatt) festgehalten. Seit gut 15 Jahren wird terrestrisch vermessen und in UTM-Koordinaten übertragen. Dabei kommen heute 20 bis 30 Seiten Papier heraus. Im Schwarzwald funktioniert diese Technik allerdings nicht immer, dann muss man wieder auf die alte Technik zurückgreifen und die Daten entsprechend übertragen. Dabei hinken wir hier im ländlichen Raum manchmal mit unserer technischen Ausrüstung etwas hinterher.

Und welche strukturellen Veränderungen prägten Ihre Laufbahn?

Die Privatisierung und Zentralisierung. Als ich beim Vermessungsamt in Bonndorf Lehrling war, sagte unser Chef noch: „Dass dieses Amt weg kommt, werden Sie nie erleben.“ Schon 1976, nach meiner Bundeswehrzeit bei den Gebirgsjägern in Mittenwald, musste ich mit weiteren Kollegen nach Neustadt. Dort haben wir immer wieder mal gebibbert, dass wir alle nach Freiburg verlegt werden, zumal als zwischen 2000 und 2005 im Rahmen der „teuflischen“ Verwaltungsreform 22.000 Landesbeamte auf die Landratsämter umverteilt wurden. Die Privatisierung hing immer wie ein Damoklesschwert über uns, brachte auch Verschlechterungen. Private Vermessungsfirmen schöpfen die Crème ab, wir machen den Rest. Vermesser genießen keine Wertschätzung in der Politik. Außerdem fehlt der Nachwuchs. Eine Zeitlang wurden zu wenige Junge eingestellt oder die guten Ausbildungsabgänger nicht übernommen. Gerade hier im Hochschwarzwald wurden wir gewissermaßen ausgehungert.

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