Mit dem in den USA seit Beginn des Jahrtausends vorherrschenden Trend zu privater Hühnerhaltung hat das überhaupt nichts zu tun. Ebenso wenig mit Corona. Obschon seit Ausbruch der Pandemie die Hühnerhaltung in kleinen Privatgärten auch hierzulande mächtig Fahrt aufnimmt. Ralf Albert begeistert sich seit mehr als 30 Jahren, also seit seiner Kindheit, fürs Federvieh. Inspiriert hat ihn sein Opa.

Ein wandelndes Hühner-Lexikon

Der Mann kennt sich aus, ist beinahe so etwas wie ein wandelndes Hühner-Lexikon. „Mein schönster Erfolg war, als an meinem 40. Geburtstag 84 wunderschöne Wachteln schlüpften. 120 Eier hatte ich gekauft und im Brutkasten ausgebrütet“, schwärmt er. Neuerdings bereichern Celadon-Wachteln seinen bunten Bestand. Die legen grüne anstatt der beigen, braun-gesprenkelten Eier. Celadon kosten allerdings deutlich mehr. Während ein gewöhnliches Wachtelei zum Brüten 32 Cent kostet, liegt der Preis für ein Celadon-Ei bei 1,50 Euro. Billig ist dieses Vergnügen also nicht, auch wenn gelegentlich ein Wachtelhähnchen auf dem Grill oder ein Huhn im Suppentopf landet. Bei Wachteln sind ebenso wie bei Hühnern nur die Weibchen interessant. Hähnchen werden geschlachtet. „Wobei junges Wachtelfleisch eine Delikatesse ist“, schwärmt Ralf Albert.

Der kleine Lias besucht gerne die Hühner seines Onkels, am liebsten, wenn Küken schlüpfen.
Der kleine Lias besucht gerne die Hühner seines Onkels, am liebsten, wenn Küken schlüpfen. | Bild: Martha Weishaar

In der Hühnerhaltung geht der Trend immer mehr zum Zweinutzungshuhn. Hühnerhalter möchten sowohl eine gute Legeleistung bei Hennen als auch genügend Fleisch an männlichen Tieren. „Sandy“, auch „Sundheimer“ sind dafür die bekanntesten Rassen. Auch „Königsberger“ tummeln sich unter Alberts 14 Hühnern. Besonders stolz ist er auf ein „Araucana“, eine Rasse, die aus Südamerika stammt und mit ihren seitlichen Bommeln am Kopf interessant aussieht. Araucanas sind so genannte Grünleger. Je nachdem, mit welchen anderen Rassen sie gekreuzt werden, legen die Hennen Eier in verschiedenen Farben. Kommen bei der Kreuzung gar „Marans“ ins Spiel, die gewöhnlich schokobraune Eier legen, können olivgrüne oder bläuliche Eierfarben herauskommen.

Celadon-Wachteln sind der besondere Stolz von Ralf Albert.
Celadon-Wachteln sind der besondere Stolz von Ralf Albert. | Bild: Martha Weishaar

Längst hat Ralf Albert mit seiner Hühnerliebe Lydia Güntert angesteckt, die zwar nicht in unmittelbarer, aber doch in der weiteren Nachbarschaft wohnt. Zehn Hühner und ein Hahn tummeln sich in deren Stall und Freilauf. Wobei der Hahn das Erscheinen dieses Beitrages wohl nicht mehr erlebt. Er wurde aggressiv und ein angreifender Hahn ist gar nicht so ungefährlich. In dem Fall geht‘s ab in den Kochtopf. Zudem wünscht sich Lydia Güntert einen italienischen Hahn. „Die sind viel farbenprächtiger und stolzer, so einer würde mir besser gefallen“, räumt sie unumwunden ein. Ansonsten dürfen Lydia Günterts Hühner leben, bis sie an Altersschwäche sterben.

„Ich schlachte keines meiner Hühner“, sagt sie. Das übernimmt leider hin und wieder der Fuchs. Tatsächlich wagt sich der Hühnerdieb mitten in die Stadt. Es ist also Vorsicht geboten. Als Ralf Albert im März bei seinem Hühnerwagen die Zeitumstellung vergaß, schloss sich die automatische Klappe eine Stunde zu früh. In derselben Nacht war der Fuchs zur Stelle und erbeutete zwei Hühner, die es nicht mehr in ihr sicheres Nachtquartier geschafft hatten. Vielleicht hätte ein aufmerksamer Hahn das verhindert. „Ein Güggel ist das Beste gegen Hühnerklau“, lacht Ralf Albert.

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Insgesamt sind Hühner pflegeleicht, fressen so gut wie alles, was an Garten- oder Küchenabfällen anfällt, dazu Gras und Körnerfutter. Zur Festigkeit der Schalen gibt‘s zerkleinerte Eierschalen sowie Legehennenmehl. „Frischer Löwenzahn ist eine Delikatesse für die Hühner, oder wenn sie nach einem Sommerregen Würmer aus dem Erdreich picken. Meine mögen am liebsten Nudeln. Manchmal koche ich ihnen extra eine Portion“, schmunzelt Lydia Güntert. Für Ralf Albert ist nach wie vor das Ausbrüten und Schlüpfen der Küken die größte Faszination. Dafür begeistern sich auch seine Kinder, Nichten und Neffen, die er bereitwillig an seinem Hobby teilhaben lässt.