Paare mussten sich entscheiden, ob sie ihren geplanten Hochzeitstermin beibehalten und im allerkleinsten Kreis feiern oder das Ganze verschieben. Selbst der eine oder andere verschobene Termin musste ein Jahr später in Anbetracht des Infektionsgeschehens erneut abgesagt werden. Wir fragen nach, wie sich das in Bonndorf ausgewirkt hat.

55 Trauungen im Jahr 2020

Mit 55 Trauungen verbuchte das Bonndorfer Standesamt 2020 einen regelrechten Boom. Im Jahr vor der Corona-Pandemie, also 2019, hatten sich lediglich 30 Paare das Ja-Wort gegeben, in diesem Jahr bisher gerade mal 20. Und nach heutigem Stand der Dinge ist bis zum Jahresende keine weitere Trauung angemeldet. Erst wieder im Januar 2022 ist eine Hochzeit angemeldet.

In der Zeit, als die Coronaeinschränkungen am restriktivsten waren, baten etliche Paare um Verschiebung ihres Hochzeitstermins. Vier solcher abgesagter Termine wurden bisher allerdings noch nicht nachgeholt.

Indes sind kirchliche Hochzeitsfeiern längst nicht mehr für alle Paare obligatorisch. In der katholischen Seelsorgeeinheit Bonndorf-Wutach häufen sich erst seit Ende Juni Trauungen, beobachtet Pfarrer Fabian Schneider. Üblicherweise sind vor allem der Mai, aber auch der April beliebte Hochzeitstermine. Während 2019 zwölf Paare vor den Traualtar schritten, waren es 2020 lediglich sechs. Zwei Paare verschoben ihre Trauung, eines davon sogar zweimal.

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Fünf Paare aus der Seelsorgeeinheit wählten überdies einen anderen Ort, um sich trauen zu lassen. Und auch Fabian Schneider wurde gebeten, andernorts Trauungen vorzunehmen. Es gab Paare, die ihre Hochzeit gleich auf 2022 verschoben haben, andere planten infolge zwischenzeitlichen Familienzuwachses um und wieder andere Heiratswillige meldeten sich bisher nicht wieder. „Ich nehme an, dass die Paare zumindest standesamtlich geheiratet haben und gehe davon aus, dass sie die kirchliche Trauung nachholen werden. Manche treffen vielleicht ihre Entscheidung erst Anfang nächsten Jahres, wenn sich hoffentlich wieder sicherer planen lässt“, mutmaßt Fabian Schneider.

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Etwas anders verhält es sich in der evangelischen Gemeinde. Für 2020 waren vier Hochzeiten angemeldet, von denen keine zustande kam. 2021 wollte bisher lediglich ein Paar den kirchlichen Segen, erklären Ina und Mathias Geib. „Wir sind keine typische Traukirche“, sagt das Pfarrerehepaar im Hinblick darauf, dass Heiratswillige sich für ihre kirchliche Feier ganz bewusst herausragend schöne Orte aussuchen. Ein Hochzeitsboom ist in der Pauluskirche also mit oder ohne Corona nicht zu erwarten.

So manches Brautpaar musste infolge der Beschränkungen durch die Pandemie ein hohes Maß an Flexibilität und Geduld an den Tag legen. Bianca und Simon Scherble etwa erwischte die Pandemie mitten in ihren Heiratsplänen. Eigentlich hätten die beiden gerne zu einer großen Feier mit Familien und Freunden eingeladen.

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Von diesen Plänen verabschiedeten sich Bianca und Simon Scherble gleich zu Beginn der Pandemie. Trotzdem mussten sie ihren Hochzeitstermin drei Mal verschieben. „Beim ersten Termin hätten nur sechs oder acht Leute zum Standesamt mitkommen dürfen. Da stellte sich die Frage, wen laden wir ein, wen aus“, schildert Simon Scherble die vertrackte Situation. Wenig besser sah es auch beim zweiten anberaumten Termin aus. „Wir konnten doch nicht einen Teil unserer Geschwister einladen und die anderen nicht, also haben wir nochmal verschoben.“ Beim dritten Anlauf ging es gerade so auf. 20 Gäste waren erlaubt und auch in der Gastronomie gab es die ersten Lockerungen, so dass man anschließend wenigstens gemeinsam essen konnte.

Noch härter traf es Manuela und Holger Stadler, die bereits im Jahr 2019 standesamtlich heirateten. Sie wollten im Juni vergangenen Jahres mit Familien, Freunden, Kollegen und Vereinskameraden ein rauschendes Hochzeitsfest feiern. „250 Gäste waren eingeladen worden, Location, Catering und Musik bereits fest gebucht. Das Brautkleid hängt seither fertig angepasst im Schrank“, fasst das Paar die umfangreichen Vorbereitungen zusammen.

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Traurednerin und Fotografin hatten bereits eine Anzahlung erhalten. Als klar war, dass die Feier so nicht stattfinden konnte, verschob das Paar den Termin um ein Jahr. Doch da war die Lage kaum anders. In Anbetracht anhaltender Planungsunsicherheit sagten sie alles ab. Vorerst lassen sich Manuela und Holger Stadler offen, wann sie ihre Hochzeitsfeier nachholen. Bereits geleistete Anzahlungen waren mit der Absage allerdings futsch. Die beiden Paare stehen beispielhaft für viele Heiratswillige, die sich ihren schönsten Tag im Leben sicherlich anders vorgestellt haben, als in Zeiten der Pandemie möglich war oder die noch immer auf einen Ausweichtermin hoffen, an welchem sie ihre Traumhochzeit nachholen können.

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