Bei einer Lesung in der Stadtbibliothek in Bonndorf stehen Erzählungen der Buchautorin Amélie Schenk über„Geschichte und Geschichten aus dem Land des Dschingis Khans“ im Mittelpunkt. Die Völkerkundlerin erforscht und bereist seit mehr als 30 Jahren die Mongolei, hat sie Zugang zu den Menschen vor Ort gefunden und kennt deren Lebens- und Denkweise. Kritisch verfolgt sie die Entwicklung in dem Land, das sich seit dem Fall des „eisernen Vorhangs“ rasant veränderte.

Die Mongolei ist laut Schenk von extremen Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite wird noch heute das Schamanentum gepflegt, auf der anderen Seite ist der Fortschritt allgegenwärtig. Mit negativen Auswirkungen wie dem Ausbeuten kostbarer Bodenschätze, wovon die Bevölkerung nichts hat. Drei Millionen Menschen leben mit 70 Millionen Nutztieren in der Mongolei auf einer Fläche, die viereinhalb mal so groß ist wie die Bundesrepublik. Das Lebensgefühl und die Lebenshaltung in dem zentralasiatischen Hochland scheinen wie aus einer anderen Zeit. In erster Linie regiert die Natur. Dürren, Fluten, Steppenbrände, aber auch schneereiche und bitterkalte Winter bestimmen das Leben der Menschen. Viele Mongolen leben in der Tradition ihrer Vorfahren, als Nomaden mit ihren Tieren auf den Weiden. Die Menschen können ihren Hausstand auf sechs Kamele verladen. Ihr Leben ist immer in Bewegung. Die Tiere entscheiden, wo sich am besten leben lässt. Der Mensch folgt ihnen.

Politik

Andererseits gibt es auch modernes Leben in der Mongolei, etwa in der Hauptstadt Ulaanbaatar. Seit 30 Jahren versucht sich das Land als Demokratie. Wie in vielen vormals sozialistischen Staaten bestimme Korruption das Gemeinwesen. Es gebe Widerstand gegen die Ausbeutung der Bodenschätze, doch der richte nicht allzu viel aus.

Die Erfahrung

Amélie Schenk kam vor mehr als 30 Jahren mit Menschen aus der Mongolei in Berührung. „Vor lauter Begeisterung bin ich dort stecken geblieben“, sagt die promovierte Ethnologin, die in Lenzkirch-Kappel lebt. „Man erforscht andere Völker am besten, wenn man sich in deren Welt begibt und mit ihnen lebt.“ Sie verbringt die Hälfte des Jahres in der Mongolei – abgesehen von der Corona-Pause. In Bonndorf schildert sie die Geschichte des Landes und ihre Erlebnisse und erklärt, weshalb sie sich derart für die Mongolei begeistert.