Der „alte Fasnet-Sunndig“, der Sonntag nach Aschermittwoch, ist seit jeher ein Tag mit großen Fasnet-Funken in den Gemeinden und Dörfern. In Gündelwangen gibt‘s normalerweise sogar zwei. Während die Hinterdörfler in diesem Jahr Pause machten, rief Christoph Nägele die Vorderdörfler Funkebauer auf, zuhause Funken zu bauen, nur für die eigene Familie. Nicht höher als drei Meter sollten sie sein, möglichst in dreieckiger Form und mit Hex und Tännchen auf der Spitze. Holz, Heu und Stroh sollten Verwendung finden.

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Die Resonanz war enorm. Anstelle eines großen Feuers gab es im Vorderdorf mehr als ein Dutzend „Mini-Fasnetfunken“, um Abschied zu nehmen von etwas, was ja – wenn überhaupt – nur Online stattfinden konnte: Die Fasnet 2021. Wir waren unterwegs mit langem Teleobjektiv für viel Abstand vom Geschehen und stießen auf viel Interessantes.

Leuchtende Kinderaugen beim kontrollierten Spiel mit dem Feuer: Viele kleine „Haus-Fasnetfunke“ brannten am alte Fasnet-Sunndig im Gündelwanger Vorderdorf.
Leuchtende Kinderaugen beim kontrollierten Spiel mit dem Feuer: Viele kleine „Haus-Fasnetfunke“ brannten am alte Fasnet-Sunndig im Gündelwanger Vorderdorf. | Bild: Wolfgang Scheu

Erste Station war bei Familie Nägele hinterm Haus, wo ein stattliches Exemplar kurz vor der Vollendung stand. Doch halt, was sah man da? Mechthild Nägele legte Hand an – ein Skandal, ein fasnachtlicher. Im Vorderdorf ist das doch klare Männersache. Aber die Mechthild stellt einen Sonderfall dar. Vor mehr als 20 Jahren wurde sie aufgefordert, die Hexe für den Vorderdörfler Funken beizusteuern. „Entweder Du machst die Hex, oder Du kommst selber obe druf“, waren die Worte von Harald Schaller, so erinnert sie sich selbst mit einem Schmunzeln. Und so liefert sie die Hex seit dieser Zeit zuverlässig jedes Jahr.

Norbert Sigwart, „Felsen“ genannt, hat hinter seinem Funken beste Fernsicht bis über die Schlucht nach Göschweiler. Bei Familie Schaller ist nichts zu sehen, der Familien-Funken in Miniatur steht bei Bianca und Benni in Bonndorf im Wohnzimmer.

Norbert Sigwart hat hinter seinem Funken beste Fernsicht über die Schlucht.
Norbert Sigwart hat hinter seinem Funken beste Fernsicht über die Schlucht. | Bild: Wolfgang Scheu

Opa Roland – ein begeisterter Modellbauer – und Enkel Moritz, sieben Jahre, haben maßgeblich Hand angelegt für das Kunstwerk inklusive Langholzwagen, Lkw und Vorderdörfler Fahne in Form eines Shirts. Jochen Zehnder trägt den Christbaum, der ein Narrenbaum wurde, zur Baustelle, nebenan bei Schübels und auch beim Holger Gfrörer wird gebaut.

Familie Stoll sitzt beim Sonntagskaffee, der Funken ist fertig, man wartet noch einige Zeit auf die Dunkelheit, um das Werk anzuzünden. Neben ein paar anderen Beispielen an der Straße findet sich noch ein minimalistisches Exemplar beim Sportplatz. Andreas und Heike werden den schönen Tag vor ihrem „Schwedenfeuer mit Christbaumspitze“ beschließen.

Andreas Preiser hat im Hebsack einen Funken mit Hexe oben an der Spitze gebaut. Auch Familie Duttlinger von den Auenhöfen war aktiv. Ihr Funken brannte schon am Samstagabend, alle anderen am Sonntag, wie auch in den „Vorderdorf-Enklaven“ Breitnau (bei Christoph) und in Bonndorf (bei der Familie Selz).

Andreas Preiser bei seinem Funken im Hebsack: Diese Nähe ist ohne Maske erlaubt.
Andreas Preiser bei seinem Funken im Hebsack: Diese Nähe ist ohne Maske erlaubt. | Bild: Wolfgang Scheu

Ganz unabhängig von der Gündelwanger Funken-Challenge hat am Samstag in Glashütte ein Mini-Funken von Heinz und Uwe Schuppler einen Hauch Holzschläger Fasnet verbreitet. Auch im Ort in Holzschlag brannten ein paar Familien-Feuer. Alle gemeinsam hoffen auf die Fasnet 2022.