„Bonndorf, wo fählt’s dir?“, lautete die alles entscheidende Frage beim Bühnenspiel der Pflumeschlucker zum „11.11.“ in der Stadthalle. Und genau so heißt auch das Motto des Fasnetspiels am Fasnetmendig 2019. Freudige Erwartung darauf weckte der Narrenrat der Pflumeschlucker mitsamt allen Akteuren schon mal in einem vergnüglichen Programm, das so manche Steilvorlage für weitere Ideen zu diesem Thema lieferte.

<strong>Informativ:</strong> Narrenvater Clemens Podeswa (Mitte) verkündet mit reichlich Unterstützung seiner Narrenratskollegen das Motto des nächstjährigen Fasnetspiels vor dem Rathaus und rät, sich auf der „Kuscht“ diesbezüglich rechtzeitig Gedanken zu machen.
Informativ: Narrenvater Clemens Podeswa (Mitte) verkündet mit reichlich Unterstützung seiner Narrenratskollegen das Motto des nächstjährigen Fasnetspiels vor dem Rathaus und rät, sich auf der „Kuscht“ diesbezüglich rechtzeitig Gedanken zu machen. Bild: Martha Weishaar

Wer könnte sich schon aufkeimender Narretei erwehren, wenn die Stadtmusik voll fröhlicher Inbrunst den Narrenmarsch ertönen lässt? Spätestens beim Einzug von Narrenmusik und Narrenrat in die Stadthalle wünscht sich doch ein jeder Narr, dass die Zeit zwischen „11.11.“ bis zum Beginn der fünften Jahreszeit möglichst rasch vergehen möge. Vielleicht weckte Wolfgang Knaak, der in diesem Jahr Ideengeber und Regisseur des Bühnenspiels war, auch schon den einen oder anderen zündenden Gedanken?

In abwechslungsreichen Szenerien legte er nämlich mit rund 70 Darstellern den närrischen Finger in die eine oder andere offene „Wunde“ im Städtle. Ob Wirtschaftsnot von ganz besonderer Art, Handwerkermangel oder traumhafte Gemeinderatsentscheide zum gigantischen Einkaufszentrum mitsamt Tunnellösung und verkehrsberuhigter Innenstadt – so manches scheint verbesserungsbedürftig im Städtchen in der Sonnenschale.

<strong>Jammernd: </strong> Auch Frau Meier (Manuela Rheiner) klagt dem Doktor (Hubert Rendler) ihre Zipperlein und erklärt, weshalb sie im vorgerückten Alter noch Jungfrau ist.
Jammernd: Auch Frau Meier (Manuela Rheiner) klagt dem Doktor (Hubert Rendler) ihre Zipperlein und erklärt, weshalb sie im vorgerückten Alter noch Jungfrau ist. Bild: Martha Weishaar

Wo sollen die Narren ihre Fasnet feiern, wenn immer mehr Gasthäuser schließen? Wo soll noch hitzig diskutiert werden, wenn analoge Theken wegfallen? Neue Ideen scheinen gefragt. Vielleicht würden Preisjass oder Schnauz-Abende die Gastronomie retten? Oder Erdnusspartys, wie dereinst in der „Schattenmühle“? Mit ihrem Hohelied auf die „Supergeili Zit“ fassen Karl-Heinz Strauß und Karl-Egbert Jost die Probleme in Worte, machen aber vor allem stimmungsvoll Mut für die Zukunft. Derweil zeigt eine Schar sexy „Miezen“ andere Wege auf, wie man im Wirtshaus für Unterhaltung sorgen könnte. Der Handwerkernot wiederum könnten Experten nach dem TV-Beispiel „Bares für Rares“ abhelfen.

Die Bandbreite der Arbeitssuchenden auf der Bühne ist groß, reicht vom satten Faulenzer bis zum Volltrottel „Manni“, der – nach einer wahren Begebenheit – sogar zu dumm erscheint, eine Steckdose zu finden. Dass gekrönte Zimmermänner indes von hübschen Mädchen auf dem Königsthron umschwärmt werden, dürfte ein Handwerkertraum bleiben.

Lösung für Nöte des Einzelhandels

Die ultimative Lösung für die Nöte des Einzelhandels liefern die Narren schließlich in Form eines gigantischen Einkaufszentrums. Die Innenstadt könnte durch Tunnelbau und zweispurigen Ausbau der Schwimmbadstraße luftschnapperfreundlich verkehrsberuhigt werden, Straßenmusiker würden nach dem Beispiel großer Städte Einzug halten. Felix Schüle und Alexander Bernhart liefern als solche den passenden Song mit kritischem Text. Dass der Gemeinderat der Löwenstadt all das abnickt, dafür sorgt Harald Heino mit raffinierter Technik, worüber Bürgermeisterin Michaela Stumpf mehr als erfreut ist. „Alles nur ein Traum, Ähnlichkeiten mit realen Personen gibt’s nicht“, verrät der Regisseur augenzwinkernd dazu.

<strong>Vielseitig:</strong> Multitalent Felix Schüle glänzt als „Straßenmusiker mit Panflöte“.
Vielseitig: Multitalent Felix Schüle glänzt als „Straßenmusiker mit Panflöte“. Bild: Martha Weishaar

Eine sportliche Tanzgruppe hübscher junger Damen verleiht dem Bühnenspiel veritablen Showcharakter. Zwischenszenen in einer Arztpraxis führen unterhaltsam von einem Thema zum nächsten. Angstgeplagte, Dauergestresste, ein sterilisationswilliger Familienvater oder auch eine betagte Jungfer suchen dort ärztlichen Rat, der mitunter recht rustikal ausfällt. Einmal mehr ist es Wolfgang Knaak in diesem närrischen Bühnenspiel der Pflumeschluckerzunft gelungen, sämtliche Rollen sowie feinsinnige Pointen den jeweils ideal geeigneten Darstellern zu übertragen.

Närrisch gesinnt zeigte er auf, dass es offenbar so manches auf der Optimierungsagenda im Städtle gibt. Also gilt es für alle Freunde der Fasnet, den traditionellen Rat des Narrenvaters doch zu beherzigen: Ab auf die warme „Kuscht“, bis es im Oberstüble brodelt, so dass all die offenen Wünsche oder Unzulänglichkeiten im Ort bei der nächsten Fasnet närrisch in Szene gesetzt werden. Zeit genug bleibt ja, denn der Fasnetmendig im kommenden Jahr fällt erst auf den 4. März.