Die Stadt Bonndorf will beim Ausbau erneuerbarer Energien mit dem Forum Energiedialog Baden-Württemberg zusammenarbeiten. Dies beschloss der Gemeinderat in jüngster Sitzung. Das Thema betrifft jeden, meinte Bürgermeister Marlon Jost, auch die Kommunen seien gefordert, ihren Beitrag zur Energiewende zu leisten. „Anlagen zur Produktion von regenerativen Energien entstehen überwiegend in ländlichen Gebieten, da können Konflikte entstehen“, sagte Dirk Vetter, der mit seinem Kollegen Filip Bubenheimer das Forum Energiedialog vorstellte.

Ziel ihrer Arbeit sei es, gute und tragbare Lösungen zu finden. Dazu sei es erforderlich, die Bevölkerung umfassend zu informieren und mitzunehmen. Mehr als 50 Kommunen würden die Angebote des Landesforums in Anspruch nehmen, dazu gehören Stühlingen und Grafenhausen. Bonndorf werde sich in naher Zukunft mit dem Ausbau der Windenergie und der Photovoltaik auseinandersetzen müssen, sagte Bürgermeister Marlon Jost mit Blick auf die Staatsforstflächen auf Bonndorfer Gemarkung, die vom Land für den Bau von Windrädern ausgewiesen wurden. Außerdem lägen zwei Anträge zum Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen vor.

Laut Filip Bubenheimer will das Forum Energiedialog über Projekte informieren, Vor- und Nachteile erklären und visualisieren. Dazu werden Veranstaltungen angeboten, Dialog-Gruppen gegründet, Experten zur Faktenklärung eingeladen und Workshops organisiert, um Kompromisse zu finden. Mit Info-Märkten – wie jüngst in Stühlingen – aber auch Dialogen im Internet sollen Bürger an der Lösungsfindung beteiligt werden. Es gehe um die individuelle Unterstützung in Energie-Konflikten.

Dirk Vetter erläuterte, dass beispielsweise bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen Standort-Kriterien geklärt und festgelegt werden, der Wert landwirtschaftlicher Flächen bewertet und Nutzungsbeteiligungen für die Grundeigentümer besprochen werden können. „Jeder sollte eine realistische Vorstellung davon haben, was da kommt“, so Vetter, „ohne Verharmlosung oder Panikmache.“ Seine Leistungen bietet das Forum Energiedialog kostenlos an. Alle Schritte und Ergebnisse müssen aber mit der Projektleitung im Umweltministerium abgestimmt werden, gab Dirk Vetter bekannt.

Bürgermeister Marlon Jost sagte, es ergebe Sinn, das Wissen und die Kompetenz des Forums zu nutzen. Heidi Saddedine (SPD) sah in Bonndorf kein großes Konfliktpotenzial, was die Nutzung von Windkraft betrifft. Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlichen Flächen seien aber kritisch zu sehen. Sinnvoller wäre es, andere Flächen besser zu nutzen. Ingo Bauer (CDU) meinte: „Jede Hilfe ist gut.“ Er sprach die Energie-Agentur Süd-West an, für die der Kreis Geld in die Hand genommen und Personal angestellt habe. Er wollte wissen, ob es eine Zusammenarbeit gebe. Vetter erläuterte, dass eine Zusammenarbeit zwar denkbar sei, die Aufgabenbereiche würden sich aber unterscheiden: „Unser Hauptanliegen ist die Information und die Konfliktschlichtung.“ Auf Nachfrage von Bruno Kalinasch (SPD) ergänzte Vetter, dass das Forum Energiedialog lediglich Kommunen unterstützt. „Privatleute werden von uns nicht beraten.“

Werner Intlekofer (Grüne) stellte klar, dass die Energiewende sein muss, deshalb sei es auch wichtig, über alle Möglichkeiten zu reden. Perfekt wäre es, wenn man vor Ort autark werden könnte. Intlekofer verwies ferner darauf, dass zukünftig zwei Prozent der Flächen für Windenergie und Photovoltaik zur Verfügung gestellt werden sollen. Das Angebot des Konfliktmanagements wurde von dem grünen Stadtrat begrüßt. Investoren werden kommen, Konfliktpotenzial ist da, meinte Gernot Geng (Bürgerliste), der eine professionelle Beratung durch das Forum Energiedialog ebenfalls befürwortete.

„Bislang wurde nur von Windkraft und Photovoltaik geredet, wie sieht es denn mit Wasserkraft aus?“, fragte Adrian Morath (Bürgerliste). Es gebe Interessenten ihnen würden aber Steine in den Weg gelegt. Wasserkraft sei selten aufgeschlagen, saget Vetter. Man könne darüber reden, aber: „Man sagt, dass das Potenzial der Wasserkraft bereits ausgeschöpft ist.“ Eckhard Fechtig fragte, wie lange das Forum für Bonndorf arbeiten werde. Vetter antwortete, zunächst gebe es Gespräche mit Bürgermeister und Gemeinderat zur Bedarfssondierung. Dann erfolge eine Analyse, aus der ein Maßnahmenplan hervorgehe. Für die Umsetzung werden drei bis zwölf Monate anberaumt, am Ende gibt es ein Abschlussgespräch.