Mit neuen musikalischen Horizonten wartete die Stadtmusik Bonndorf unter Dirigent Daniel Weißer beim Jahreskonzert in der Stadthalle auf. Mehr als drei Jahre lagen zwischen dem letzten und diesem Konzert. Die Pandemie hatte zwischenzeitlich den Kulturbetrieb so gut wie komplett lahmgelegt. Umso glücklicher waren die Protagonisten auf der Bühne und das blasmusikbegeisterte Publikum über den gelungenen Neustart.

Vorbereitung mit vielen Einschränkungen

Die Vorbereitung zum Konzert war noch unter erheblichen Einschränkungen vonstatten gegangen, so dass letztendlich sechs Ensembles das Gesamtorchester ergänzten. Mit epochalen Klängen spannten die Musiker einen Bogen von Pezel, Mozart und Beethoven bis hin zu zeitgenössischen Blasmusikkomponisten und Legenden der Popszene, wie John Lennon und Paul McCartney. Monumental wuchtig geriet die Eröffnung mit Rossano Galantes Meisterwerk „Beyond the Horizon“, das gleichzeitig Anleihe für den Konzerttitel war.

Es gibt uns noch!

Es klang beinahe, als wollten die Akteure damit postulieren: „Hurra! Es gibt uns noch!“. Gekonnt setzte das Orchester Bert Appermonts Werk „Gullivers Reisen“ in Szene, so dass die Zuhörer in den vier Sätzen das „Land der Zwerge“, „Land der Riesen“, „Die schwebende Insel“ sowie das „Land der Pferde“ förmlich erspüren konnten, ehe ein wuchtiges Stakkato sämtlicher Register diese vortreffliche Komposition abrundete.

Das Blechbläserensemble bat mit einer Fanfare musikalisch zum Ortswechsel in die Stadthalle.
Das Blechbläserensemble bat mit einer Fanfare musikalisch zum Ortswechsel in die Stadthalle.

Alsdann waren die Ensembles gefordert, allesamt ohne Führung eines Dirigenten. „Das braucht ganz andere, neue Fähigkeiten. Man muss aufeinander hören und alles perfekt können. Bei anspruchsvollen Rhythmen ist absolute Übereinstimmung gefordert“, erklärte Daniel Weißer die besondere Herausforderung dieser Art des Musizierens. Mit „Intrada“ von Johann Pezel sowie „The Journey of Invention“ eröffneten Trompete, Posaune, Tuba, Waldhorn und Flügelhorn im klassischen Blechbläserensemble.

Das Holzbläserensemble, bestehend aus Flöte, Oboe, Klarinette und Waldhorn, gab das Andante aus Beethovens Klaviersonate Nr. 10 zum Besten ehe das Klarinettenensemble mit dem eher weniger bekannten Menuetto den Bogen zu Mozarts kleiner Nachtmusik spannte. Nach diesen leicht beschwingten Klängen aus dem 18. Jahrhundert schien die Fortsetzung des Programms durch das Saxophonquartett mit dem Beatle-Klassiker „When I‘m Sixtyfour“ ungewöhnlich. Umso erstaunlicher trat indes die Ähnlichkeit dieser beiden Kompositionen mit ihrem beschwingt leichten Grundzug zutage.

Die Jugendkapelle der Bläserjugend sämtlicher Bonndorfer Musikvereine eröffnete den Konzertabend der Stadtmusik im Freien vor der ...
Die Jugendkapelle der Bläserjugend sämtlicher Bonndorfer Musikvereine eröffnete den Konzertabend der Stadtmusik im Freien vor der Stadthalle.

Dass böhmisch-mährische Blasmusik nach wie vor das Steckenpferd von Blasmusikfans ist, zeigte sich in der begeisterten Reaktion des Publikums auf „Polkafreunde“ sowie „Sommernachtsfest“. Reine Männersache war diese kleine Besetzung, die raumfüllendes Blasmusikfeeling aufkommen ließ. Das Gesamtorchester legte mit Guido Henns Marsch „Feuer und Eis“ sowie der Zugabe „Prager Burg“ in diesem Genre nach und entließ ein begeistertes Publikum. Dieses hatte in dem ausgesprochen abwechslungsreichen Konzert Blasmusik in allen Facetten erlebt. Mit Körperpercussion und einer humorigen Choreographie forderte zu guter Letzt das Schlagzeugensemble lautstark Freibier.

Um die Zukunft der Stadtmusik braucht man sich offenbar nicht zu sorgen. Die Jugendkapelle der Bläserjugend sämtlicher Bonndorfer Musikvereine unter Leitung von Alexander Bernhart hatte bei der Eröffnung im Freien mit Werken von Jacob de Haan, Eric Osterling und Michael Sweeney bewiesen, dass Blasmusik auch junge Menschen begeistert.

Am Musikerstammtisch nach den Ehrungen (von links): Roland Krones, Hartmut Müller, Bernhard Podeswa, Günther Wietschorke, Armin ...
Am Musikerstammtisch nach den Ehrungen (von links): Roland Krones, Hartmut Müller, Bernhard Podeswa, Günther Wietschorke, Armin Winterhalder, Günther Preiser und Dominik Stritt sowie Florentine Rombach.

Nachdem die Stadtmusik so lange Zeit öffentlich kaum wahrgenommen wurde, nutzte der neue Vorsitzende Felix Schüle gemeinsam mit Guido Kaltenbrunn, Vizepräsident des Blasmusikverbands Hochschwarzwald, die Gelegenheit, verdiente Musiker für ihre langjährige Treue auszuzeichnen. Armin Winterhalder wurde als bisher einziges Mitglied der Stadtmusik für 60 Jahre, Bernhard Podeswa und Günther Wietschorke für jeweils 50 Jahre, Günther Preiser für 40 und Florentine Rombach sowie Dominik Stritt für jeweils 25 Jahre aktives Musizieren geehrt.

Hartmut Müller zum Ehrenmitglied ernannt

Eine Überraschung gab es für Hartmut Müller. Er wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Dieselbe Ehre wurde dem bisherigen Vorsitzenden, Roland Krones, zuteil. Auch die bisherige Vorsitzende der Bläserjugend, Meike Beck, wurde von ihrem Nachfolger Alexander Bernhart würdevoll verabschiedet.